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es nicht eins und dasselbe. Wer aber nicht zu unterscheiden weiss, lasse sich in kein Urteil ein, wodurch er sich an Gegend und Garten, an Landschaft und Landschaftsgemälde gleich gröblich versündigt. – Diese g r o b e n S ü n d e r seid ihr! – Die dramatische Muse muss selbst in ihrem Auskehricht, in ihren niedrigsten Gattungen die Schilderungen von Toren verachten, die kein Quentlein von Kraft und Stärke, von Witz und Vernunft besitzen; man will nicht ekelhafte, sondern l ä c h e r l i c h e Charaktere! – Gottlob! dass ihr das L e t z t e , dass ihr n u r l ä c h e r l i c h seid und bloss eine Farce macht! Man sehe doch! ihr hattet auch wohl etwa Lust, auf Secunda zu kommen, wo euer geistreicher Prediger und Heraldicus junior so rühmlich sitzen! und eure Klage sollte unfehlbar die Preisschrift sein, um diesen Vorzug zu erhalten! I h r S c h w e i n t r e i b e r , i h r G e r g e s e n e r ! – wie konnte euch ein solcher Hochmut anwandeln, der immer vor dem Falle kommt! – Der hochwürdige Herr ist kein ordinirter Geistlicher. Wahr, wer hat aber bei seinem amt nicht einen Nebenposten, der ihn wegen seiner Amtsleiden entschädigt? – Dort ist er zünftiger Meister, hier ist er Virtuose. Gab es nicht unter den Herren Ministern und selbst unter den Herren Generalen, besonders den französischen, grosse Teologen, grosse Baukünstler, Poeten, Mitglieder der Akademien? – Und was ging es euch an, dass der Herr Baron neben Rosental auch Herr von Jerusalem war? – Johanniterritter sind W e l t geistliche, die nicht bloss W e l t und G e i s t , sondern P o l i t i k und R e l i g i o n , h e r o i s c h e n M u t h und A n d ä c h t e l e i , W a h n und e d l e F r ü c h t e d e r Sittlichkeit und Selbstüberwindung wunderbarlich verbandendie sich nicht schämten, heute H e l d e n und morgen K r a n k e n w ä r t e r zu sein; und wenn gleich die n e u e r n R i t t e r diess Werk des Herrn mit mehr Gemächlichkeit treibenist und bleibt der Orden nicht eine h o c h w ü r d i g e R e l i q u i e ? Was können die jetzigen Ritter dafür, dass man es sich mit dem Glauben leichter macht, als ehemals? Wenn die Vernunft über Vorurteil siegt, ist es schön; – nur bleibt zu wünschen, dass es nicht auf Kosten der Unschuld und der Tugend geschehe. – Habt ihr den Orden des hochwürdigen Herrn je aus diesem Gesichtspunkt genommen? Und wie untersteht ihr euch im Namen der Gemeinde oder des volkes aufzutreten? – Ich weiss wohl, das Volk hat sein eigentümliches Recht; aber das Volk heisst nicht der Küster, Nachtwächter und Maurer im dorf; vielmehr ist die g a n z e G e m e i n d e wider euch. VolksstimmeGottesstimme! – Schämt euch, dass ihr solche elende Krüppel von Kindern, wie eure Aufsätze sind, aussetzt, um das Consistorium zum Mitleiden zu erwecken! Als ob bei dem Consistorio Mitleiden zu haus wäre! Die Enbabsicht des Stifters der christlichen Religion war, die entschlummerte Urkraft unseres Geistes zu wecken undwas aufzuregen? seine Freiheit! Die christliche Lehre gründet sich auf die Göttlichkeit im Menschen, auf seinen intelligibeln Charakter; sie entält eine Religion der Geister. Liebe Gott heisst: achte das Gesetz der Geisterwelt, in soweit du Gutes freiwillig tust, ohne Hin- und Rücksicht, wär' es auch auf die künftige Welt. – Liebe deinen nächsten als dich selbst: liebe in dir nur den Menschen und liebe alle Menschen aus diesem grundliebe nur die Menschheit. – Protestantismus ist das System einer vernünftigen Freiheit in Glaubenssachen. – Universalmedicin taugt für niemand, da sie für jedermann ist, und ich bin für keinen Purismus weder in Sachen noch Worten, weder im Essen noch Trinken. – Paulus und Petrus, selbst der Lehrer dieser Lehrer, würden vor manchem Consistorio nicht bestehen in der Wahrheit; – vor dem unsrigen gewiss. Was meinen der Herr College? – über die Frage: ob ein bekannter Geizhals in den Gotteskasten einer menschenfreundlichen Collekte ein Scherflein gelegt hätte, sagte einer: ich hab' es nicht gesehen und glaube' es; ein anderer: ich hab' es gesehen und glaube' es doch nicht. Da seht ihr wie es mit dem Glauben geht! – Und der Name was tut denn der zur Sache? Die Bulle in coena Domini und die goldene B u l l e sind eurer Meinung nach wohl ein paar Schwestern? Wahrlich auf den Namen kommt es nur bei Schafsköpfen an; doch wenn man euer Machwerk, euern Wutanfall, eure Klage mit dem eigentlichen Namen belegen solltewie würdet ihr bestehen? Sagt, warum dämpftet ihr nicht eure Instrumente? warum suchtet ihr nicht vermittelst eines sanften Oels ein stumpfes Scheermesser zu schärfen? Wehe dem, dessen Gebet ein Fluch ist, der Gott bittet