Frau Gemahlin des im Credo prangenden Pontius Pilatus, der Kuss des Judas, sein Wurf der Silberlinge, der Hieb des Petrus, auf welchen das Ohr des Malchus abfiel, nur mit Manier gezeigt werden; – wer kann und wird satyrisch fragen: ob nicht auch für Geld und gute Worte blauer Dunst zu sehen sei? Zwar gibt es Spötter, die eine Unrichtigkeit durch eine noch grössere in die Enge treiben; – doch kommt alles auf die Vorstellung an. Der englische Dichter Schmart schrieb, von frommen Gefühlen hingerissen, viele Stellen seiner Gedichte auf Knien; und was galten nicht zu einer gewissen Zeit Verse, die man vorwärts und rückwärts lesen konnte, Wortspiele und Paronomasien, Gryphen? – Wenn nun freilich, nach der Analogie des d'Alembertschen Vorschlages, alle hundert Jahre aus allen nützlichen Geschichtschreibern einen Auszug zu machen und den Rest zu verbrennen, auch ein solches Auto da fé über die Reliquien gehalten werden sollte – wie viel würde übrig bleiben? – Wer wird aber diese Musterung an heiligen Reliquien übernehmen, da man den profanen Weizen noch nicht gesichtet und die R e l i q u i e n d e s A p o l l o noch lange nicht aufs Reine gebracht hat? Jener Schweizer pries Strümpfe an, die er unter andern mit der Versicherung empfahl, dass er von ihrer Art viele länger als drei Jahre getragen hätte. Ein an diese Verheissung gläubiger Käufer, dem die seinigen nicht länger als drei Tage Dienste leisteten, machte seinem Käufer die bittersten Vorwürfe, und dieser erwiderte ganz gelassen: Es kommt bei der Sache sehr auf die Frage an, wo Sie die Strümpfe getragen haben; Sie sehen, ich trage die meinigen auf dem Rükken. – Heraldicus junior, der, wie er gegen unsern Helden prahlte, mehr f ü r L e b e n s p f l i c h t e n als G l a u b e n s l e h r e n war, hätte aber dieser Prahlerei halben nicht schweigen, sondern eine seiner Lebenspflichten ausser Zweifel setzen sollen. Doch schwieg er gegen jedermann, und bloss dem A B C gab er im Stillen zu vernehmen, dass man von Kindern Glauben, Zutrauen, von Erwachsenen Prüfung einzelner Stücke, von Männern Kritik des Ganzen fordere – und dass man von Bildern zur Deutlichkeit, vom Buchstaben zum Geist hinübergehen müsse, wenn man nicht der Bestimmung des Menschen und dem Gange seines Geistes entgegen arbeiten wolle. – Nach den patetischen Brocken des Predigers, welche (bis auf die Winkelkritik des Hofmeisters) allgemeinen Beifall erhielten, ward verabredet und beschlossen, alles nur in einer freien
§. 43.
Uebersetzung
stattfinden zu lassen. Vor allem die Kapelle des Grabes Christi. Das Grab zu allererst. – Beim grab den Stein, den der Engel weggewälzt, nicht zu vergessen. Beim Original-grab ist dieser nicht zu sehen, weil die Armenier ihn entwendet haben sollen; hier indess ist dergleichen Diebstahl nicht vorgegangen; der Stein werde also immer gelegt. Melior compositio: Zweite verbesserte und stark vermehrte Auflage! Eine Kirche, wodurch das heilige Grab und der Ort der Kreuzigung in Obhut genommen wird, wie an Stell' und Ort, fand man bedenklich.
Pilati Hans kann nicht schaden. – Die Ritterin verlangte das Schlafzimmer der Frau Landpflegerin Excellenz in vorzüglichem Geschmack, und behielt sich vor, wenn kein Pilger ihr zuvorkäme, hier auf einen Traum zu Gast zu gehen. Man wünschte ihr eine angenehme Ruhe! – Das Haus des reichen Mannes, zusammt dem Mahagonitische, von welchem die Brosamen dem Lazaro zugefallen, fand kein einziges Votum. Auf der Hütte des Lazarus bestand die Ritterin; indess ward sie mit ausserordentlicher Distinction der liebe Gott immer Eins. – Das Haus des Hohenpriesters Hannas fiel weg. Auch Kaiphas bekam kein Haus, obgleich die christlichen Geistlichen freie Wohnungen haben. Beides waren Vorschläge des Pfarrers, der hier Zwillinge verlor. Die sogenannte verfluchte Erde, wo Judas mit der Schaar ankommt, die Stelle, wo die Jünger schliefen, ging einstimmig durch; nicht minder der Blutacker, wo die Pilger, wenn sie der Tod hier träfe, begraben werden sollten – Apostelgeschichte I, 18. 19., sagte der Prediger. Er hat für den ungerechten Lohn erlangt einen Blutakker zum Begräbniss der Pilger; und die Ritterin fügte hinzu: Gott lasse sie selig ruhen! sie kommen in ihr Eldorado. – Die gute Ritterin wird im Schlafkabinet der Frau Pontius Excellenz gewiss so glücklich nicht sein.
Den Ort, wo Petrus dem Malchus das Ohr abgehauen, verbat der Ritter, weil man mit den Ohren behutsam sein müsse. Wer das Schwert nimmt, fügte der Prediger hinzu, und übersetzte die Stelle: Wer das Schwert zieht, wider den wird das Schwert gezogen!
Oelberg! ein wichtiges Stück, leicht zu kopiren. Der Baum, woran Judas sich erhängt, fand keinen Beifall, und diese Reliquie ward, da in dem hohen Rat keiner ein sonderlicher Liebhaber von französischen Freiheitspfählen zu sein schien, wie so manches andere überhüpft.
Der Prediger unterstand sich nicht, noch einmal Betlehem in Vorschlag zu bringen, so viel Lust und Liebe er auch zu Betlehem hatte. Sein Wunsch, den Ort, wo Christus über Jerusalem geweint, mit einem Steine zu bezeichnen, ward dagegen einstimmig genehmiget.
Gar höchlich wunderte man sich, dass der Stattalter Christi nicht die heiligen Stellen insgesammt in Rom nach dem Leben kopiren lassen, wo alsdann, eben so wie in Rosental,