völlig unverständlich, und es blieb ohne Angriff, bis der Wein das Band der Zungen lösete, und die Herren Commissarien von dem unverfälschten Wein auf die Lauterkeit der christlichen Lehre in diesem haus einen nicht unrichtigen Schluss zogen. Der geistliche Consistorialis hatte lange auf eine Wendung gesonnen, dem Ritter über den Punkt des Fastens, welches ihm (nächst dem voto castitatis, worüber er einverstanden war) der Hauptstein des Anstosses bei der katolischen Religion dünkte, an den Puls zu fassen, als er bei gelegenheit der Lobrede, die er voll römischer Urbanität der edlen Kunst hielt, die Fische zu verschneiden, damit sie grösser und fetter würden, zugleich erfuhr, dass der Ritter fern von allem Fasten sogar kein Fischmann sei, und nicht eigentlich die katolische Religion a l s katolische Religion beabsichtigte, sondern bloss gegen Alter, Stand, Ahnen und die Ritterzüge dieser Ritter- und Heldenkirche nicht gleichgültig, übrigens aber so wenig zur Intoleranz geneigt wäre, dass er selbst dem Ohre des Malchus keinen Stein des Andenkens legen wollen, und dass er dem Mahomet, wenn dieser ihn in der Hölle und Qual darum angesprochen, nicht, wie Abraham dem reichen mann, wasser abgeschlagen, schwerlich aber ihn S o h n genannt haben würde. Hier rissen die Dämme der Zurückhaltung, und Commissio konnte sich, nachdem sie je länger je vertraulicher geworden war, nicht entbrechen, die Denunciation in extenso dem Pfarrer zu behändigen, der, wie die Commissarien es nicht länger verhielten, eigentlich das Ziel sei, nach welchem zu schiessen sie gekommen wären. Schon während des Lesens brach der Pfarrer einen Lorbeer über den andern, von welchen Lorbeern er seinen Beisitzer, den Heraldicus junior, durch Händedruck und Fussstösse den freundschaftlichsten Anteil nehmen liess. Beisitzer wagte es bei biesen Umständen, einen blick voll nach dem andern aus dieser Schrift schlau und verstohlen zu ziehen, und mit innerlichem Hohngelächter jedem Bissen, den er während der Zeit ununterbrochen verschluckte, das Geleite zu geben. Es konnte nicht fehlen, dass, wenn gleich die Grösse des Ritters sonst über den Schein der Neugierde sich hinwegzusetzen gewohnt war, die Ritterin, welche die Mutter Eva nicht ganz verläugnen konnte, dringend das punctum juris dieser Schrift kennen wollte. "So geht es, fing der Pfarrer an, wenn man das Ganze nicht mit Rücksicht auf das Einzelne, und das Einzelne nicht mit Rücksicht auf das Ganze erwogen hat und erwägen kann, und wenn unsere Seele keine Interpunktion versteht. Setz' ich den Punkt nicht in die Mitte – wie kann ich denn den Umkreis wissen? Das Gerade ist mir schief, das Schiefe gerade." Solcher gelehrten Brocken viele Körbe voll, bis denn endlich der Ritter mit erlaubnis der Commissarien das Papier nahm, es laut las, und aus diesem hohen Commissionsberge eine lächerliche Maus nach väterlicher Weise heraussprang. – "Wenn das Herz in der Hand des Verstandes ein Wasserbach ist, den er leitet, wohin er will, fing der Pfarrer wieder an, um sich den Herren Commissarien nicht bloss im Profil, sondern en face seiner Gelehrsamkeit zu zeigen; indess liess der Ritter ihn nicht zum S o kommen. Auch er, wenn gleich die feurigen Consistorial-Pfeile i h n eigentlich nicht treffen sollten, fand sich beleidigt. Er schien sich der Punkt der Mitte". – Schade um das S o , um welches der Prediger kam, er wusste nicht wie! Aus dem Simson Schulmeister ist ein blinder Spielmann der Philister geworden, sagte der Ritter, ohne zu bedenken, dass er, mir nichts dir nichts, die Commissarien zu Philistern machte. Der geistliche Commissarius wollte über diese Kadis, wie er Schulmeister und Nachtwächter nannte, ein Auto da fé halten und von Jerusalem aus ein Brand-Decretum urbis et orbis datiren, wozu er schon trockenes Holz spaltete; indess ward der Vorfall von der edlen Ritterin für zu gross gehalten, als dass er gestraft werden könnte. Der Ritter trat bei; Pfarrer und Heraldicus junior benutzten jede gelegenheit, wo das Reden an sie kam, und rafften Gelehrsamkeit zusammen, um sich den Commissarien, wiewohl ohne deren Verdienst und Würdigkeit, von der besten Seite zu zeigen, als sässen sie, um gemalt zu werden. So nahmen sie sich z.B. die erlaubnis, zu versichern, dass es hier wie bei dem Differential-Calcul ginge, worauf Leibnitz und Newton zu gleicher Zeit gefallen wären, indem sie auf Ehre und Redlichkeit beteuern könnten, gleicher Meinung gewesen zu sein. – Ich will, wie gewöhnlich, die Sache zusammenziehen. Das Blatt
§. 57.
wandte
sich. Commissio fand alle Jerusalemische Einrichtungen auf dem Papiere vortrefflich. Der geistliche Consistorialrat bat insbesondere, ihn als Pilger einzuschreiben; doch hoffte er, dass ihm erlaubt werden würde, aus seiner Zelle zuweilen in den Hof zu kommen, nicht des Herodes, sondern des Königs David, der sich bald in den König Salomo verwandeln würde. Wie die Raupe in einen Schmetterling, fügte der Saecularis höchst undedachtsam hinzu. Es lag nicht am Wollen, sondern am Können, sonst hätte der geistliche Consistorialis Odenlob geräuchert, denn er bis zu Consistorialräten gediehen sind, bis auf das votum castitatis und paupertatis, weit weit katolischer als unser Ritter, so dass er von dieser ritterlichen Religion sich nur quoad torum et mensam geschieden hatte. Gottlob! dass die grossen Herren von der protestantischen oder streitenden Kirche die Vereinigung mit der katolischen und triumphirenden nicht Consistorialräten überlassen! Kirche ist Kirche! und so lange wir in Samaria