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aufstelle, die den Prospektmaler beinahe umbringen, und biographische Seiten schreibe, die auf mich nicht viel besser wirken als vergiftete Briefe? Wer weiss esnach Scheerau komm' ich jetzt seltenals meine Schwester, dass ich in diesem biographischen Lustschloss, das mein Mausoleum werden wird, oft Zimmer und Wände übermale, die mir Puls und Atem dergestalt benehmen, dass man mich einmal tot neben meiner Malerei liegen finden muss? Muss ich nicht, wenn ich so in die Schlagweite des Todes gerate, aufspringen, durch die stube zirkulieren und mitten in den zärtlichsten oder erhabensten Stellen abschnappen und die Stiefel an meinen Beinen wichsen, oder Hut und Hosen auskehren, damit es mir nur den Atem nicht versetzt, und doch wieder mich daran machen und so auf eine verdammte Art zwischen Empfindsamkeit und Stiefelwichsen wechseln? – Ihr verdammten Kunstrichter allzumal!

Dazu gesellen sich noch tausend Plackereien, die mich seit einiger Zeit viel öfter zwicken, weil sie etwa merken, dass der Polype mir bald den Garaus versetzen und sie mich nicht lange mehr haben werden. Meinen Maussenbacher Hummer, der mich immer zwischen seine gerichterrlichen Scheren nimmt und der glaubt, ein armer Gerichtalter müsse an nichts anderm sterben als an arbeiten ex officio, diesen ägyptischen Fronvogt will ich überspringen; auch meine Schwester und Wutzen unter mir, die beide wider alles Mass lustig sind und mich fast tot singen. Aber was mich drückt, ist der Druck der Untertanen, das metallene Druckwerk, das man unsern Fürsten nennt.

Ich hätte mich beinahe neulich in einer Exzeptionschrift in einen ehrenvollen Festungarrest hineingeschrieben. Hier aber auf dem biographischen Papiere kann ich schon eher meine Orangen ohne Karzer-Gefahr an den gekrönten Kopf werfen. Pfui! bist du darum Fürst, um eine Wasserhose zu sein, die alles, worüber sie rückt, in ihren Krater hinaufschlingt? Und wenn du uns einmal bestehlen willst, tu es mit keinen andern Händen als mit deinen eignen, fahre terminierend vor allen Häusern durch das Land und erhebe selber die ordentlichen Steuern in deinen Wagen: aber so wie bisher, langen unsre Abgaben nach dem Transitozoll, den sie den Händen aller deiner Kassenbedienten geben müssen, so mager wie weitgereisete Heringe oben in deiner Schatulle an, dass du im grund von beschwerlichen Summen nicht mehr bekommst als bequeme Logaritmen. Die Fürsten haben, wie die ostindischen Krebse, eine RiesenSchere zum Nehmen, und eine Zwerg-Schere, den Fang an den Mund zu bringen.

Und so ist die ganze Hauptstadt, wo jeder sich für regierendes Mitglied ansieht und doch jeder darüber schreiet, dass der andre sich ins Regieren mengt und dass die Kinder unter den Hermelin wie unter den väterlichen Schlafrock kriechen und vereinigt den Vater nachmachenwo die Paläste der Grossen aus Höllensteinen gemauert sind, die wie aussätzige Häuser kleinere zernagenwo der Minister den Fürsten auf seiner unempfindlichen Hand, wie der Falkonier den Falken auf der beschuhten, trägtwo man die Laster des volkes für die Renten ihrer Obern ansieht und alles moralische Aas, wie die Bienen ihr physisches, bloss mit Wachs umklebt, anstatt es aus dem Bienenkorb zu tragen, d.h. wo die Polizei die Moral ersetzen willwo, wie an einem jeden hof, eine moralische Figur so unausstehlich und so steif gefunden wird als in der Malerei eine geometrischewo der Teufel völlig los und der heilige Geist in der Wüste ist und wo man Leuten, die in Auental oder sonst krumme Sonden in den Händen halten und damit die fremden Körper und Splitter aus den Wunden des Staates heben wollen, ins Gesicht sagt: sie wären nicht recht gescheit ....

Ich wollt', es wär' wahr: so wär' ich wenigstens recht gesund. Nach einem solchen Klumpen von Ich, woraus ein Staatskörper wie aus Monaden besteht, ist das meinige zu winzig, um vorgenommen und besehen zu werden. Sonst könnt' ich jetzt nach den Besorgnissen um den Staat die um mich selber erzählen.

Und doch will ich dem Leser meine Qualen oder Sieben Worte am Kreuze sagen, wiewohl er selber mich an das Kreuz, unter welchem er mich bedauern will, hat schlagen helfen. Im grund fragt kein Teufel viel nach meinem Siechtum. Ich sitze hier und stelle mir aus unvergoltener Liebe zum Leser den ganzen Tag vor, dass Feuer kann geschrien werden, das gleich einem Autodafé alle meine biographischen Papiere in Asche legt und vielleicht auch den Verfasser. – Ich stelle mir ferner vor und martere mich, dass dieses Buch auf dem Postwagen oder in der Druckerei so verdorben werden kann, dass das Publikum um das ganze Werk so gut wie gebracht ist, und dass es auch nach dem Druck in ein Hetzhaus und eine Marterkammer geraten kann, wo ein kritischer Broterr und Kunstrichter-Ordengeneral seine Rezensenten mit ihren langen Zähnen sitzen hat, die meiner zarten Beata und ihrem Amanten Fleisch und Kleider abreissen und deren stube jener stube voll Spinnen gleicht, die ein gewisser Pariser hielt und die bei seinem Eintritt allemal auf seine ausgezognen blutigen Taubenfedern zum Saugen von der Decke niederfuhren und aus deren Fabrikaten er mit Mühe jährlich einen seidnen Strumpf erzielte .... Alle diese Martern tu' ich mir selber an, bloss des Lesers wegen, der am meisten verlöre, wenn er mich nicht zu lesen bekäme; aber es ist diesem harten Menschen einerlei, was die ausstehen, die ihn ergötzen. – Hab' ich endlich meine Hand von diesen Nägeln des Kreuzes losgemacht: so ekelt mich das Leben selber an als