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die einbeinige Muschel, an deinen Studierfelsen an; unddies war im grund das einzige Schlimmedrücktest dich mit der brennenden und matten Brust einer Brutenne auf deine biographischen Eier und Sektores und wolltest den Lebenden nachkommen. Wo blieb dein Gewissen, deine Schwester, dein gelehrter Ruhm, dein Magen?" ...

"Wedele nicht so heftig, Fenk, mit dem MuffSchwanz und wirf ihn lieber ins Bett!"

"Meine Doktor-Disputation und deine Krankheit sind auch aus, wenn deine Tätigkeit sich, wie in einem staat, von oben herab vermindert; – den Kopf untätig, das Herz in heiteren Schlägen, die Füsse im Laufe, und dann komme der März nur heran." ...

Ich tats einige Monate hintereinander, um den armen Leib wieder in integrum zu restituierenund als ich mich so des gelben Ratzenpulvers und Mehltaues für die Nerven, nämlich des Kaffees und des Witzes entielt und statt zu beiden zu braunem Bier und zu meinem Wutze griff, so wurde einmal plötzlich die stube hell, Auental und der Himmel flammend, die Menschen legten ihre Fehler ab, alle Flächen grünten, alle Kehlen schlugen, alle Herzen lächelten, ich niesete vor Licht und Wonne und dachte: entweder eine Göttin ist gekommen oder der Frühling – – es war gar beides, und die Göttin war die Gesundheit.

Und bloss auf deinem Altar will ich meine biographischen Blätter weiterschreiben! – der Pestilenziar leidet es nicht anders; seine Schlüsse und Rezepte sind die: "Ich würde" – sagt' er – "in meiner Biographie, gleich der heissen Zone, den ganzen Winter mit allen seinen Tatsachen überspringen, da er ohnehin nur, wie der in jener Zone, im Regnen (der Augen) besteht. Ich würde, wenn ich an deiner Stelle sässe, sagen, der Doktor Fenk wills nicht haben, nicht leiden, nicht lesen, sondern ich soll, statt in einer Entfernung von 365 Stunden der vorausschreitenden säenden geschichte keuchend mit der Feder nachzueggen, lieber hart hinter der Gegenwart halten und sie ans Silhouettenbrett andrücken und sogleich abreissen. Ich würde" (fuhr Fenk fort) "dem Leser raten, bloss den Doktor Fenk anzupacken, der allein schuld sei, dass ich vom ganzen Winter nur folgenden schlechten Extrakt gäbe: Der gute Gustav verschmerzte den Winter in des Professor Hoppedizels haus bei seinen Eltern, welche da ihr gewöhnliches Winterquartier hattener mattete seinen Kopf ab, um sein Herz abzumatten und ein anderes zu vergessen; bereuete seinen Fehler, aber auch seinen voreiligen Abschiedbrief; setzte seine Wunden dem philosophischen Nordwind des Professors aus, der auf einem zarten Instrument, wie Gustav, wie auf einem Pedal mit den Füssen orgelt; und zehrte durch Einsperren, Denken und Sehnen seine Lebenblüten ab, die kaum der Frühling wieder nachtreiben oder übermalen kann".

Beata würde zu hausdenn ihr weibliches Auge fand wahrscheinlich die Parze ihrer Freuden leicht heraus, von der sie sich unter dem ihr verdankten Vorwand der Kränklichkeit ohne Mühe geschieden hattenoch mehr sich entblättert und umgebogen haben, wäre mein romantischer Kollege Oefel nicht gewesen: der ärgerte sie hinlänglich und mischte ihrem Kummer die Erfrischungen des Zornes bei, indem er immer kam und im schönsten gebrochnen eingeschleierten Auge der verlornen Liebe seine eigne aufsuchte und herausforderte. Jetzt trinkt sie, auf Fenks Treiben, den Brunnen in Lilienbad und lebt allein mit einem Kammermädchen – – der Mai hebe die gesenkte Blumen-Knospe deines Geistes empor, den dein Flockenleib, wie Blumen neu gefallner Schnee, umlegt und drückt und aus dessen aufgerissenen Blumen-Blättern die Schnee-Rinde erst unter der Frühlingsonne des entfernten zweiten himmels rinnen wird! –

Ottomar hat den Winter verzankt und verstritten; hat viele Korrespondenz; advoziert wie ich, aber gegen jeden giftigen Stammbaum und Hundstern auf dem Rock, am meisten gegen den Fürstenhut seines Bruders, der damit Untertanen wie Schmetterlinge erwirft und fängt. Er glaubt, ein Advokat sei der einzige Volktribun gegen die Regierung; nur sei das bisherige Lesen der Advokaten schlimmer gewesen als selbst das Buchstabieren, das der selige Heinecke für schlimmer ausschrie als Erbsünde und Pest. Ich möchte ihn fast für den Verfasser einer Satire über den Fürsten halten, die im Winter vor den Tron kam und die der Patenbrief eines Räubers mit der Bitte war, der Fürst möchte dem kleinen Diebs-Dauphin seinen Namen geben, wie einem Minister, und sich seiner annehmen, wenn die Eltern gehenkt wären. Am meisten fielen mir einige pasquillantische Züge auf, die eine feinere Hand verraten; z.B. der Staat sei eine Menschenpyramide, wie sie oft die Seiltänzer formieren, und die Spitze derselben schliesse sich mit einem KnabenDas Volk sei zähe und biegsam wie das Gras, werde vom Fusstritt nicht zerknickt, wachse wieder nach, es möge abgebissen oder abgeschnitten werden, und die schönste Höhe desselben für ein monarchisches Auge sei die glattgeschorne des ParkGrasesDiebe und Räuber würden für Separatisten und Dissenters im staat gehalten und lebten unter einem noch ärgern Druck als die Juden, ohne alle bürgerliche Ehre, von Ämtern ausgeschlossen, in Höhlen wie die ersten Christen und ebensolchen Verfolgungen ausgesetzt; gleichwohl fahre man solchen Staatsbürgern, die den Luxus und Geld-Umtrieb und Handel stärker beförderten als irgendein Gesandter, bloss darum so hart mit, weil diese Religionsekte besondere Meinungen über das siebente Gebot hegte, die im grund nur im Ausdruck sich von denen anderer Sekten unterschieden etc. –

Der Verfasser kann aber auch ein wirkliches Mitglied dieser geheimen Gesellschaft