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und Jerusalem Gott anbeten, und nicht im Geist und in der Wahrheithängt es nicht bloss von U m s t ä n d e n a b ?

Die Kunst, nach welcher man alte Gemälde von Leinwand, Kalk und Holz ohne Schaden abnimmt und sie auf Leinwand bringt, war hier nichts gegen die grosse idee, Jerusalem auf Rosentalschen Grund und Boden zu verlegen und dadurch den Protestanten gelegenheit zu verschaffen, auch zu einer sinnlichen Evidenz von den Wundern der Religion zu gelangen, welche den Juden ein Aergerniss und den Griechen eine Torheit geworden. – Wenn die Jura stolae bezahlt werden, und der Geistliche das Söhnlein oder Töchterlein christlicher Eltern, für Geld und gute Worte, noch besonders im Gebete Gott vorträgtkann es dem lieben Gott nicht gleich sein, wer tauft? Das Hauptwort bei diesem Sacrament ist Stolgebühr, welche St. Johannes der Täufer nicht kannte.

Von ehelichen christlichen Eltern abzustammen, ist ein grosser Gewinn, obgleich auch David vom lieben Vieh zum Trone kam – "und manche Kaufmannstochter, setzte der Saecularis wieder höchst undedachtsam hinzu, gnädige Frau wird." So geht es den Mutterwitzigen, wenn sie nicht Küchenlatein verstehen! – "Und warum sollte nicht ein Kirchenpatron, der die Glocken pflanzt, auch ihre Früchte geniessen?" fragte der geistliche Consistorialrat, um die Ungezogenheit des Herrn Collegen mit dem Mantel der Glokken zu bedecken. Die Relation des Pfarrers über die Poesie, und das Strategem, das er aus dem lied: Erhalt' uns Herr, bei deinem Wort, genommen, um in Sr. Hochwürden der Poesie (die wirklich, meinte man, in Absicht der Prosa der geistliche Stand wäre, wenn diese dagegen den Laienstand ausmachte) einen Mäcen zuzuführen, ward als Proberelation zur Consistorialratsstelle angesehen. Warum auch nicht? Die Poesie ist der Puder, den man auf schwarzes Haar streut. – Sie verdient den Namen h e i l i g , wenn gleich von einem guten Gassenhauer die Rede ist, sagte Caput commissionis; doch erbat er sich aus natürlichem Hass gegen das Lesen diese Abhandlung nicht, vielmehr schien er, ohne sie gelesen zu haben, bereit, dem Verfasser die Ehre zu geben, die ihm gebühre Desto besser! – In der Tat war es ein Glück, dass Consistorialis sich diesen Aufsatz nicht behändigen liess, der es sich herausgenommen hatte, über die hohe Geistlichkeit manchen Stab zu brechen. – Ohne Zweifel würde der Prediger diesen Aufsatz der Commission so undefangen übergeben haben, wie der Ritter diese Herren geradezu in das Sessionszimmer eintreten liess. Auch ist zwischen dem türkischen Kaiser und dem Ehren Gevatter Papst, der eben so gut bei christ-evangelisch-luterischen Kindern, als bei päpstlichen, Patenstellen übernehmen könnte, ein gewaltiger Unterschied. Luter selbst hatte Se. Heiligkeit oft genug ganz höflich zu Gevattern gebeten, bis endlich, da Se. Heiligkeit durchaus nicht stehen wollten, dieser Glaubensheld Verachtung der Verachtung entgegensetzte, und, was ihm nie genug zu verdanken ist, K ä t h e n heiratetel – – Man gratulirte dem Dr. Martin Luter allgemein, und wartete ihm mit dem Epitalam aus freier Faust auf.

Die übrigen Klagepunkte wurden als ungeschrieben angesehen. – Der Maurermeister, hiess es, hat keine Anlage zum Nikolaus Copernicus, der das Weltgebäude abzeichnete, ob er gleich fast mehr Hang zur Grillenfängerei als Copernicus besitzt.

Wenn der Schulmeister es so gemacht hätte, wie gewisse Witzlinge, die ihre Einfälle und Gedanken wie Spielmarken bloss zeigen und sie wieder einstekken, unter welche der Nachtwächter loci zu gehören schien: habeat sibi. – Wo kein Kläger, da kein Richter! Es wäre für die Commissarien, die voll süssen Weins waren, das Beste gewesen, wenn sie seria in crastinum und den Schulmeister bis morgen in Ruhe gelassen hätten. Da sie aber vernahmen, dass der Maurermeister eben in loco wäre, so erhob man sich nicht ohne Selbstüberwindung von der Tafel. Was man nicht alles seinem schweren amt schuldig ist! Wie selten werden solche Schweisstropfen vom staat erkannt und belohnt! – Die Ritterin zog sich in bester Ordnung zurück, um nicht in die H ä s c h e r h ä n d e der Commissarien zu fallen. – Bei der Hegung des Gerichtes hätte sie um vieles nicht verfehlt, gegenwärtig zu sein. Es ward ein Gerichtszimmer eingerichtet und bloss ein schwarzes Tuch aufgelegt, um diesem Lippenvolke, wie der Ritter es nannte (Schulmeister und Compagnie), nicht mehr zu zeigen, als es zu wissen brauchte. Er strafte es damit, dass er ihm die weissen Kreuze entzog! Eine e d l e , eine wirkliche R i t terrache!

Ein Palast lässt freilich prächtiger, wenn er erleuchtet ist; doch hatte Diogenes Recht, einen Fremdling, der sich auf ein fest so sehr putzte, zu fragen: ob denn ein Rechtschaffener nicht jeden Tag einen Festtag hätte? Wir wollen doch caput commissionis hören, da Schulmeister, Nachtwächter und Maurermeister hereintraten. (Die Ritterin, welcher die Ehre der Sitzung bewilligt war, hatte ihren P l a t z nicht weit vom haupt der Commission genommen.) Ueberflüssig ist mein Wink, dass Consistorialis durch ein frohes Mahl in Umstände versetzt war, worin er nichts vorbereiten, nichts motiviren konnte, wenn er auch gewollt hätte, indem seine Rede nicht Licht, nicht Schatten hatte, und vom Tage zur Nacht, vom Mittage zur Mitternacht, von Liebe zum Hass, von Hass nur Liebe überging oder überfiel.

Die Torheit,