haben, vorschriftsmässig und auf die rechte Art Gott zu loben. Wird dieser Mord im Grossen minder getrieben als in Kriegen? Ach! auf diesem Schlachtfelde büsst man noch mehr ein als Leben: – Verstand und Willen, Gewissen und Freiheit! doch alles von Rechtswegen. Wie aber? gibt es nicht bei gerechten auch u n g e r e c h t e Kriege? Allerdings! Freilich sind sie schwer zu unterscheiden; doch mag man sich die goldne Regel merken, dass Kriege, die w i r von Gottes Gnaden führen, g e r e c h t , dagegen die, welche a n d e r e von Gottes Gnaden führen, u n g e r e c h t sind. Von den ungerechten singt Luter in unserm Text ob er aber Seelen- oder Leibeskriege oder, was mir am glaublichsten vorkommt, beide zusammen meine, scheint problematisch. Problematisch? Wie? redet Luter nicht von den Leibund Seelengrossen der Erde? vom Papst und Türken? – und sollt' er sich nicht den Mordgipfel, das Mordideal gedacht haben? Ich glaube.
Soll ich diese Strophe auf Prosa reduciren oder übersetzen? Ehrlich währt am längsten. Luter singt, als wollt' er sagen: Erhalt' uns, Herr, bei der menschenfreundlichen, liebevollen Lehre, und steure allen Tyranneien, die ihr so gerade entgegenwirken! Wenn gleich der Reim und der Zorn oft tun, was nicht recht ist, so sind doch Mord und Wort poetisch verwandt und prosaisch verschwägert. Doch warum weitere Ausholung? Nicht wahr, man könnte dem Freilingshausischen und andern Gesangbüchern nachsingen:
Erhalt' uns, Herr, bei deinem Wort,
Und steur' der Feinde Christi Mord?
Wer es ist, oder sein mag, ob türkischer oder christlicher Türke, ob päpstlicher oder luterischer Papst – der schlage zöllnerisch an sein Herz: Gott sei mir Sünder gnädig! Schlecht für ihn; gut für das Lied und den Dr. Martin Luter! Das Lied schlägt auf den Worte T ü r k in meiner Abhandlung bis jetzt so wohlbedächtig als glücklich auszuweichen gesucht habe, so ist doch auch diesem H a u p t w o r t e , dieser Blume des Textes, der vorzüglichste Honig abgesogen. Hab' ich nicht die Ehre, die hohen antipatetischen Gesinnungen Sr. Hochwürden Gnaden gegen alles, was Türk ist und heisst, zu kennen? Doch ganz kann ich den Türken nicht übergehen. Gewiss würde unser hohes Präsidium, wenn Mahomet in der Hölle und der Qual Hochdasselbe um einen Tropfen wasser bäte, seine Zunge zu kühlen, diesen Volksverführer nicht S o h n nennen, wie Abraham den reichen Mann als Israeliten. Indess, Hundert gegen Eins! wasser schlüge unser Chef dem Mahomet nicht ab, selbst Wein nicht, wenn ihm, zur Strafe, dass er diese herzerfreuende Gabe Gottes so schnöde verachtete, die Weinwehen, anwandeln sollten. – Dort ist kein Grab Christi, das der Höllenhund Mahomet bewachen und bebellen kann! J o h a n n F e i n l e r , dieser gelehrte Glockengiesser, macht unser Lied bloss zur geistlichen Türkenglocke, die nicht oft genug in der Christenheit gezogen werden kann. Ach! Frevler, die schon so viele Ehrfurcht gegen das Grab ihres Lügenpropheten beweisen, dass sie ihm zu Ehren, wenn sie beten, ihr Gesicht gegen Mittag kehren, und mit grosser Andacht nach Mekka wallfahrten; sie, bei denen schon das Grab des Ali, des Schülers Mahomets, so hoch am Brette ist, dass die persischen Könige auf demselben das Schwert empfangen; ach! diese Frevler besitzen, trotz so vielen streitbaren Rittern, das Grab Christi! – Elender Staat, wo der Mufti und Grossvezier dem Strange viel näher sind, als ich einer Superintendentenstelle! – Elende Religion, die aus der heidnischen, jüdischen, griechischen und christlichen zusammengesetzt ist und viererlei sich anschreiende Farben in sich fasst! Viele Köche! – Das unangenehmste von allem ist, dass der Sultan ein Kreuz mit seinen Beinen macht, wenn er sitzt, welches überhaupt türkische Manier ist. Dass du gekreuzigt würdest, du Schwarzkünstler, der du das Kreuz, das christliche Ritter tragen, mit deinen unheiligen Beinen schlägst und so gröblich und ungezogen in die Rechte des Papstes greifst, dem es auf den Pantoffeln zu tragen erlaubt ist! – Unser hohe Chef hat sich durch seine ehrenvolle Mütze vom türkischen Turban entfernt; und was meine Federmütze betrifft, die von einem dergleichen türkischen Unwesen einige Aehnlichkeit hatte, so ist sie mit wahrer Herzensbeistimmung dem hohen Rat in Jerusalem aufgeopfert, dem zu Ehren ich denn auch endlich die Steine des Anstosses der gegenwärtigen Abhandlung, falls man nicht bei dem Freilingshausischen Gesangbuche bleiben wolle, so legen würde:
und steur' der Türken List und Mord;
oder
verhüte, Herr, der Türken Mord!
welches auszuwählen ich dem geneigten Sänger überlasse, herzinniglich wünschend, dass das Grab Christi, welches das Unglück hatte, schon in der ersten Nacht von Heiden bewacht zu werden, endlich in christliche hände kommen möge, wozu der Himmel die gesegneten Anstalten der Grabesritter segnen und sie mit Mut und Macht ausrüsten wolle für und für! – Die Türken, denen ich nicht wünschen kann, dereinst zur Linken zu stehen, da die linke Hand aus List und Naseweisheit bei ihnen obenan ist, mögen in zeiten bedenken, was zu ihrem Frieden dient! Denn mir (um aufrichtig zu reden) sollen sie im Himmel nicht im Wege sein, wo wir nicht mehr