Mühe, sich durch Stand und Geld emporzuschwingen, und andere, ja am Ende sich selbst, zu überreden: er sei etwas. Was dem hof an Tugend abgeht, wird durch Pracht ersetzt, die zwar allerdings in einen zweideutigen Ruf geraten ist, indess, wenn sie sich des Kreuzes nicht schämt, etwas Augen- und Herzstärkendes bei sich führt. So ging es der Stadt aller Städte, dem Tempel aller Tempel und dem volk aller Völker. Woher kam es, dass das jüdische Volk sich auf die g o l d e n e n K ä l b e r seines T e m p e l s und seine E i n r i c h t u n g verliess, ohne Hand an das Werk einer m o r a l i s c h e n V e r b e s s e r u n g zu legen? Die Bosheit macht schwach, und die Schwäche macht boshaft. Ein Mann, der sich bewusst ist, Mann zu sein, pflegt so wenig in Härte, als in Eigendünkel auszuarten: er geht dem kind aus dem Wege. Kleine Leute dagegen sind schon böse, weil sie klein sind. Sie schlagen Wellen, um eine Fliege zu erseufen, und brauchen einen Orkan, um ein Vergissmeinnicht zu entblättern. Niemand ist zu tadeln, weil er das ist, was er ist, sondern weil er das n i c h t ist, wofür er gehalten sein will. Was war das jüdische Volk, und was wollte es sein? Ein tief verderbtes Volk, das zu diesem sauren Wein den Kranz aushängte: V o l k G o t t e s . Ob sich nun gleich fast mit Gewissheit annehmen lässt, dass Adam, der erste Mensch, ein Christ gewesen sei, indem erst Abraham sich beschnitt, und die Juden sich seine Kinder nennen (wogegen Christus der zweite Adam genannt wird von Rechtswegen), so hatte doch diess Tempelvolk, von Abraham, der den ersten Tempel baute, bis auf die Zerstörung Jerusalems, Männer unter sich, die es zur Tapferkeit und zur Tugend aufmunterten. Kleinheit und Unlauterkeit waren ihm indess zur andern natur geworden. Da diess Volk sich so tief herabgebracht hatte, dass seine Obersten Heuchler, Niederträchtige, Elende waren, die nicht einmal die Kraft besassen, ächte Bösewichter zu sein, so dass auch Christus der Herr einen einzigen braven, mannhaften Kerl von Sünder, der schon seiner natur nach der Busse weit näher ist, für neunundneunzig solche jüdische heuchlerische Schelme geben wollte; – was konnte anders als der Untergang desselben erfolgen? und zwar ein solcher, dass sogar die Türken, ein noch weit elenderes Volk, Jerusalem besitzen, wovon ich heute das Memento mori in aller Kürze zu publiciren in dem Herrn entschlossen bin, und zwar so in Tat und Kraft, dass man nicht hören, sondern sehen wird.
Wenn ich mein ganzes Leben hindurch über meinen Kreuz- und Querzügen gebrütet hätte – würde wohl ein Küchlein herausgebracht sein, das dieser gackelnden Henne das W a s s e r reichen könnte?
Als sich die Zeit nahte, dass Gott über Jerusalem und das jüdische Volk den endlichen Zorn wollte ergehen lassen, wie die Propheten und der Herr Christus selbst ihnen gedräuet und zuvor gesagt hatten, sind diese nachfolgenden Zeichen vorhergegangen.
Es ist am Himmel ein Komet gesehen, wie ein Schwert gestaltet, welcher ein ganzes Jahr über der Stadt gestanden und von jedermann gesehen worden. Item, eben in den Tagen der gesäuerten Brode, am achten Tage des Monats April, um 9 Uhr in der Nacht, ist bei dem Altar im Tempel ein solch hellglänzendes Licht erschienen, dass jedermann gemeint, es wäre Tag. Item, ein ehernes grosses starkes Tor am inneren Tempel, daran zwanzig Männer heben mussten, wenn man es auftun wollte, welches mit starken eisernen Schlössern und Riegeln verwahrt war, hat sich um die sechste Nachtstunde selbst ausgetan. (Das Wörtlein Item ward vom Ritter und seinem ganzen haus, mit Ausschluss des Schneidersohns, der es, obgleich er Sekundaner war, bleiben lassen musste, inbrünstig wiederholt.) Item, auf den einundzwanzigsten Tag Judä hat man gesehen in der Luft und Wolken an vielen Orten des himmels Wagen schweben und wie eine grosse Rüstung von Reitern und Knechten in den Wolken zusammenziehen und sich schlagen in der Nacht. (Der Ritter wich dem Schlagen wohlbedächtig aus, und hallte bloss nach: in der Nacht.) Item, vor dem Pfingsttage, als die Priester einwendig haben wollen bereiten was zum fest gehört, haben sie ein grosses Gepolter und darnach eine stimme gehört, welche gerufen hat: L a s s e t u n s v o n h i n n e n w e g z i e h e n . (Diese Worte wurden mit aufgehobenen Händen nachgesprochen und von der ganzen Gemeinde wiederholt. Der Hofmeister blieb mit seinem Tenor nicht zurück. Der Prediger hielt eine ganze Weile inne, und fing, als ob er das ritterliche Haus und die ganze Gemeinde bäte, von ihrem Vorsatz abzustehen, in einschmeichelndem Tone an:) Wiewohl etliche sagen, das sei geschehen zur Zeit, da der Vorhang im Tempel unter Christi Leiden zerrissen ist. Item, es ist ein Mensch gewesen, Jesus, genannt Ananias, eines gemeinen Mannes Sohn, selbiger, als er ist gegen Jerusalem kommen, auf das fest Laubrüst, hat aus einem besonderen heftigen Geist geschrien: O, ein Geschrei vom Morgen!