; was findet indess nicht ein hochehrwürdiges Consistorium? Es war Zeit zum
§. 56.
Benedicite,
wie der Ritter sich diessmal consistorialisch ausdrückte; zu deutsch: es war angerichtet. Nach vielen Kratzfüssen, die der ganz schwarze Consistorialis schlechter als der schwarz verbrämte begann, liessen die Herren Commissarien im arglistigen Hintergrunde erblicken, was sie herausgegangen waren zu sehen und zu hören; und da sie wider ihr Denken und Vermuten den pastor loci, auf den sie eigentlich Jagd machten, in flagranti betroffen hatten, so schienen sie, um aller Parteilichkeit auszuweichen, sich beurlauben und den Prediger am dritten Orte in Commissionsanspruch nehmen zu wollen. Sie gaben diese Bedenklichkeiten dem Ritter, wiewohl etwas undeutlich, zu verstehen, und dieser bot ihnen dagegen alle Sanctuarien an, die auf dem Papier standen, und unter diesen auch die Stelle, die Judas der Verräter betreten, oder den Blutacker, wo die Pilger, wenn der Tod sie hier überfiele, begraben werden sollten; wonächst er auch beteuerte, dass er, so gern er auch wollte, ihnen weder mit dem haus des Hohenpriesters Hannas, noch des Kaiphas, wohl aber mit dem Palais des Herrn Pontius Pilatus, zu seiner Zeit dienen würde, – das Schlafausgenommen – welches sonst in puncto des Schlafes kein übles Commissionsstübchen gewesen wäre. – Da nun, aller Commissionsfalten ungeachtet, in welche die Herren Consistorialräte ihre Gesichter legten, sie doch am Ende nicht bestimmen konnten, wo sie ihr geistliches und schwarz verbrämtes weltliches Gericht aufschlagen sollten, nächstdem ihnen auch, als feinnasigen, ganz und halb geistlichen Räten, der Geruch des Mahls, wozu man sie bereits eingeladen hatte, nicht entgangen war; so schlug der geistliche Consistorialrat in gebrochenem Küchenlatein dem weltlichen Consistoriali vor: Ob man nicht den Prediger hier zu schloss vernehmen sollte. Dieser, der teils dem Latein entwachsen war, teils durch den lateinischen Ueberfall aus aller Fassung kam, antwortete mit einer Miene, die Ja und Nein bedeutet, und gewissen mutterwitzigen Leuten, die keine Schule haben, eigen ist, wenn man sie in die Schule schickt oder mit gelehrten Kinderfragen überfällt und ängstiget. Se. Hochehrwürden nahmen es für Ja, und wollten sich eben an den Ritter wenden, dass er der Commission hierzu die erlaubnis bewilligen möchte, als man wiederholentlich zur Tafel einlud, bei welcher sich, wie gewöhnlich, auch der Prediger und Heraldicus junior einfanden. Kann man so unschuldig sein, wie wir, dachten Prediger und Hofmeister, und doch solche Angst haben? – Guten Leute, eben weil ihr unschuldig seid, habt ihr Angst! – Wer hätte sie nicht auch bei dem lautesten Zuruf seines Gewissens? – Lasst uns die Welt überwinden! – Diess Kreuz, sagte der Pfarrer zum Junior in der Stille, kommt vom Herrn. Zwar haben wir, erwiderte Junior, das Kreuzstübchen selbst gemacht; ist aber nicht fast jedes Kreuzstübchen ein Ipse fecit? Lasst uns nicht vermessen, noch weniger aber verzagt sein. – Diese und dergleichen Klag- und Trostworte, die sie einander verstohlen in die Hand drückten, wirkten zusehends, als die Manieren sie aufmerksam machten, welche die Herren Consistoriales beim Eingange in das Tafelzimmer einschlugen. Ausser den Generalfragen: ( v o r s i c h ) ob und wie es styli sei, dass Leute, von denen einer Küchenlatein reden, und der andere so tun konnte, als verstände er es, der Dame des Hauses den Arm bieten könne, um sie aus dem Ordens-Sessionszimmer in den Esssaal zu bringen? Ob diess, oder ob diess nicht, eben jetzt, da sie Commissarien wären, Bedenklichkeit hätte? – Machten auch noch andere Specialfragen die Sache kritischer, z.B. ist es Decori, dass ein Geistlicher dergleichen leibliche Führungen und Leitungen bei der ihm doch eigentlich obliegenden Seelenführung und Leitung übernimmt? Ist es oder scheint es nicht Herabwürdigung des geistlichen Standes, einem Laien, ob er gleich zum Küchenlatein den Kopf zu nicken versteht, einen Vortritt zu gestatten? – Ich glaube gewiss, dass dieser letzte Umstand der Goldwage den Ausschlag zu erteilen geruhet hätte, wenn dem geistlichen Consistoriali nicht eingefallen wäre, wie leicht der Satan, der immer wie ein brüllender Löwe umhergeht, seinen im Tanz ungeübten Füssen einen Stein des Anstosses in den Weg legen, und ihm einen tiefen Fall, dem er ohnediess schon bei den ersten Scharrfüssen so nahe war, vorbereiten können. Saecularis, der sich kaum von dem unverstandenen Latein erholt hatte, kämpfte mit gleich wichtigen Zweifeln, die er indess nicht sowohl von der Seite seines geistlichen Herrn Collegen, als von dem Standesübergewichte des hochwohlgebornen Wirtes hernahm. Die Ritterin, bei der auch nicht der mindeste Scrupel auf- und abstieg, würde vielleicht in keinem monat von der Stelle gekommen sein, wenn sie sich nicht kurz und gut entschlossen hätte, eine Verbeugung zu machen, und diesen Kreuzzug als Amazonin auszuführen. Da indess jeder der beiden Gäste diese Verbeugung als eine Aufforderung ansah, so fielen beide der armen Ritterin so ungezogen auf den Hals, dass dieser Auf- und Einzug das Ansehen eines ausserordentlich komischen Auftrittes gewann, der die beiden Gelähmten nunmehr schnell und völlig zu der vorigen Gesundheit herstellte. Die ehrlichen Schlucker hätten das Küchenlatein und das mutterwitzige Kopfnicken sehen und hören sollen; sicher wären sie zeitiger genesen! – Zwar entfiel den Augen beider Commissarien bei der Suppe, wo tiefes Stillschweigen despotisirte, dann und wann ein blick, der den Prediger traf; indess war er diesem, so wie das Latein dem Concommissarius,