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. Da ich aber von diesem groben Irrtum, den mir Gott und E. Hochehrwürdiges in Gott andächtiges Consistorium verzeihen wolle, durch die wunderbare Leitung der Vorsehung abgebracht, auch der Junker, welcher nunmehr sein fünfzehntes Jahr zurückgelegt, ebenso wie dessen Frau Mama Gnaden zu der Zeit wirklich mit wohlriechendem wasser getauft worden, so ist wohl alles so ziemlich am Tage. Dass ich dem Frieden nachjage, ist dorfkundig, und kann ich dem lieben Gott nicht genugsam danken, dass er meinem haus durch den Nachtwächter loci Heil widerfahren lassen, da er meine Gattin, die vor diesem oft in Zank und Streit mit mir ausbrach, so dass ich mit dem einem Fuss schon im Steigbügel war, um der Scheidung halber zur weltlichen Obrigkeit einen kostbaren Ritt zu machen, seit vielen Jahren unter eine recht friedliche Haube gebracht hat. Nach dieser Liebe zum Frieden würde' ich denn auch diese ganze Sache vergeben und vergessen haben, wenn jetzt nicht ohne Rede und Recht ganz scheulos katolisches Unkraut unter luterischen Weizen gesäet würde.

Beweis.

3) Am X. Sonntage nach Trinitatis hört der Herr Baron und Ritter das Evangelium kniend an.

4) Mischt sich in heilige Sachen, indem er z.B. viele Stellen im Evangelio so laut mitbetet, dass man sein eigenes Wort kaum hören kann.

5) Sein böses Exempel verdirbt die guten Sitten der Gemeinde, indem sie zu einem solchen Tremulanten gestimmt ist, dass so oft dieser Sonntag kommt, die Gemeinde mehr Tränen vergiesst, als sie im Vermögen hat und die natur bei ihr immer in Tränenvorschuss kommt. Und wenn ich gleich

6) übersehen wollte, dass er mit einem langen schwarzen Mantel voll Kreuze communicirt, nicht minder in Stiefeln und Sporen (welches wohl ganz klar und deutlich den päpstlichen Pantoffel abbilden soll), im Gleichen, dass er sich zum Defect (soll heissen Despect) eines hochehrwürdigen Consistorii von aller Welt h o c h w ü r d i g nennen lässt, ohne dass ich weiss, wie ein Mann, der NB. öffentlich seine Sporen trägt, zur Hochwürde kommt; so hat er doch

7) sich von einem gewissen Schneider eine so zahlreiche geistliche Garderobe fertigen lassen, dass gewiss mehr dahinter steckt.

8) Der Schneider soll, damit diess Geheimnis nicht auskomme, wie man sagt, plötzlich und heimlich aus der Christenwelt geschafft worden sein. Gott hab' ihn selig! So viel ist nicht zu läugnen, dass sein Tod bei dem ganzen ehrbaren Gewerk der Manns- und Frauenschneider viel Aufsehens gegeben.

9) Hat mich ein ehrlicher Maurer, den man zum katolischen Babel spornstreichs verführen wollen, zu Rate gezogen und bin ich bonis modis an den beiliegenden Aufsatz sub K r a n i c h gekommen, worüber einem hochehrwürdigen Consistorio Heulen und Zähnklappern ankommen wird. Besser hier als dort. Wie man denn auch

10) sich unterstanden, Gottes reines und lauteres Wort zu ändern dem Papste zu Liebe, und in dem schönen lied: E r h a l t ' u n s H e r r b e i d e i n e m W o r t , dem Papste seines Mordes wegen Pardon zu geben und dem Türken kein ehrliches Haar zu lassen. Alles ohne die erlaubnis eines hochwürdigen Consistorii, welchem doch allein über Papst und Türken Urteil und Recht zustehet, aut aut, entweder zu ewigem Feuer, oder zu ewigem Leben. Was kommt auch aus dem Federlesen heraus? Der ich übrigens unser armes Häuflein einem hochehrwürdigen Consistorio zur gestrengen Seelsorge empfehle, und für mich, Weib und Kinder, nicht minder den Nachtwächter loci, dero viel vermögenden Schutz und Schirm und ein sicheres Geleit erbitte, auch in diesem Kummer und in dieser Hoffnung mit Leib und Seele beharre bis an den lieben jüngsten Tag, Eines hochehrwürdigen gestrengen Consistorii

Freund und dienstwilliger Fürbitter und

Mitarbeiter am Worte und an der Lehre

Beilage K r a n i c h .

"Ehrbarer Meister Endesunterschriebener, Hans Peter – –, bin geladen gegen Jerusalem, und es soll alles vollendet werden, was hier geschehen ist, laut Verabredung wie folgt:

'Erstlich wird gemacht ein Pontius Pilatus und ein Haus, wo unten fünf Stuben und oben fünf, und ein Traumkämmerlein für die Frau des Herrn, wo auch Pilger bei ihr schlafen können. Gesund und munter muss sein das Zimmer, sonst wie andere Schlafzimmer.'"

"Zweitens ein Ohr abzuhauen, und wo es fiel einen Denkstein zu legen, auch wo Judas gegangen kommt. Dass der rotbärtige Schelm den Hals bräche!"

"Drittens Blutvergiessen auf einem Acker der Pilgrime, damit sie dort können ohne viel Gerede begraben werden. Gott habe sie selig!"

"Viertens ein Torhäuslein nach gegebener ungefährer Zeichnung, wo ein alter Mann in der Wachtstube in Frieden fährt; denn seine Augen haben seinen Heiland gesehenheisst Simeon."

"Fünftens ein Hospital mit fünfzehn grossen und fünfzehn kleinen Zimmern, auch Betkammern, nach Klosterkostüme. Für junge Mädchen kleine Abschläge, um den Pilgrimen beizuspringen, wenn's ihnen noch tut. Alles nach Klostermanier."

"Das Hauptstück wird im Herzen behalten. Ein Stein daneben, den kein Mensch heben soll, wohl aber ein Engel, wenn er will und kann. über dieses Hauptstück eine Kapelle, die unser einer wohl machen wird. Vorerst Risse und Anschläge. Richtige Zahlung. Gute Arbeit. Und bitte ferner gewogen zu bleiben."

"Wer lässt wohl heutzutage einen Simeon und Pontius Pilatus machen, wenn's