kein Streit der römischen Kirche mit Griechen, Armeniern, Kopten und Mahomedanern zu besorgen gewesen wäre. Und warum, fing A B C an, (bravo!) warum heisst der heilige Vater diese Oerter nicht insgesammt spornstreichs nach Rom kommen? Diese Bergversetzung würde unter den vielen Wundern der Kirche doch wohl gewiss immer nur eine grosse Kleinigkeit gewesen sein. Vielleicht würde der türkische Kaiser es sogar freiwillig den Engeln überlassen haben, diese heiligen Oerter, wie das Haus der Maria von Nazaret nach Loretto herüberzubringen. Ist denn kein Gott in Israel, der helfen könne, dass ihr hingehet zu dem Gott von Ekron? könnte es hier heissen; und man fand endlich in dieser Unterlassungssünde feine Politik des heiligen Stuhls, welche darin bestand, die tapfern braven Kerls der damaligen Zeit sich vom Halse zu schaffen, um in Europa desto freiere Hand zu behalten.
Wie viele Sessionen, deren Länge vorzüglich der Ritter so manche Elle zusetzte, auf so viele wichtige Deliberationen gegangen sein mögen, kann man sich sehr leicht vorstellen. Das sind Hekatomben, die Collegia bringen, die, wenn sie gleich den Magen mehr als den Kopf angreifen, doch immer Opfer sind.
Diesen Jahrgang von Deliberationen beschloss der Pastor mit einer Extemporalrede über die Worte: E s kommt die Zeit und ist schon jetzt, dass man weder auf diesem Berge noch in Jerusalem den Vater anbet e n w i r d . Die idee dieses Baues ward als ein protestantisches Originalwerk, das alle protestantische Ritter besuchen sollten, befunden. Jetzt entwarf man, auf den Fall, dass Pilger diese heilige Stätte bereisen würden, ein Beglaubigungsformular, nicht minder die Etikette, nach welcher den Reisenden diese Sanctuarien zu zeigen wären; und auf diese Postscripte von Gegenständen allein gingen sieben Sitzungen, wiewohl auch in denselben die Wohnungen, wo Pilger abtreten und ihres Leibes und der Seelen pflegen könnten berichtigt wurden.
Alles dieses meinen Lesern pünktlich mitzuteilen, würde sie mehr als mich
§. 44.
ermüden.
Es wurden zwölf Rosentalsche junge Leute zu Kriegsknechten geworben, und mit ihnen capitulirt, dass, wenn sie in diesem Kreuz- und Grabesdienste sieben Jahre treu befunden wären, ihnen ein Weib zur Belohnung, wie dem frommen Jakob, beigelegt werden sollte; es versteht sich, nur Eins: entweder Lea oder Rahel; – und zu diesem Behuf sollten besondere Grabesschwestern als Exspectantinnen eingekleidet werden.
Obgleich mit göttlicher hülfe so leicht kein Türke sich hier blicken lassen würde, so wollte man es doch gern gestatten, damit aus diesen autentischen Kopien die mangelhaften Originale (dergleichen Fälle ereignen sich öfters) ergänzet werden könnten. Die Kriegsknechte gehen schwarz gekleidet mit weissen Aufschlägen und Knöpfen, und haben, statt der bösartigen Flinten und anderer Wehr und Waffen, alttestamentliche Osterstäbe. Wesshalb? Um zu beweisen, dass hier ein neues Jerusalem auferstanden sei! um die Pilgrimstäbe abzubilden; um sich des alten Bundes zu erinnern; um ausserdem – sich die Hunde abzuwehren. Vivit, sagte der Prediger im geist Luters: Es lebt! stunde' an P f o r t e heissen sollte, ziehen zwei auf die Wache. Den Kriegsknechten muss es nicht an Proviant und warmer stube fehlen; ihr Wachtaus soll nach dem Riffe des Simeonschen Hauses, noch sichtbar im gelobten land, angelegt werden. Die Aufschrift sei: Viel sind berufen; Wenige sind auserwählt.
Sobald der Pilger ankommt, wird er in eine der für die Pilger bestimmten Wohnungen gebracht, und Se. Hochwürden erhalten Rapport: wie der Pilger heisse? Wess Standes, Vaterlandes, Glaubens und Alters er sei; was für ein Geist ihn getrieben, zu diesen Sanctuarien zu wallfahrten; ob zu Fuss, oder zu Wagen, oder zu Pferde. Wald- und Postörner müssen an diesen heiligen Oertern zu. Molltönen gestimmt sein, und, an Traurigkeit gewöhnt, den Wiederhall nicht reizen. – Rosental wird dem Pilger, wie man nach der Liebe hofft, von selbst das Tal Josaphat im gelobten land ins Gedächtniss bringen. – Nach Beschaffenheit des Standes wird dem Pilger eine Zelle angewiesen und die Küche eingerichtet. Es werden nur drei, fünf und sieben Schüsseln gestattet. Bei diesen heiligen Zahlen wird niemand Hungers sterben. – Was über drei, fünf oder sieben geht, ist vom Uebel. – Machen wir es nicht alle, wie kleine Kinder, die dem Schmetterlinge stundenlang nachlaufen? – Endlich erhascht. Allerliebst! – Gelacht, ihm die Flügel abgerissen, geweint. – O W e l t , s i e h h i e r d e i n L e b e n ! – Der Pilgerkoch, der zugleich den Kellner macht, ist Rendant der Kasse, ohne eines Controleurs zu bedürfen, der ohnehin gewöhnlich mit dem Rendanten unter einer Decke spielt. – Das Geld wird zur Kriegskasse verrechnet. – Dieser Regiments-Quartiermeister muss sich Mühe geben, den Pilgerstand nach Ortsgelegenheit einzurichten: – Hecht, in Rücksicht der Köpfe, ja nicht zu vergessen. – Fische haben überhaupt mehr Geruch der Frömmigkeit, und sind ebenfalls Pilger, mit dem Unterschiede, dass ihnen kein warmes Blut nach dem kopf schiesst. Tafelzeug wird geliefert, und in jedem Zipfel des Tischtuches, so wie der Serviette, ist ein Kreuz sichtbar.
Häusliche Dienste besorgen die sieben wohlgebildeten Grabesschwestern. Ihr Anzug ist weiss; es wird ihnen ein T oder halbes Kreuz von schwarzem Bande vor dem Busen verstattet; – nicht mehr, nicht weniger. Die drei ersten Tage bringen die Pilger mit Nachdenken in tiefster Stille und Einsamkeit zu –