Freuden-Girlande zu Lilienbad eindränge! – Ich höre noch immer die gezognen Flötentöne aus diesem unbekannten Busen hinter den Blüten klagen; aber sie machen mich traurig. Hier liegen die ewig schlafenden Blumen, die ich heute auf dem Steige unsrer letzten Nacht zusammentrug, neben aufgefalteten wachenden, die ich erst ausriss – sie machen mich auch traurig. – Es gibt für mich und meine Leser nichts Nötigeres, als jetzt einen neuen FreudenSektor anzuheben, damit wir unser altes Leben fortsetzen ....
O Lilienbad! du bist nur einmal in der Welt; und wenn du noch einmal vorhanden bist, so heissest du V–zka.
Letzter Sektor
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Wir unglücklichen Brunnengäste! Es ist vorbei mit den Freuden in Lilienbad. – Die obige Überschrift konnte noch mein Bruder machen, eh' er nach Maussenbach forteilte! Denn Gustav liegt da im Gefängnis. Es ist alles unbegreiflich. Meine Freundin Beata unterliegt den Nachrichten, die wir haben und die im folgenden Briefe vom Herrn Doktor Fenk an meinen Bruder heute ankamen. Es ist schmerzhaft für eine Schwester, dass sie allzeit bloss in Trauerfällen die Feder für den Bruder nehmen muss. Wahrscheinlich wird die folgende Hiobspost dieses ganze Buch so wie unsere bisherigen schönen Tage beschliessen.
"Ich will dich, mein teuerer Freund, nicht wie ein Weib schonen, sondern dir auf einmal den ganzen ausserordentlichen Schlag erzählen, der unsere glücklichen Stunden getroffen hat und am meisten die unserer beiden Freunde.
drei Tage nach unserer schönen Nacht – erinnerst du dich noch an eine gewisse Bemerkung von Ottomar über die Gefährlichkeit der Entzückungen? – will der Professor Hoppedizel seinen unbesonnenen Spass ausführen, im Maussenbachschen schloss einzubrechen. Der pfiffige Jäger Robisch war gerade nicht zu haus, sondern mit deinem Vorfahrer, dem Regierungrat Kolb, auf einer Streiferei nach Diebgesindel, bei der sie aus Lust mitzogen. Bemerke, eine Menge Umstände und Personen verknüpfen sich hier, die schwerlich der Zufall zusammengeleitet hat.
Der Professor kommt mit sechs Kameraden und hat eine Leiter mit, um sie an dem seit Jahren zerbrochnen Fenster, das nach Auental hinübersieht, anzulegen. Aber als er unter das Fenster tritt: steht schon eine daran. Er nimmts für den besten Zufall, und sie steigen sämtlich, beinahe hintereinander, hinauf. Oben langt eine Hand eine silberne Degenkuppel heraus und will sie geben – der Professor ergreift beide und springt über das Fenster hinein. Darin war, was er schien, ein Dieb, welcher Handlanger auf der Leiter erwartete. Der diebische Realist fällt den Nominalisten mit wütender Verzweiflung an – die Galerie auf der Leiter stürzet gar nach und vermehrt das fechtende Gewimmel. Die Stösse auf dem Fussboden lärmen den horchenden Röper weniger aus seinem Schlafe als Bette auf – er sein ganzes Haus, und dieses seinen Gerichtdiener – es kurz zu sagen: in wenigen Minuten hatte' er mit der Wut, womit der Geizige seine Güter rettet und hält, die spasshaften Diebe und den ernstaften zu Gefangnen gemacht, der wahre Dieb mochte noch so sehr um sich schlagen und der Professor noch so sehr disputieren. jetzt sitzt alles fest und wartet auf dich.
– Ach! hältst du es aus – wenn ich dir alles sage? Die Streifer Kolb und Robisch finden um Maussenbach die Bundgenossen des ertappten Diebs – dringen in den Wald – gehen einer Höhle zu, als wüssten sie, dass sie zu etwas führe – finden eine unterirdische Menschenwelt – O! dass gerade du zu deinem Unglück da getroffen werden musstest, du Unschuldiger und Unglücklicher! nun schlägt dein sanftes Herz auch an der Kerkerwand! – soll ich dir deinen Freund Gustav nennen? – – Eile, eile, damit es sich anders wende!
Sieh! nicht bloss auf deine, auch auf meine Brust hat dieser Tag sich heftig geworfen. Hältst du es aus, wenn ich noch mehr sage? – dass es nur ein Zufall ist, dass Ottomar noch lebt. – – Ich brachte ihm die Nachricht unseres Unglücks. Mit einem schrecklichen Sträuben seiner natur, in der jede Fiber mit einem andern Schauer kämpfte, hört' er mir zu und fragte mich, ob keiner mit sechs Fingern gefangen genommen worden. 'Ich habe in jener Waldhöhle' (sagt' er) 'einen schweren Eid getan, unsere unterirdische Verbindung niemand zu offenbaren, ausgenommen eine Stunde vor meinem tod. Fenk, ich will dir jetzt die ganze Verbindung offenbaren.' – Mein Sträuben und Flehen half nichts: er offenbarte mir alles. 'Gustav muss gerechtfertiget werden', sagt' er. – Aber diese geschichte ist nirgends sicher, kaum im getreuesten Busen, geschweige auf diesem Papier. Ottomar wurde von seiner sogenannten Vernicht-Minute angefallen. Ich liess seine Hand nicht aus meiner, damit er über seine Stunde hinauslebte und seinen Eid bräche. – Es gibt nichts Höheres als einen Menschen, der das Leben verachtet; und in dieser Hoheit stand mein Freund vor mir, der in seiner Höhle mehr gewagt und besser gelebt hatte als alle Scheerauer. – Ich sah es ihm an, dass er sterben wollte. Es war Nacht. Wir waren in der stube, wo die wächsernen Mumien mit schwarzen Sträussern stehen, die den Menschen erinnern, wie wenig er war, wie wenig er ist. 'Beuge', sagt' er (denn ich kettete mich an ihn), 'deinen Kopf weg, dass ich in den Sirius sehe – dass ich in den unendlichen Himmel hinaussehe und einen Trost habe – dass ich mich hinwegsetze über eine Erde mehr oder weniger.