nicht so ein reicher Herr tut, dem heiligen Kreuz zu Ehren? Das kann der Teufel nicht wehren!"
"In drei Pulsen wird bezahlt."
"Der erste, wenn Pilatus steht; der zweite, wenn der Teufel den Judas holt, und der dritte, wenn der Engel den Stein hebt. Mit göttlicher hülfe zwischen ein und zwei Jahren. Zu allem Dank quittirend. Aufgeschrieben von Hans Peter – –, ehrbarem Meister allhier."
† †
"Lass ab, lass ab von mir, o du Angst meiner Seelen! Gönne mir einen ruhigen, furchtlosen Atemzug, einen, der sich nicht von allen Seiten umsieht, ob er was höre. – Bin drauf gefallen in eine schwere Krankheit überm Riss und Anschlag, länger als die Erde, breiter als das Meer. Da ist erschienen mir nach manchem Satansengel, der mich mit Fäusten schlug braun und blau, ein guter Geist, der mich warnte. Eine Eingebung, weil der Herr Pfarrer leider! auch als Schriftgelehrter in Jerusalem sein Wesen treibt, und im hohen Rat auf- und angenommen ist, zu suchen Ruhe für meine Seele beim Herrn Schulmeister, und es ist mir sehr warm worden ums Herz, und hab' ich vor Zittern und Zagen in allen Gliedern keinen Finger zur kleinsten Arbeit regen, geschweige, Gott sei bei uns! den Judas zu Markt bringen können, auf dem Papier. Ist mir vorgekommen als eine Sünde wider den heiligen Geist, in einem ungelobten land ein gelobtes zu verfertigen. Bin so krumm und kreuzlahm an Leib und Seele worden, dass die Füsse, die Beine und die Seele den Kopf nicht halten wollen, und alle Nachbaren haben mir in die Augen gesagt, mein Kopf sei angebrannt und mein Fuss vergleitet auf eine verfluchte böse Stelle, welches alles der Hahn wird zu verantworten haben, der mich nach Jerusalem gekräht hat, worüber ich weine bitterlich, bis ein anderer Stern aufgeht in meinem Herzen."
"Wächst auch eine Eiche im Sumpf, wo schwankendes Rohr schiesst – wie Weiden an den Wasserbächen, und im Sande die wurzelleichte Tanne? Gern wär ich gestorben und hoffentlich nicht verdorben. Könnt' ich? Da schmiegte sich die Seele so an den Körper, wie der Bräutigam an sein Liebchen im Brautbette, oder wie der Hopfen an die Stange. Noch lebe' ich und lebe mir selbst zum Possen. – Wohlan! ich will meine hände waschen, reiner als Pontius Pilatus, und Gott sei mir Sünder gnädig!"
Schulmeister und Nachtwächter hielten einen
§. 50.
Rat.
wie sie Jerusalem fingen, bei welchem sich beide wechselsweise auf den Zahn fühlten, so dass der Nachtwächter, dem das Ding zu arg ward, sagte: Gevatter, unser einer lässt sich zwar den Bart, nicht aber die Zähne rasiren. Ich bin so wohlgezähnt als der Herr. – Warum diess edle Paar sich in die Zahnhaare fiel? Es galt die Frage: o b e s u n t r ü g l i c h e Kennzeichen von dem Vorzuge der Ehegattinnen der Hohenpriester im alten Testamente gäbe oder nicht? um von dieser Prämilinarfrage gerades Weges gegen Jerusalem zu kommen. Von dieser harten Nuss kam man auf den Glauben, und da behauptete der Schulmeister, der Glaube wäre freilich nicht jedermanns Ding, indess müssten auch die, welche zum Glauben nicht Lust und Liebe hätten, ihn als Lebensart ansehen, wodurch im gemeinen Leben eine gewisse Uebereinstimmung, eine gewisse gefälligkeit eingeführt und erhalten würde. Der Glaube sei ihnen die Erfüllung des schönen Grusses: Friede sei mit euch. Ein Ungläubiger ist ein Händelmacher – und haussen sind die Hunde. – Es ist nicht alles Gold, was glänzt, sagte der wäre ohne Zweifel sehr weit gegangen, wenn nicht ein Kesselflicker die Herren Gläubigen gestört und Jerusalem näher gebracht hätte. Man ging die Aufsätze Punkt für Punkt, Komma für Komma, Wort für Wort durch und feilte und glättete, verstärkte und schwächte, und nun galt es den Unterschied zwischen Denuncianten und
§. 51.
Controleur.
Ein gewaltiger Unterschied! Der hausfriedliche Schulmeister beteuerte, ex officio ein Controleur der reinen luterischen Kirche sein und alle unreinen Glieder derselben verfolgen zu müssen, bis aufs Blut und in den Tod. – Freilich, da gibt es denn doch Gebühren für das Begräbniss. Der Nachtwächter meinte, den Reinen sei alles rein. Ich, setzte er hinzu, hasse die Controleurs, wie die reinen heiligen Engel den unreinen bösen Feind. Hätt' ich vollends einen geheimen – und (ich glaube die Controleurs sind alle geheim, fiel der Schulmeister ein) – würde' ich wohl aus dem Verdruss mit dem Amtmann kommen? – Was denn mehr? erwiderte der Schulmeister. Hat doch der erste Nachtwächter in der Welt, Homerus, auch geschlafen. Tue Recht, scheue niemand – d.h. keinen Controvatter? – Die Frau Ludi-Magisterin, die während der Deliberation das Auge nicht vom Nachtwächter gelassen hatte, und der bei dem Zwist über die Haare auf den Zähnen nicht wohl zu Mute war, ob sie gleich sitzen blieb, lief hier schnell hinaus, um nach der Küche zu sehen, und der Nachtwächter schneuzte sich die Nase. Es blieb Ja und Amen, wie der Schulmeister sagte und der Nachtwächter es benickte. Nach dieser After-Session eine aus höherem Chor. In dieser ward, wie gewöhnlich, mit einem actum oben und peractum ut supra unten verfahren, und bei diesem actum und peractum ein
§.