Bärenfange steht und Zweige darauf wirft, damit ich hineinstolpere, nur durchaus keinen – Bären, obwohl auch keinen Affen. Nein! ihr gefügigen gedrängten Geschöpfe! ich setze mir es noch einmal vor und gelob' es einer von euch hier öffentlich im Druck. Geschäh' es dennoch, dass ich die eine nach den Flitterwochen quälen wollte: so les' ich bloss diesen Sektor hinaus und rühre mich mit dem kommenden Gemälde eurer ehlichen Pilatus, das ich deswegen hieher trage – wie nämlich der dümmste Mann sich für klüger hält als die klügste Ehefrau; wie diese vor ihm, der vielleicht ausser dem Haus vor einer Göttin oder Götzin auf den Knien liegt, um beglückt zu werden, gleich dem Kamele auf die ihrigen sinken muss, um befrachtet zu werden; wie er seine Reichskammergericht-Erkenntnisse und seine Plebiszita nach den sanftesten, nur mit zweifelhafter stimme wie verloren gewagten Gegengründen mit nichts versüsset als mit einem "wenn ichs nun aber so haben will"; wie eben die Träne, die ihn bezauberte im freien Auge der Braut, ihn entzaubert und ganz toll macht, wenn sie aus dem ankopulierten fällt, so wie in den arabischen Märchen alle Bezauberungen und Entzauberungen durch Besprengen mit wasser geschehen – wahrhaftig das einzige Gute ist doch dies, dass ihr ihn recht betrügt. Ach! und wenn ich mir erst denke, wie weit ein solcher Ehe-Petz gegangen sein muss, bis ihr so weit ginget, dass ihr, um nicht von ihm gefressen zu werden, euch (wie man auch bei den Waldbären tut) gar ohnmächtig anstellet; und der Petz schritt mit seinen müssigen Tatzen um die Scheintote herum! ....
"In meinem Alter soll das Einbein schon anders pfeifen!" sagt der verheiratete Leser; allein ich bin selber schon neun Jahre älter als er, und noch dazu unverheiratet.
Fussnoten
1 Das wüsst' er nicht, wenn er es nicht aus den neuen Taktikern, Herrn Hahn und Herrn Miller, hätte, die den jungen Offizier die Differentialrechnung lehren, damit es ihm nicht schwer werde, mitten im Treffen beim Deployieren und Schwenken die Grundwinkel herauszurechnen. – Ebenso hab' ich hundertmal ein Buch schreiben und darin die armen visierenden Billardspieler in den Stand setzen wollen, bloss nach einigen Auflösungen aus der Mechanik und höheren Matesis mit zugemachten Augen zu stossen. 2 Kambyses eroberte Pelusium mit Sturm, weil er unter seine Soldaten heilige Tiere, Katzen u.s.w., mengte, auf welche die ägyptische Garnison nicht zu schiessen wagte und an die sie statt der Pfeile Gebete abschickte. 3 Das Einbein bin ich selber. Ich habe die Vorrede, die man wird überschlagen haben, und diese Note, die nicht zu überschlagen ist, gemacht, damit es einmal bekannt werde, dass ich nicht mehr habe als ein Bein, wenn man das zu kurze wegrechnet, und dass sie mich in meiner Gegend nicht anders nennen als das Einbein oder den einbeinigen Autor, da ich doch Jean Paul heisse. Siehe das Taufzeugnis und die Vorrede.
Zweiter Sektor oder Ausschnitt
Ahnen-Preiskurant des Ahnen-Grossierers – der
Beschäler und Adelbrief
Es gibt in der ganzen entdeckten Welt keine verdammtere Arbeit als einen ersten Sektor zu schreiben; und dürft' ich in meinem Leben keine andern Sektores schreiben, keinen zweiten, zehnten, tausendsten, so wollt' ich lieber Logaritmen oder publizistische Kreisrelationen machen als ein Buch mit ästetischen. Hingegen im zweiten Kapitel und Sektor kommt ein Autor wieder zu sich und weiss recht gut im vornehmsten Cercle, den es vielleicht gibt (Knäsen sitzen in meinem), was er mit seinen schreibenden Händen anfangen soll und mit seinem hut, kopf, Witz, Tiefsinn und mit allem.
Da ich durch das Ehepaar, von dessen Verlobung durch Schach und Katze wir sämtlich zurückkommen, mir in neun Monaten den Helden dieses Buches abliefern lasse: so muss ich vorher zeigen, dass ich nicht unbesonnen in den Tag hineinkaufe, sondern meine Ware (d.i. meinen Helden) aus einem recht guten haus, um kaufmännisch zu reden, oder aus einem recht alten, um heraldisch zu sprechen, ausnehme. Denn der reichsfreien Ritterschaft, den Landsassen und bewiesen werden, dass mein Heldlieferant, Herr von Falkenberg, von älterem Adel ist wie sie alle; und zwar von unechtem.
Nämlich Anno 1625 war Mariä Empfängnis, wo sein Urgrossvater sich ungemein besoff und dennoch aus dem Glücktopfe die volle Hand mit etwas Ausserordentlichem herausbrachte, mit einem zweiten Adeldiplom. Denn es trank mit ihm, aber siebenmal stärker, ein gescheiter Rosstäuscher aus Westfalen, auch ein Herr von Falkenberg, aber nur ein Namenvetter; ihre beiden Stammbäume bestreiten und anastomosierten sich weder in Wurzelfäserchen noch in Blättern. Ob nun gleich der Sippschaftbaum des Westfälingers so alt und lang im Winde und Wetter des Lebens dagestanden war, dass er mit manchem Veteranen auf den Bergen Libanon und Ätna zugleich aus der Erde vorgeschossen zu sein schien, kurz, obgleich der Rosshändler 64schildig war, indes der Urgrossvater zu seiner grössten Schande und zu dessen seiner, der ihn in seinen Roman mitineinnimmt, wirklich sowohl Zähne als Ahnen mehr nicht zählte als 32: so war es doch noch zu machen. Der alte Westfale war nämlich der Stammhalter und die Schlussvignette und das hogartische Schwanzstück seines ganzen historischen Bildersaals; nicht einmal in beiden Indien, wo wir alle unsre Vettern haben und erben, hatte' er noch einen. Darauf fusste der Urgrossvater, der ihm sein Adeldiplom abzufluchen und abzubetteln suchte, um es für sein