Hochwürden und Gnaden
dem
Hochwürdigen Hochwohlgebornen Herrn
Caspar Sebastian,
des heiligen römischen Reiches Freiherr und des
heiligen Johanniter-Ordens Ritter, der weiten und
breiten Rosentalschen Güter Erbherrn, des im Riss
liegenden Jerusalems und vieler andern schön
gezeichneten heiligen Oerter Eroberer, des hohen
Rates zu Jerusalem in Gott andächtigen Präsidenten
etc. etc. etc. etc. etc. etc. etc.
seinem gnädigen Kirchenpatron, hochgebietenden
Chef
und Herrn,
namentlich untertänigst zugedacht, zugeschrieben
und gewidmet
von
einem zu Gebet, Gesang und Dienst
verbundensten Diener.
Dass schon die blinden Heiden bei ihrem Gottesdienste Gesänge gebraucht haben, beweisen der hochblinde Homer und viele andere, als Orpheus, Kallimachus, Hesiodus. Nach dem Pausanias war Licius Olenus ein griechischer geistlicher Liederdichter, wiewohl der Streit in der alten heidnischen Singwelt unausgemacht bleibt, wer den ersten Hymnus angeschlagen habe, indem, wenn ich mit Heiden heidnisch reden soll, es das Ansehen gewinnen will, als ob die fröhlichen Vögel dem Menschen den Sang und die Poesie, dagegen die vierfüssigen Tiere die Prosa kollegialisch beigebracht, unter welchen der beschriene Ochse und der nicht minder beschriene Esel gewiss das ihrige rühmlichst beizutragen nicht ermangelt haben werden. Dass die Poesie ihr Hüpfen und Springen, und die Prosa ihren vierfüssigen gang von ihrer Urabstammung beibehalten bis auf den heutigen Tag – darf ich das bemerken? Doch was geht dergleichen blindes Heidentum, wodurch die vierfüssige Prosa am schlechtesten wegkommen würde, uns an, da ein ganz anderes Schema genealogicum der geistlichen Lieder in der christlichen Familienlade deponirt ist? So wie jener Weltüberwinder, nachdem er überall kam, sah und siegte, nicht mehr von einem leiblichen Vater abstammen, sondern seinen Ursprung im Himmel unter den Göttern aufsuchte und von ihnen abglänzen wollte: so können wahre Menschen mit weit grösserem Rechte behaupten, dass sie in linea recta von den Morgensternen und Kindern Gottes abstammen, von denen sie auch ihre Singkunst erlernt haben. Bleibt es gleich in diesem Jammertale beim Tenor oder mezza voce, wenn dagegen jene himmlischen Virtuosen im hellen Discant einen Triller den andern beschämen lassen und mit ihren Engelflügeln den Takt dazu schlagen, so hat doch niemand, weder Engel noch Mensch, des Herrn Sinn erkannt. Wer ist sein Ratgeber bei der Form gewesen, in die er seine Welten und in ihnen seine Geschöpfe goss? und wer kann dafür, dass er nur, oder dass sogar Ein Mensch ist? Wer warst du, sagt Gott der Herr zu Hiob, der von dem himmlischen Fiskal, dem Satan, in puncto criminis laesae in unbefugten Anspruch genommen ward, so dass er auch seinen Process in der letzten Instanz refusis expensis gewann. – Wer warst du, da mich die Morgensterne mit einander lobten und jauchzeten alle Kinder Gottes? – Dass hierdurch die Sphären-Instrumentalmusik und die Engel-Vokalmusik, und unter derselben das h o h e L i e d : H e i l i g ! h e i l i g ! h e i l i g ! verstanden wird, welches Jesaias, der ein vortreffliches musikalisches Gehör besass, in Noten gesetzt hat, ist auffallend. Singen und Spielen sind so nahe verwandt, dass ein jeder Sänger gern allem, was ihn umgibt, die Zunge zum andern Discant lösen möchte; und so hat der Mensch wirklich leblosen Instrumenten einen musikalischen Atem eingehaucht; und was die Sphären dort oben sind, das sind hienieden Pauken und Trompeten, Violinen und Flöten. Wenn ich nun gleich der kritischen Frage: ob die ersten Eltern im Paradiese gesungen, ganz gern ausweiche (da Se. Hochwürden und Gnaden nach guten Ursachen, die fast eben so viel als gute Nachrichten bedeuten, wissen wollen, dass die ersten Eltern im Paradiese sich in Prosa unterhalten), so würde es den guten und bösen ersten Eltern doch zu keiner Scham und Schande gereichen, im Paradiese mit den Morgensternen und den heiligen Engeln, ihren Gespielen, eins um die Wette angestimmt zu haben. Von selbst versteht es sich, dass der Paradiesgesang ein ganz anderes Ding gewesen ist, als der, den Adam und Eva bei der Holzaxt und beim Spinnrocken leierten.
Man sagt, die Not lehre beten. – Wahr! Lehrt sie aber nicht auch fluchen? und ist es nicht gewiss, dass die Not eben so viel, wo nicht mehr, gute Christen als Bösewichter erzieht? Die Herren Finanziers brauchen die Not zum sichern Recept wider das kalte Fieber der Faulheit, womit sie, trotz der China, Wunderkuren getan zu haben behaupten. In der Tat, die Herren sollten in ihren Finanzrecepten weiter gehen, und wenn sie selbst wegen dieser Not in Not geraten, das w o h l f e i l e S i n g e n verschreiben. Erinnert man sich nicht hierdurch an die grosse Harmonie, die doch immer – auch bei Gram und Sorgen, bei Donner und Blitz, bei Schelten und Schlägen, welche die Herren Staatsregierer über die Staatsbürger im Rate der Wächter beschliessen und mit ausserordentlicher Pünktlichkeit ausführen – in der argen bösen Welt ist? – Ach! durch den Gesang wird die arge böse Welt zur besten! – Der Gesang kühlt die Angst; und was ein Glas wasser der Zunge in schwüler Mittagszeit ist, wird der Seele ein Lied. Mein Gesangbuch nenn' ich einen Eiskeller, und hab' es im hitzigen Fieber der Anfechtung in Segen gebraucht. Wenn die Verdammten in der Hölle singen könnten – wären sie nicht aus aller Not? und dürften sie wohl einen Tropfen wasser zur Zungenkühlung erbetteln? Würden nicht vielmehr