von allem, was sie nachher in andern Zimmern taten, keine Merkwürdigkeit, und von allem, was sie darin sahen, nur dreie einzurücken – die, dass Ottomar fast lauter Kinder zu Bedienten, lauter ganz junges Vieh und lauter Blumen um sich hatte: denn heftige Charaktere hängen sich gern ans Sanfte. –
Das Schulmeisterlein Wutz tritt eben in meine stube herein und sagt, er für seine person habe noch an keinem Andreastage so viel geschrieben. Nun, so soll denn aufgehört werden.
Fussnoten
1 Desto schöner, antwortet ihm die Note zur zweiten Auflage, dass sie sich die Empfindung der Liebe rein und dadurch allmächtig erhalten; andere Empfindungen schwimmen darin, aber aufgelöst und undurchsichtig; bei den Männern stehen jene bloss neben ihr und selbständig. 2 "Jüngling, den Bach der Zeit hinab schau' ich, in das Wellengrab des Lebens, hier versank es etc." Der Anfang heisst eigentlich: "Traurig ein Wandrer sass am Bach, sah den fliehenden Wellen nach." Volkslieder.
Sechsunddreissigster oder II. Advent-Sektor
Kegelschnitte aus vornehmen Körpern –
Geburttag-Drama – Rendezvous (oder, wie Campe
sich ausdrückt, Stell dich ein) im Spiegel
Auf dem Steindamm nach dem neuen schloss fürchtete Beata sich, in diesem ihren Gustav zu finden; im schloss selber wünschte sie das Gegenteil, sobald sie hörte, er sei in Ruhestatt. Ihre Mutter hatte ihr, indem sie mit ihr die Regimenter der Roben, Mäntel etc. teils reduzierte, teils überkomplett machte, so viel bewiesen, Beata werde von ihrer eignen Empfindung getäuscht und das Paradies ihrer unschuldigsten Liebe sei nach ihrer mütterlichen Empfindung blutschlecht und wirklich ein pontinischer Sumpf – die Blütenbäume darin seien Giftbäume – der Blumenflor bestehe teils aus giftigen Kupfer-, teils aus falschen PorzellanBlumen – auf den Grasbänken darin sitze man sich Schnupfen an und das sanfte Wiegen des magischen Bodens sei eine Erd-Erschütterung. Diese Eidesverwarnung nach dem Eide der Liebe liess sich noch hören; aber dass sie noch Beatens Jugend einwandte – die gewöhnlichste, einfältigste, unwirksamste und am meisten aufbringende Einwendung gegen eine lebendige Empfindung –, das begann den kleinen Eindruck wendung gar weglöschte: dass ihr Vater ihr schon den Gegenstand ihrer Liebe halb und halb gewählt .... Meine Gerichtprinzipalin war recht gescheit; aber, meinem Gerichtprinzipal zuliebe, auch oft recht dumm.
Beata brachte also dem Gustav ein durch dieses Zersetzen äusserst weiches und zärtliches Herz über den Steindamm mit – und er kam auch mit einem solchen wunden an, um welches kein Blättchen eines Kallus mehr hing. Ottomars salomonische Predigten über und gegen das Leben hatten seine Puls- und Blutadern mit einer unendlichen sehnsucht gefüllet, die armen zerfallenden Menschen zu lieben und mit seinen zwei Armen, eh' sie auf die Erde fielen, das schönste Herz an sich zu ziehen und zu pressen, eh' es unter die Erdschollen niedersänke. Die Liebe heftet ihre Schmarotzerpflanzen-Wurzeln an alle andre Empfindungen.
Es war Zeit, dass sie kamen, des Herrn von Oefels wegen. Denn am hof vermisste man sie, wie überhaupt jeden, gar wenig. Ein russischer Fürst von *** – ein Mulatte und Deponens von Hofmann und Vieh, dessen sichtbare Extremen sich in die unsichtbaren Extreme von Kultur und Wildheit endigten – war samt einem Rudel von Franzosen und Italienern dagewesen, die sämtlich wie ihr Altmeister die für die grosse Welt alltägliche Sonderbarkeit hatten, dass sie – nicht ganz waren; – für einen Weltmann ist heutzutage nichts schwerer, als aus seinem Körper nicht das zu machen, was ich mit Recht aus meiner Lebensbeschreibung mache – einen Sektor oder Ausschnitt. In der Tat sah diese fragmentarische Division wie ein Phalanx von Krüppeln aus, der zu einem Wundertäter reiset. Der meisten Glieder, die wir bei der Auferstehung nicht wiederkriegen, z.B. Haare, Magen, Fleisch, H-- und andre1 – daher freilich der grosse Connor leicht verfechten kann, ein auferstandner Christ falle nicht grösser aus wie eine Stechfliege – solcher Glieder hatte sich die amputierte Junta schon vor der Auferstehung entladen oder doch viel davon weggetan.
Ich hab' oft darüber nachgedacht, warum tuns die Grossen und machen sich zu Kleinen im physischen Sinn; aber ich war zu unwissend, andre Gründe zu erraten als folgende: der Sitz des Zorns (wofür nach Winckelmann die Griechen die menschliche Nase hielten) kann nicht bald genug ausgerottet werden, weil weder ein Hofmann noch ein Christ Zorn beweisen soll. – Zweitens: verkleinerte Körper sind wenig von bucklichten, auch in der Grösse, verschieden; diese aber, wie wir an Äsop, Pope, Scarron, Lichtenberg und Mendelssohn sehen, haben viel Witz. Nun zieht der Weltmann aus den starken Fässern unserer Vorfahren geschickt den Spiritus auf kleine KörperFlaschen, und solche Einschnitte und optische Verkürzungen und Kuren des Leibes machen unfähig, etwas anders zu werden als witzig oder höchstens stupid: so kann eine Flöte, in die Risse kamen, keine andre Töne von sich geben als feine und hohe. Witz wird aber bekanntlich in der grossen Welt, wenn nicht mehr, doch ebensoviel geschätzt wie Unmoralität. – Drittens: wie die alten Patriarchen darum ein langes Leben bekamen, um die Erde zu bevölkern, so haben sich viele Kosmopoliten in der nämlichen Absicht ein kurzes vorgenommen und gern das Leben von andern Menschen mit einem Curtius-Sturz in den tödlichen Schlund erkauft. Es ist aber noch die Frage, ob ich recht habe. – Die vierte Ursache kenn' ich aus geheimen mystischen Gesellschaften, wo eben