Ein gemilderter Frühlingstag ist von allen der beste: ein Sonn-, ein Festtag! Wer diess Bild nicht schmecken und sehen kann, wird der fassen, was für Beziehung allgemeine Aufklärung auf die Tugend und den Seelen- und Leibeszustand des einzelnen Menschen hat? – Mehr Verstand, mehr Wille, mehr Treue, mehr Glaube heisst darum nicht: lauter Verstand, lauter Wille, lauter Treue, lauter Glaube. – Summa: jede Freude muss mit edlem Schmerz, jeder Schmerz mit einer Art von Freude, jede Vernunft mit Einfalt, jeder Glaube mit Zweifel gewürzt werden, sonst fehlt überall der Reiz. – Das Ende vom lied: ist es nicht ein andres Ding, den Menschen zu epitomiren und zu paraphrasiren, ihn tanzen, gehen, stehen, sitzen zu lassen und so weiter? Es kommt viel und alles darauf an, wie er g e s t e l l t wird. Im grund denkt, spricht, handelt der Fürst so wie der Bauer; nicht sie, sondern die Stellung ihres Körpers ist verschieden. – Der leidige Körper! ist er uns doch immer im Wege! und doch – wer gibt ihn weg um wie vieles! – Die Stellung des Körpers macht Provinzen und Kohlgärten, macht Fürstentümer und Meierhöfe, ändert Ausdruck, Sitten und Ton. Sonst sind wir uns im Leben so gleich, wie im tod!
Nach diesen Aus- und Einschweifungen ward per Decretum festgesetzt:
a) Der gute Vetter, sonst ein Mann, ist der Intoleranz gegen Adel und Johanniterorden zu zeihen.
b) Glaube gehört zu allem; Glaube ist nicht jedermanns Ding. Zu einer an die matematische Evidenz grenzenden Gewissheit ist wenig zu bringen. Die sinnliche Evidenz steht der matematischen oft nach.
c) Ceremonien und Darstellungen sind Glaubenskrücken.
d) Man tut wohl, sich den Glauben in die Hand zu spielen. Diess war der Hauptschlüssel zu diesem ganzen Paragraphen; – Jerusalem sollte nach Rosental höflich eingeladen, und beliebter Kürze und Einfalt wegen hierher das gelobte Land verlegt werden. – Es wird die Einladung nicht abschlagen, sondern die Ehre haben, aufzuwarten. Trägt man gleich die Trauben hier nicht auf Stangen, fliesst gleich in Rosental nicht Milch und Honig, – wird das gelobte Land sich übrigens hier nicht ganz wohl befinden? Omne simile claudicat.
e) Der vierzigjährige Wüstengang bleibt an seinen Ort gestellt.
Zu Ehren der Ritterin muss ich bemerken, dass sie auf ein Dritteil, der Ritter auf ein Siebenteil, der Junker auf ein Zehnteil dieses Paragraphen Anspruch haben. Das übrige gehört auf die Rechnungen des Predigers und des Hofmeisters; und nach dieser Vermessung und Abwiegung ein Stück vom Prediger und eins vom Hofmeister, den wir lieber Heraldicus junior nennen wollen. Dass er an diesem Spitznamen nicht sterben wird, dafür verbürge ich mich.
§. 35.
Der Prediger
gehörte nicht zu den Geistlichen, welche glauben, was die Kirche glaubt, und die ein ganzes Leben hindurch von dem Honig zehren, den sie in dem Dreiblatt der akademischen Jahre so ziemlich dürftig in die Zellen ihres Kopfes gesammelt haben. – Oft ist der Bienenkorb oder Stock des Kopfes auch so klein, dass nicht viel Honig Platz hat; oft hat die Gegend so wenig Honiggewächse. – Er war als Ehemann und als Vater so glücklich, wie man es unter dem mond sein kann. Seine Stelle, die zwar mittelmässig, doch hinreichend geben, hätte er mit keiner General- und Special-Superintendentenstelle vertauscht. "So ihr Nahrung und Kleider habt, lasst euch begnügen," war die Losung seines Weibes und auch zur Not die seinige; zur Not! denn er hatte gelegenheit gehabt, sich näher zu überzeugen, dass man sich in die Zeit schicken müsse, weil es böse Zeit ist, und in die Menschen, weil es gute Menschen gibt. – Grosses Verdienst ist nie ein sicherer Bürge für Lob und Preis; vielmehr verhindert es gemeiniglich, was es befördern sollte. Wir rühmen den am liebsten, der uns am wenigsten die Sonne in unserm vermeintlichen Verdienstrevier vertritt. Nur dem Nebenbuhler können die Menschen, wenn er gleich unendlich über sie an Würdigkeit hervorragt, diesen Tribut nicht zugestehen. Diess Lob, denken sie, wäre eigne Verachtung. Was gilt ein Prophet in seinem vaterland? Durch das Lob derer, die es auf eine andere olympische Bahn anlegen, verlieren wir wenig oder nichts. Der Feuermauerkehrer lobt unbedenklich den Friseur, der Dichter den Philosophen, der Matematiker den Officianten, der Geistliche den Weltlichen, der Arzt den Barbier. Glauben die Menschen noch überdiess, dass sie den heterogenen Gegenstand ihres Lobes zu übersehen im stand sind, so kommt es ihnen nicht auf Lobpauken und Preistrompeten an.
Die Klippe, an welcher unser Prediger scheiterte, war die Vermutung, dass in geheimen Gesellschaften der Mensch doch wohl vom Glauben zum Schauen erhoben werden könnte; und ob er gleich Gott und die andere Welt herzlich und sehnlichst glaubte, so war er doch der Meinung, noch diesseits des Grabes zu mehr nicht gelangen und wohl gar das Geisterreich, wie das gelobte Land, nach Rosental verlegen zu können. Die Freimaurerei, von welcher der schausüchtige Pastor alles glaubte, was er h ö r t e , aber nichts, was er l a s , bestärkte diese Hoffnung; und nun griff er nach jedem Mittel, das ihm vorkam: nach einer Eiche und nach einem Strohhalm, nach dem Gastvetter und nach dem Senior familiae mit seinem Kasten. – Warum sollte auch nicht einer