als Heilige, als Märtyrer der gesetz. So, Freunde, sterb' auch ich. Ich murre nicht; ich danke meinen Richtern; sie taten, was sie zu tun schuldig waren; ich danke den Gesetzen, sie sind nicht für einen einzelnen, sondern für alle Fälle gegeben. Gin Gesetz auf den gegenwärtigen Fall gemacht, ist ein Machtspruch, und ein altes ist selten oder gar nicht anwendbar! Was taugt also die Justiz? – Ich danke dem Gesalbten, der bei der ganzen Sache kein anderes Interesse genommen, als dass er sich die Mühe gegeben, seinen Namen zu unterschreiben. Der seinige möge dafür, und zwar kalligraphischer, eingeschrieben werden in allen unsern Jahrbüchern bis auf den jüngsten Tag! – Mein Andenken kann nicht in Unsegen unter euch bleiben; – und an meinem Blute hat niemand Schuld, als der Moloch, der Staat, der sich so viele seiner Kinder opfern lässt. Selten schlachtet er wie B r u t u s ; N e r o und seines Gleichen sind seine Vorbilder. – Doch wie? ich schelte, weil man m i c h schilt? Ich vergelte Böses mit Bösem, und bin ungehalten, weil ich leide? – Wohlan, meine Lieben! ich will segnen; und es ist nicht gut, dass bisweilen Einer stirbt für Viele –? Ich verzeihe allen, die mir je unrecht taten; verzeihet auch mir! Und ihr, die ihr euch für beleidigt hieltet, Grosse und Kleine, vornehme und Geringe, vergebt, so wird euch vergeben! Wer kann wissen, wie oft er fehle –? Lasst uns versöhnt scheiden! – Was ist am Leben? Die höchste Lebensweisheit ist: an den Tod denken und sterben lernen. – Geht! ich werde heute examinirt, und ich hoffe zu bestehen in der Wahrheit. Im tod fällt der Schein: die Schminke wird abgewischt, und wir sind in eigener person sichtbar. Starb doch die Königin M a r i a als eine Heldin, welche eine andere Königin, die Putzhändlerin E l i s a b e t h , zwar rechtskräftig, aber doch bloss darum mordete – weil M a r i a schöner war als sie! Starben doch so viele Menschen – ohne dass die gesetz einen Buchstaben, geschweige denn den Geist auf sie bringen konnten – bloss durch feile Richter! Heil mir! das Gesetz, dass mich verurteilt, ist so z i e m l i c h klar; – ganz klar ist fast keine, wenn es mit dem Fakto zusammen gepasst wird. Niemand ist vor seinem tod glücklich, sagte S o l o n ; im tod sind wir alle glücklich – alle! Guter Oberhofprediger, alle! – Ich sterbe. – Jeder, wer mich hört und sieht, wird auch sterben. – Ich habe in einer Viertelstunde vollbracht (bei diesen Worten bereitete sich der Scharf und Nachrichter vor, indem er seinen roten Mantel von sich warf und sich mit dem blinkenden Schwert fürchterlich in Positur setzte), und über den Häuptern dieser Trauerversammlung schwebt noch immer der F e l s d e s S i s y p h u s . Ich bin nach wenigen Augenblicken gewesen, und die meisten unter ihnen werden nach Stunden, Tagen und Jahren gewesen sein! Gewesen!! Wer sein Leben lieb hat, wie können den Ananas, Caviar, Austern, Forellen, Haselhühner und dergleichen reizen? Der Gedanke, dass er auf den Tod sitzt, vergällt ihm alles. (Der Scharf- und Nachrichter winkte seinem geistlichen Collegen, dem Oberhofprediger; dieser verstand den Wink, und bat Se. Excellenz, sich kurz zu fassen. –) Kurz und gut! Lebt wohl, vergesst mich nicht, nehmt euch meines Weibes und meiner Kinder an. Der älteste ist der nächste zur Schwadron bei den grünen Husaren, und sein Bruder will sich den Rechten widmen. Freilich könnt' er etwas Klügeres tun. Der Stabsrittmeister ist keinem vorgezogen; er hat die gewöhnliche Schule gemacht, und war drei Jahre Junker, ehe er Cornet ward. Lebt wohl!"
Die arme Baronin war dreimal in Ohnmacht gefallen, und hatte sich dreimal erholt. Der Oberhofprediger loci hatte eine sehr rührende Beschreibung von diesem Vorgange und den Wirkungen seiner Bemühungen zum Preise der göttlichen Gnade edirt – worüber sich die Baronin nicht der heissesten, bittersten Tränen entalten konnte; und es war ein Glück dass etwas vorkam, worüber sie weinen konnte, denn eine neue Ohnmacht rückte heran, und hätte sich ohne den Ableiter des Oberhofpredigers gewiss nicht abweisen lassen. Die Furchtsamkeit des baron bei der Anmeldung, das Riechfläschchen und die Ohnmacht des wohlseligen Herrn Ministers, die ihn, als hätte er Knoblauchsgeruch eingesogen, anwandelte, wurden jetzt als die treffendsten Omina anerkannt, und der Engel des Todes schien nicht ungehalten über die Langwierigkeit dieses Wortwechsels, da die wohlselige Excellenz sein Vetter war, und da er ungern zu seinem eigentlichen Auftrage schreiten mochte. – Endlich ermannte er sich. Die Schuld ist geteilt, fing er ex abrupto an; der Sohn, den die Frau des Hauses unter ihrem Herzen trägt, wird unglücklich, und ein Drittteil der Familie, ohne Unterschied, ob fräulich oder männlich, trägt die Zeichen unzeitiger Neugierde am leib sichtbarlich. "Sichtbarlich!" seufzte die Baronin. Sichtbarlich, wiederholte der Unglücksbote. "Unglücklich!" fuhr der Baron fort. Unglücklich, hallte der Würgengel nach. – Beides ist Ja und Amen worden. Das Unglück des unschuldigen