1793_Jean_Paul_048_100.txt

Steigen besser sehen könnedie gleich dem Silber glänzten und alles, was sie berührten, schwarz machtendie keinen höhern und breitern Himmel sich denken konnten als den Tronhimmel und keinen grösseren Tag im Jahr als einen Courtagdie in ihrem Leben weder Väter waren, noch Kinder, noch Ehegatten, noch Brüder, sondern bloss Hofleutedie Verstand hatten ohne Grundsätze, Kenntnisse ohne Glauben daran, Leidenschaften ohne Kräfte, satirisches Gefühl der Torheiten ohne Hass derselben, gefälligkeit ohne Liebe und Freimütigkeit zum Spassderen Echteit man wie die des Smaragds daran prüft, dass sie wie er kalt bleiben, wenn man sie mit dem mund erwärmen willund die, die Wahrheit zu sagen, der Satan schildern mag und nicht ich ....

Oefel war zwischen Beata und die Ohnmächtige eingemauert; Gustav war es ihnen gegenüber zwischen zwei kleine witzige Dämchen: aber er vergass die Nachbarschaft seiner arme über die seiner Augen. Aus Oefels Gliedern schossen Witzfunken, als wenn ihn die Seide, die ihn umlag, elektrisieren hälfe. Die Ohnmächtige war ihrer Lehnherrschaft über ihn so gewiss, dass sie es für keinen Lehnfehler ansah, wenn ihr Lehnmann Beaten, seiner Teller-Nachbarin, die schönsten Dinge sagte; "Er wird sich" (dachte sie) "ärgern genug, dass er aus Höflichkeit nicht anders kann." Dem Herrn von Oefel war am Ende nie um etwas anders zu tun als um den Herrn von Oefel; er lobte, nicht um seine achtung, sondern um seinen Witz und Geschmack auszukramen; er unterdrückte weder Schmeicheleien noch Satiren, wenn sie gut und ungegründet waren; er tadelte die Weiber, weil er beweisen wollte, er erriete sie, und weil er das für schwer hielt; und ich halte ihn für einen Narren.

drei Bergbohrer setzte er gewöhnlich an einem Mädchenherzen an, um eine Lücke darein zu bringen, in die er das Schiesspulver legte, womit er die vererzte Liebeader aus dem Mädchen hervorsprengen wollte. Seine erste Miniergrube, die er heute wie allemal im weiblichen Herzen lud, war bei Beaten, dass er mit ihr lange von ihrem Anzug spraches ist ihnen, behauptete er, einerlei, ob man von ihren Gliedern oder ihren Kleidern redet; aber ich behaupte, die Hässliche trägt ihren Anzug als ihre Frucht, die Kokette als die blosse Gartenleiter oder den Obstbrecher und die Gute als das Laub der Frucht. Beata trug ihn wie Eva als Laubwerk.

Zweitens stellte er um Beaten die Schlag- und Garnwände der Metaphern, um sie darin zu jagener behauptete, wie die Mädchen das singen, was sie nie sagen würden (gleich denen, die zu stammeln aufhören, wenn sie zu singen anfangen), so lassen sie in Bildern und Allegorien alle die Geständnisse ihres inneren aus sich winden, die man ihnen mit eigentlichen Worten nie abföchte, ob es gleich einerlei wäreich hingegen behaupte, diese taugen nichts und die, die so viel taugen als Beata, können nicht mit Worten gefangen werden, weil ihre Gedanken nie schlimmer sind als ihre Worte. Freilich aus einem Zimmer (oder Herzen), wo es innen brennt und raucht, lodert die Flamme aus der ersten Öffnung heraus, die du aufmachst.

Seine dritte Behauptung und List war, Männer fühlten den Wert des Einfachen und das Erhabene der Aufrichtigkeit und der geraden Versicherung "ich habe dich lieb", aber Mädchen wollten tournure und Feinheit und Umschweife in diese Versicherung, die türkische Briefstellerei durch gewachsene Blumen wär' ihnen lieber als die mit poetischen, eine tätige Schmeichelei lieber als eine wörtlicheich aber behaupte, dass er recht hat. Daher liess er z.B. seine Repetieruhr vor der Ohnmächtigen allemal die Stunde ihres letzten Rendezvous repetieren, und er gefiel ihr unendlich; daher sah er eine allemal, wenn es zu machen und zu merken war, schielend hinter dem Rükken im Spiegel andaher steckt' er gegen Beaten voll Teufeleien, die ich fast alle nennen sollte. Zwei nenn' ich auch. Er erinnerte sich erstlich, dass er sich zu vergessen und auf ihre Hand die seinige im Feuer des Redens zu legen habe; darauf stellt' er sich, als besänn' er sich, als nähm' er seiner Hand ein Lot ums andre in der Absicht, sie unvermerkt wegzuheben, sobald sie mehr nicht wöge als ein Fingerglied – "So handelt" (sagt' er zu sich) "feinere Delikatesse immer; und ich werde' es sehen, was sie verfängt." Seine zweite Teufelei war, dass er in der Spiegelplatte, woran er sass, ihr Gesicht (seinem eignen gab er statt des Preises nur das Akzessit) anschielte und bewunderte, da er doch das Original näher hatte. Eine Schäferin von Porzellan trieb Schäfchen über den Spiegel: "Ich habe noch keine schönere Schäferin unter Glas gesehen", sagt' er doppelsinnig; "aber ich ein schöneres Schaf", sagte die Défaillante und meinte ihn.

Diese Spiegelplatte kam mit ihrer Schäferin, die über ein umblümtes Ufer in das gläserne wasser sah, und mit ihrem Lamm und Schäfer fast dem Gustavischen Kindheitspiele nahe. Beatens Auge verlor sich unwillkürlich zwischen diese Blumen und nahm ihr Ohr mit sich, in welches der Legationrat vergeblich mit seinem krieglistigen Witze einzubrechen trachtete. Gustavs Augen suchten und mieden nurAugen, nicht Szenen; aus dem gesellschaftlichen Gewühl, unter dem seine inneren Flügel erlagen, konnte' er nur durch einen Springstab von aussen in die Höhe