1793_Hippel_038_81.txt

Grub' hinein,

Die s i e m a c h e n den Christen dein!

Das lässt sich hören! Sie sind ihre selbsteigenen Todtengräber. Darf ich hier einen Ausfall auf Luterische Päpste wagen? Gibt es nicht im Lutertum Bauchpfaffen, die ihren Champagner trinken, während andere ihrer Collegen sich Glück wünschen, wenn beim hohen Kirchenpatron die Ermahnung Pauli erfüllt wird: trink ein wenig Weins deines schwachen Madem neuen Jerusalem in Viel verwandelt und es ist an mir erfüllt worden, was geschrieben steht: Ei du frommer und getreuer Knecht, du bist über wenig treu gewesen, ich will dich über viel setzen; – gehe ein und so weiter. – Die fetten Kühe helfen den magern zusehends aus! Consistorialräte, General- und Specialsuperintendenten und wie diess stolze Volk weiter heisst, kitzelt seinen Gaumen und ehrt Gott mit seinen Lippen; doch ist sein Herz, das seinen Sitz im Magen hat, fern von ihm! Es ist an ihm, nach der Typik jenes Witzlings, erfüllt, was das Vorbild der Schlange besagt, die verflucht wardauf dem Bauche zu gehen ihr Lebenlang. – Wider diese Baalspfaffen, die auf Mosis Stühlen sitzen, Schwert des Herrn und Gideon! stürz' sie in die Grub' hinein! –––

Die Rangliste, welche in unserm Singtexte beobachtet wirdist sie etwa poetische Licenz oder ein Sylbenmasszwang? Mit nichten! dem geistlichen stand eignet und gebührt a u c h b e i m M o r d e die Ehre. – Zwar glaube' ich, dass Se. Heiligkeit cum reservatione reservandorum, sobald von ö f f e n t l i c h e n Mordfällen die Rede ist, es so genau nicht genommen haben würde, dem türkischen Kaiser die rechte Hand und die Evangelienseite abzutreten, indem der erste in der Grube (bei der ihm nicht abzustreitenden Ehre der erste zu sein) doch schlechter daran ist als der, welcher über ihn fällt. – Nach einer bebrauchten Juristenregel ist gegen den zu sprechen, durch dessen Schuld die Sprache im Vortrage nicht deutlich genug ausfiel. – Mord! die Herren Juristen, von denen weder ex notorietate noch testandibus actis hervorgeht, dass sie gute Christen sind, eignen sich die Kenntniss v o n M o r d u n d T o d t s c h l a g privative zu! Warum nicht gar! wenn die guten Herren nur die Bibel zur Hand nehmen wollten, wie so manches könnten sie über Mord und Todtschlag lernen, worüber in ihren Gesetzbüchern ein altum silentium herrscht! Gibt es nicht groben und feinen Todtschlag, und tritt nicht diese Einteilung auch beim Morde ein? Denken die eingeschränkten, kraftlosen Gesetzsuppen an den schönen Mord für die Ehre Gottes und des Vaterlandes? an die gesegneten heiligen Kriege, wo Zehntausend fallen zur Rechten und Zehntausend zur Linken? wo derjenige, der am besten würgt, der grösste, nicht im Himmelreich, sondern auf Erden ist und (nach der Kleiderordnung der Zahnärzte, die sich mit ihren ausgewürgten Zähnen behängen) ein Band erhält, welches nur dann den Mann ziert, wenn das Kleid in Menschenblut gefärbt ist, wie das Kleid Josephs, das seine Brüder in Bocksblut tauchten? Die Frage: "Kann d e r Gott lieben, den er nicht sieht, der ganze Schaaren seiner Brüder hinrichtet, die er sieht?" verdient die eine Antwort? – Nie in der Welt macht der Pluralis einen solchen Unterschied gegen den Singularis, wie hier! Das Angstgeschrei der Wittwen ist den Herren Kriegsknechten ein Allegro; die Tränen der verwaisten Töchter ein Herz erquickendes Andante; Blitz und Donner ist ihnen angenehmer, als die segnende Sonne; mit Pestilenz, ansteckenden Seuchen, Feuers-, Wassers-, Hungers- und aller möglichen Not leben sie in Gemeinschaft der Güter; sie teilen ihre Siegeszeichen mit diesen ihren Spiessgesellen und Amtsbrüdern. Wenn einer todtgeschlagen wird, ist es Mord; wenn Zehntausend durch das Schwert fallen, ist es Heldentat. Der Mörder eines Menschen wird auf einem schimpflichen Karren zur Schädelstätte geführt; der Held, der Zehntausend hinrichtet, wird in einem Triumphwagen, den Brüder der Erschlagenen ziehen, eingeholt! – und die Töchter des Landes singen: Saul hat Tausend, David Zehntausend geschlagen. Nach eingeschränkten Privatgesetzen würde man Helden sammt ihren Spiessgesellen: M ö r d e r und ihre Lager M ö r d e r g r u b e n nennen können, und doch gelüstete im alten Bunde Engel, diess Menschenschachspiel nicht etwa als Volontärs anzusehen, sondern selbst Hand ans Werk zu legen, und in stiller Nacht Tausende hinzurichten. Der Unterschied, wenn man sich allein auf seine eigene Hand betrinkt, und wenn es in Gesellschaft ehrenvoll geschieht, erläutert einigermassen die Sache. Diess simile auf Menschenblut angewendet hinkt zwar, doch erträglich: der letzte ist Feldherr, der erste Mörder! –

Was sagt ihr Herren Juristen, ihr Mordhöker, zu diesen Genies, die ins Grosse arbeiten? und was zu Seelen-, zu Gewissensmorden, wenn man einem den Glauben so an die Kehle setzt, dass er entweder sogleich das Gewehr der Vernunft strecken und sich auf Gnade und Ungade zum Gefangenen ergeben oder aber eines langsamen Seelentodes sterben muss? Könnte dieser Glaube nicht in besonderem Sinn ein gewaltiger Glaube heissen? – Man gibt den Irrgläubigen Gift, das nicht wie der Tarantelstich aufs Hüpfen und Springen wirkt, sondern Leib und Seele zerschneidet; doch, versteht sich, um Gottes willen, damit diese Leute im Feuerofen unerwünschte gelegenheit