Manna! Halleluja, Hosianna!
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Hosianna, rief die Ritterin auf, ohne dass ein Blitz zu sehen, ein Knall zu hören war, und eine F l u c h oder G n a d e n t h ü r sich auftat. Der Ritter reichte ihr aus Beifall die Hand. – A B C wiederholte das mütterliche Hosianna. – Und gilt diess etwa dem u n vorgreiflichen Vorschlage des zu Gebet, Gesang und Dienst verbund e n s t e n D i e n e r s ? Nimmermehr! Die Ritterin fühlte seine Weitschweifigkeit so gut, wie wir. Dem Gastvetter galt es, der durch so manche gute und böse Gerüchte in Rosental gegangen war; ihm und seiner Behauptung:
"Dass Poeten d a s R e i c h G o t t e s und
s e i n e G e r e c h t i g k e i t in den A n f a n g
der Welt, Philosophen dagegen es in die s p ä
t e s t e Z u k u n f t setzen."
Diess Tema gab gelegenheit zum Streit und Widerstreit, wodurch das Dreiblatt einer Familie begeistert ward, das wahrlich Genossen des Reiches Gottes zu sein verdiente! Ganz ungezwungen kam die Ritterin zu ein paar Geschichten, die ihr auf dem Herzen lagen, und die den Namen H o s i a n n a - G e s c h i c h t c h e n erhielten. – Sie hatte unter vielerlei Armen (in ihrem Rittersitze waren keine) auch e i n e Klasse, die vierteljährlich nach Rosental wallfahrtete, um ihre Pensionen abzuholen. arme d i e s e r Klasse kamen beständig zu Zwölfen; und diese Apostelzahl geleitete sich unter einander, und ward, ausser der Mitgabe, in Rosental vierundzwanzig Stunden reichlich bewirtet. – Nie versäumte es die Ritterin, mit diesen Zwölfen zu Tische zu sitzen. Sie nannte sie ihre S c h i l d e r e i e n s a m m l u g , und kein Maler der alten und neuen Zeit hat solche Gruppen dargestellt; wahrlich keiner! Heute aber verlangte E i n e dieser zwölf geheime Unterredung."Haben Sie Dank, gnädige Frau," fing sie an, als sie mit der Ritterin allein war, "für Ihre Güte; und wenn ich gleich von dem Ihrigen nehmen muss, um es Ihnen zu geben, so freu' ich mich doch, dass diese Stunde kam, und ich wenigstens auf diese Art geben kann. – Ich teilte den Jahrgehalt, den Sie mir bewilligten, mit einer unglücklichen Mutter, die drei Meilen von mir lebt, und die nur das Unglück mit mir verband. – Ein heiliges Band! Sonst sind wir nicht Verwandte. Diese Mutter ist glücklich geworden und bedarf meiner Teilung nicht mehr." – Edles Weib! sagte die Ritterin, und verstummte. – Nur erst nach einigen Minuten war sie im stand, sich nach der Veränderung des Unglücks in Glück zu erkundigen. Der edlen Ritterin fiel die Legende vom u n g e b o r n e n U n g l ü c k l i c h e n ein, welcher sich aus einem Glücklichen in einen Unglücklichen verwandelte: ein Fall, der sich öfter ereignet! Aus dem zug, dass es eine Mutter betraf, glaubte die Ritterin sicher abnehmen zu können, die Kinder hätten die Mutter unglücklich gemacht, und der Tod, der Armen und Unglücklichen n a t ü r l i c h e r V o r m u n d , wäre auch hier der Beförderer zu dem Glücke der Mutter geworden. Nicht also. Die Mutter hatte einen kranken Sohn, den sie schon einige Jahre auf dem Bette wartete und pflegte, und diesen hatte sie verkauft! – V e r k a u f t ? fuhr die Ritterin auf. – Z u m G l ü c k v e r k a u f t , erwiderte die Eine von den Zwölfen! – Die Mutter, setzte sie hinzu, hielt den Käufer für einen Arzt, obgleich seine Physiognomie ihr gütiger vorkam, als viele dergleichen Herren mit glühenden Zangen und Menschenfleischmessern sie zu haben pflegen. Er gab ihr dreissig Taler; und was konnte das arme Weib sich anders vorstellen, als dass der Käufer eine Medicinprobe mit diesem Unglücklichen machen würde? – Da sie indess überzeugt war, dass der abgezehrte, völlig entnervte Körper ihres Sohnes keine probe auszuhalten im stand wäre, so glaubte sie einen vortrefflichen Handel gemacht zu haben, den ihr der liebe Gott verzeihen würde, und gewiss auch verziehen hat. Der kranke Sohn willigte nicht etwa bloss in diesen Kauf ein, sondern verlangte ihn durchaus. Er empfand, wie schwer er seiner Mutter fiel. – Die Vorstellung, der Käufer könne nichts anders als ein Arzt sein, brachte die Mutter noch auf die e i n z i g e Bedingung, dass ihr Sohn nach seinem Ableben in keinem Anatomiehause aufgestellt werden möchte. Unbedenklich ging der Käufer diese Bedingung ein. Nicht nur die halbe Pension, sondern auch diese dreissig Reichstaler hat sie dazu anwenden müssen, die Arzneien und die ärzte für ihren Sohn bis zu diesem Kauf- und Verkaufscontract zu berichtigen. – (Daher der Groll wider ärzte, unter denen es gewiss gute Menschen gibt!) Ein Zettel, den der Käufer dem Schulmeister behändigte, diente zum Wegweiser