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dünkten sich schon Alexanders zu sein, wenn sie wie er den Kopf schief trugen. – O der Kleinheit!

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Christi Advent in der Welt war arm und dürftig. Maria und Joseph lebten kümmerlich. Sein Geburtsort hiess Betlehem. Sein Evangelium sollte der Armut gepredigt werden, um sie reich oder beglückt zu machen. Hirten waren die Herolde seiner Geburt, seine Wiege eine Krippe.

An seine Lehrer wird nicht gedacht. – Schon im zwölften Jahre zeigte er im Tempel, wess Geisteskind er sei, ohne den Bucephalus zu überwältigen.

Er erniedrigte sich, nannte sich d e s M e n s c h e n S o h n , der nicht kommen wäre, dass er bedient würde, sondern dass er diene.

Seine Ehre suchte er nicht bei Menschen, sondern bei Gott und seinem Gewissen. Nach seinem tod hat der heilige Geist seiner Lehre die Erde erobert. So hiess es mit Recht von Cato, dass er dem staat nützlicher gewesen sei, als Scipio. Dieser war Held und Sieger der römischen Feinde; jener bekriegte die römischen Sitten.

Er war ein geistlicher König, der es nicht auf Sklaverei, sondern auf Freiheit bei der Menschheit anlegte, und sie in vieler Rücksicht schon wirklich frei machte; und noch ist nicht erschienen, was wir sein können und sein werden!

Seine Feinde waren nicht die Mohnkörner des Darius'schen Heeres, sondern die Sünde! Sie war das persische Reich, das er zerstörteum Leben und unvergängliches Wesen der Tugend und Gottgefälligkeit ans Licht zu bringen.

Er vergoss nur Tränen der Menschheit und Freundschaft bei dem grab des Lazarus, und Tränen der Grossmut und des edlen Mitleidens, weil die Menschen, und besonders die Juden, die Finsterniss mehr liebten, als das Licht; denn ihre Werke waren böse.

Gern hätte er das Licht der Wahrheit zuerst in Judäa angezündet; es blieb aber vor den Augen der Juden verborgen.

Im dreissigsten Jahre trat er als öffentlicher Lehrer auf. Zwar lehrte er nur drei Jahre; doch ist die Welt durch ihn so belehrt, dass noch jedes philosophische und politische System sein Vorbild im Evangelio suchet und findet.

Jerusalem tödtete ihn.

Er hatte nicht, wo er sein Haupt hinlegte.

Seine zwölf Jünger nahm er aus der Klasse des gemeinen Mannes, und erwarb sich keinen Phalaux durch Weltweisen. – Er liebte seine Jünger und seine Freunde bis in den Tod, vergab seinen Feinden, und lehrte sie lieben und sie segnen, um Kinder Gottes zu sein, dessen Sonne aufgehet über Böse und Gute, und der regnen lässt über Gerechte und Ungerechte. – Sie wissen nicht, sagte er von seinen Feinden, was sie tun. Seinen Liebling Petrus, den eine Magd aus der Fassung brachte, ob er es gleich kurz vorher mit Malchus, dem Knechte des damaligen Hohenpriesters, anband, sah er nach einer dreimaligen Verläugnung an; und dieser ging hinausund weinte bitterlich.

Hätten Se. Heiligkeit nicht wohlgetan, sich einen andern Jünger, als den P e t r u s , zum Stammvater zu wählen? Ich hätte den J o h a n n e s vorgeschlagen.

Er suchte nicht eigene Ehre, sondern die Ehre seines himmlischen Vaters. Alle Menschen wollte er zu Gottes Kindern erhöhen; und nach der Kinderlehre seines Evangeliums sind alle Gottes Kinder, die in guten Werken trachten nach dem ewigen Leben.

Sein Mut war gross. Seinem Verräter, einem aus den Zwölfen, ging er mit den göttlich-grossen Worten entgegen: Ich bin's. Dem Petrus gebot er, sein Schwert in die Scheide zu stecken.

Er starb den schmählichsten Tod des Kreuzes, und nichts ging ihm so nahe, als sein so grosses Werk, das aber nicht starb, sondern auferstand, und dessen Geist er dem geist der Geister empfahl!

Das alte Testament sah er als Hieroglyphen an, als Schattenbilder, die er begeisterte. Reine Tugend war seine Lehre; das Herz, die i n n e r e G e s i n n u n g , seine Forderung an die Menschen, und Vollkommenheit sein Ziel! –

"Trachtet am ersten nach dem Reiche Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, nach Vollkommenheit; und alles andere wird euch zufallen," war sein politisches System, das die probe der Anweisung entielt, zu geben dem Kaiser was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist!

Seine Lehre von der Vorsehung: S e h e t d i e L i l i e n a u f d e m F e l d e – und von der andern Welt, nach welcher wir durch den zeitlichen Tod nicht auf ewig sterben, wickeln alle Knoten auf, die er nie gewaltsam zerschlug, sondern menschenfreundlich lösete. Wenn ein Kollegium von Gott und Menschen über den Menschen richten sollen, es hätte gerichtet wie Christus. – Selbst die spitzfindigsten fragen, die eine gerade Abweisung verdienten, beantwortete er auf Kosten des Fragenden.

Nicht mit Verheissungen hoher Ehrenstellen, sondern mit der Verkündigung, dass man sie behandeln würde, wie ihn, sandte er seine Zwölfe in alle Welt, um sein Evangelium auszubreiten! Er wusste seine Schicksale, übernahm sie mutig, und starb getrost, um ewig in seiner Lehre zu leben; und s i e – von den Toden der Missverständnisse, der Zusätze und falschen Erklärungen erwecktstirbt hinfort nimmer. Halleluja!

In einem a n d e r n J a h r e wandelte