Unendliche dann oben seine Unendlichkeit in zwei Wolken verhüllte, in eine blitzende, oder die ewige Wahrheit, und in eine warm auf alles niederträufelnde und weinende, oder die ewige Liebe: alsdann stand gehalten die steigende Au, der sinkende Äter, der nachhallende Bach, das rege Blumenblatt; alsdann gab Gott das Zeichen, dass er vorübergehe, und eine unermessliche Liebe zwang alle Seelen, in dieser hohen Stille sich zu umarmen und keine sank an eine, sondern alle an alle – ein WonneSchlummer fiel wie ein Tau auf die Umarmung. Wenn sie dann wieder auseinander erwachten, so gingen aus dem ganzen Blumenfelde Blitze, so rauchten alle Blüten, so sanken alle Blätter unter den Tropfen der warmen Wolke, so klangen alle Krümmungen des tönenden Baches zusammen, es wetterleuchtete das ganze Paradies über ihnen und nichts verstummte als die liebenden Seelen, die zu selig waren ....
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Gustav erwachte in eine nähere Welt, die ein schönes Gegenspiel seiner geträumten war; die Sonne war in einen einzigen glühenden Strahl verwandelt, und dieser Strahl knickte auch an der Erde ab; die Wolke der Dämmerung zog herum, Blumen und Vögel hingen ihre schlafenden Häupter in den Tau hin und bloss der Abendwind kramte noch in den Blättern umher und blieb die ganze Nacht auf ....
So schleichen unsere grünen Stunden durch unser unbesuchtes Tal, sie gleiten mit einem ungehörten Schmetterling-Fittich durch unsern Luftkreis, nicht mit der schnurrenden Käfer-Flügeldecke – die Freude legt sich leise wie ein Abendtau an und prasselt nicht wie ein Gewitterguss herab. Unsere glückliche Badzeit wird uns zum Mut, zu Geschäften, zum Erdulden auf lange, auf immer erfrischen; das grüne Lilienbad wird in unserer Phantasie eine grüne Rasenstelle bleiben, auf der, wenn einmal die Jahre alle elysische Felder, die ganze Gegend unserer Freude tief überschneiet haben, unter ihrem warmen Hauche aller Schnee zergeht und die uns immer angrünet, damit wir auf ihr, wie Maler auf grünem Tuche, unsere alten Augen erquicken .... Ich wünsch' euch, meine Leser, für euer Alter recht viele solche offen bleibende Stellen und jedem Kranken sein Lilienbad.
Tät' ichs nicht dem deutschen Publikum zu Gefallen: so würde' ich schwerlich vor Freude zur Beschreibung derselben gelangen. Und doch werde' ich keinen neuen Freuden-Sektor anfangen vor dem Geburttage Beatens. Dieser wird auf der kleinen Molukke Teidor begangen, dahin sind wir vom Doktor eingeladen; der hat sein Landhaus auf dieser Insel; das Wetter wird auch schön verbleiben. – – Ich kann so viel ohne grosses prophetisches Talent leicht voraussehen, dass der Geburttags- oder Teidors-Sektor alles Schöne, was je in der Alexandrinischen Bibliotek verbrannt oder in Ratbiblioteken vermodert oder in andern erhalten worden, nicht sowohl vereinigen als völlig überbieten werde.
Im nämlichen Brief, der uns nach der molukkischen Insel lockt, schreibt mir der Doktor eine Neuigkeit, die insofern hier einen Platz verdient, weil einer da ist und ich den Sektor gern voll haben möchte, indem ich bloss abschriebe.
"Der Professor Hoppedizel, der ausser dem Philosophieren und Prügeln nichts so liebt als Spassmachen, will, sobald der Mond wieder später aufgeht, den machen, dass er ein Spitzbube ist. Ich traf ihn vor einigen Tagen an, dass er sich einen langen Bart zurechtsott, ferner Brecheisen versteckte und Masken wählte. Ich fragte ihn, auf welcher Redoute er stehlen wolle. Er sagte, in der Maussenbachschen – kurz er will deinen Gerichtprinzipal dadurch, dass er mit der kleinen Bande einbricht und statt Beute Spass macht, in einen teatralischen Kunst-Schrecken jagen. Zu wünschen wäre, dieser artistische und satirische Räuberhauptmann würde für einen wahren genommen und mit seinem Brech-Apparat auf einen Arrestanten-Wagen gebracht und öffentlich hereingefahren – nicht etwa, damit der gute Hoppedizel dabei versehret würde – sondern nur damit dieser korsarische Stoiker auf die Folter käme und dadurch drei Menschen auf einmal ins Licht setzte: erstlich sich, indem er weniger das Verbrechen als seine stoischen Grundsätze bekennte – zweitens den Pestilenziar oder mich, indem ich bei der Tortur (wie wir bei allen Schmerzen tun) die Rücksichten auf seine Gesundheit vorschriebe – drittens den Justitiar oder dich, der du zeigen könntest, dass du deine akademischen Kriminalhefte schon noch im Koffer hättest."
Ich glaube, es wird dem Leser auch so gehen wie mir, dass uns auf dem Blumengestade unter den Wohllauten der natur dieses Seetreffen des grossen Weltmeers und dieses Schiessen desselben eine schreiende Dissonanz zu machen scheint.
Dreiundfunfzigster oder der grösste
Freuden-Sektor oder der Geburttags- oder
Teidors-Sektor
Der Morgen – der Abend – die Nacht
Heute ist Beatens fest und wird immer schöner – mein Schreibepult ist neun Millionen Quadratmeilen breit, nämlich die Erde – die Sonne ist meine Epiktets-Lampe, und statt der Handbibliotek rauschen die Blätter des ganzen Naturbuchs vor mir .... Aber von vornen an! übrigens lieg' ich jetzt auf der Insel Teidor.
Die Tage vor schlechtem Wetter sind auch meteorologisch die schönsten. Da wir heute als die friedlichste Quadrupel-Allianz, die es gibt, durch unser singendes Tal, eh' noch die Morgenstrahlen hereingestiegen waren, hinausgingen, um noch vor neun Uhr recht gemächlich auf der kleinen Molukke Teidor anzukommen: so streckte sich ein ganzer kristallener quellenheller Tag auf den weiten Fluren vor uns hin – wir waren bisher an schöne gewöhnt, aber an den schönsten nicht. – Die Erdkugel schien eine helle, aus Dünsten und Lüften herausgehobene Mondkugel zu sein