dieser Religion zugetan waren, hat die katolische Religion ihre Ahnen, ob richtig oder nicht, damit ist es bei Ahnen wahrlich so genau nicht zu nehmen. Pater est quem justae nuptiae demonstrant. Das Kind heisst nach dem Gemahl, ob der Gemahl Vater ist, da siehe du zu! Ausserdem haben alle Kreuze etwas Katolisches in sich, und wenn gleich das Kreuz die gemeinste Strafe war, mit welchen man bei den Syrern, Juden, Aegyptern, Persern und Römern Knechte, Mörder und Räuber belegte, so ist doch diese Figur ein Ehrenzeichen geworden durch den gekreuzigten Stifter der christlichen Religion, der Weise ihr Kreuz auf sich nehmen und ihm nachfolgen sollten.
Der Zuneigung, die unser Ritter zu der katolischen Religion hatte, ungeachtet, hielt er es doch nicht mit Klang und Sang, worin diese Kirche ein Hauptstück ihres Gottesdienstes setzt; vielmehr war er ein gönner der Prosa. Er hielt dafür, sie sei adlich, und man sehe ihr Wehr und Waffen an. Schon hatte man sich, um den Ritter durch das Altertum zu gewinnen, Mühe gegeben zu behaupten, dass die Menschen mit der Poesie den Anfang gemacht hätten, und dass das Jauchzen und Springen wahre, ächte Poesie wäre; indess ward er so wenig in diesem Garn gefangen, dass er sogar das Alter der Poesie in totum und tantum abläugnete. – Und wie das? – Gott der Herr, wenn er sprach, redete in Prosa. Adam und Eva mussten natürlich auch so antworten, und haben im Paradiese in keiner andern Art als in Prosa conversirt. Die erste U r v e r w i r r u n g der Sprache ist Poesie und Prosa. – Vergebens war alle Mühe, den Ritter zu überzeugen, dass Poesien Früchte und Kinder der Imagination wären, die doch beim Ritter galt. Zuweilen schien es wirklich, als ob er mit seinen Behauptungen in Verwirrung käme; doch konnte man dieses Eingeständniss nicht von ihm erhalten. Er glaubte, es ans Tageslicht bringen zu können, dass die Behauptung der Dichter: "die Dichtung sei das Chaos, die Mutter der Prosa," schon eine Dichtung wäre; dass die Einbildungskraft, in der doch der Dichter, wie der fisch im wasser, zu schwimmen vorgebe, nicht zähle und messe, und dass noch die Zeit kommen müsse, wo man der Prosa Gerechtigkeit widerfahren lasse. Die höchste Poesie sei nicht eine toll gewordene oder poetische, sondern eine durch ihren inneren Gehalt, durch ihren Geist geadelte Prosa. Verbannte nicht Plato, sagte er, die Poeten aus den Vorhöfen des himmels, aus seiner Republik?
Nach diesen grundsätzen kam der Ritter gemeinig
lich bei den letzten Worten des G l a u b e n s in die Kirche, und so war das Amen des Predigers auch das Zeichen, seinen Hut zu nehmen und in die Melodie des Gebetes zu fallen. Morgen- und Abendandachten waren in Rosental seit Menschengedenken eingeführt; allein alles ging ohne Klang und Sang ab (welches der Schulmeister, der zugleich die Orgel schlug und die Cantorei zierte, o h n e S a l z u n d S c h m a l z nannte). Der Prediger, der wie fast alle seine Collegen im Gesang seine einzige Erbauung fand, da das Auswendiglernen ihm alle Rührung und allen Herzensanteil an der Predigt entwendete, mochte nun so viele Verse in seiner Predigt anbringen, wie kaum in den L e b e n s l ä u f e n i n a u f s t e i g e n d e r L i n i e angebracht sind: – unser Ritter konnte dieser Gewohnheit keinen Geschmack abgewinnen. "Er will nicht anbeissen," sagte Heraldicus junior etwas zu prosaisch, der auch ein Liederfreund war, indess, wie es sich von selbst versteht, mit mehr Schmalz und Salz, als der Organicus loci. Freiheit und Poesie haben von jeher gute Freundschaft gehalten, wenn gleich die Bemerkung unsres Liederstürmers nicht zu verachten ist, dass Poesie eine gebundene und Prosa eine ungebundene Rede hiess.
An einem X. Sonntage nach Trinitatis überraschte Pastor loci den Ritter loci, und liess, so wie es bei den Herrnhutern Sitte ist, ehe man sichs versah, ein Liedlein anstimmen, und hiess war: E r h a l t ' u n s Herr bei deinem Wort.
Pastor nannte diese Herrnhutersitte, der man auch in Philantropinen gehuldigt hatte, die Predigt lardiren.
Nichts in der Welt, nicht die stimme des castrirtesten Sängers, noch die Poesie des uncastrirtesten Dichters, hätte den Ritter so angreifen und bekehren können, wie der "T ü r k e n m o r d ." Indess fand er am Morde des Papstes einen nicht kleinen Stein des Anstosses; und nun musste noch ein Strategem von Abhandlung dazu kommen, wenn der Ritter den Gesang mit gnädigern Augen ansehen und sich mit dieser b ü r g e r l i c h e n S o p h i e verbinden sollte.
Ich gebe diese Abhandlung in Lebensgrösse; doch mehr als Brocken vom Pastor werden wir nicht sammeln. Fast keine Schrift ist so schlecht, dass nicht etwas von guten Brocken darin vorhanden sein sollte; auf ganze Körbe voll muss es kein geneigter Leser anlegen.
Diess Körbchen hiess:
§. 38.
Unvorgreiflicher Vorschlag
zur
Abänderung des Martin Luterschen Kirchen- und
Hausliedes:
Erhalt' uns, Herr, bei deinem Wort etc.
allen christliebenden gesanglustigen Seelen,
besonders aber
Sr.