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t ü b e r w i n d e r ! aber wie verschieden!

Alexander weinte, da man ihm nach dem Lehrbegriffe des Demokritus bewies, dass es unzählige Welten gebe, weil er noch nicht der Herr einer einzigen zu sein die Ehre hatte. Wohl dir, Weltüberwinder, dass du nicht zu Herschel's Zeit lebtest! wie klein hätte dir das Sandkorn eingeleuchtet, auf welchem du den Grossen spieltest, und ihn nur sehr klein machtest! – Auch vergoss er Tränen in seiner Jugend, wenn sein Herr Vater mit seinen Potsdamern siegte, weil er besorgte, es würde nichts weiter für seine Grossmächtigkeit übrig bleiben.

Nur mit Königen wollte Alexander als Jüngling wettlaufen. Sein Reich war von dieser Welt. Zwar sah er es gern, dass Raketen seines Ruhms in seinem kleinen Geburtsstaate aufstiegen, und dass man hier in den Zeitungen v o n s e i n e n T h a t e n l a s ; doch war sein Plan auf die ganze Welt angelegt, die er nicht befreien, sondern unterjochen wollte.

Sein Geschlecht war fürstlich, sein Lehrer ein grosser und feiner Kopf. Wiegt beide ab Seht, wie Aristoteles Schale sinkt, und Alexanders Schale steigt! seht! – Doch suchte Alexander, mit seiner Abkunft, kraft deren er des Aristoteles Schüler ward, und mit seiner Menschheit unzufrieden, sich eine Gotteit zu erkaufen.

Sind diess Resultate der Aristotelischen Philosophie?

Seine Logik war in seinem Stolze, so wie viele sie im Magen haben. O, des kleinstädtischen Toren! des Gottes, der, zügelloser Leidenschaften halber, bei weitem nicht den Namen M e n s c h verdiente, und der im zweiunddreissigsten Jahre starb, ohne gelebt zu haben!

Er wollte im Leben Ruhm und Ehre ernten; doch fallen Ruhm und Ehre keinem wirklich grossen Mann im Leben zu: nach dem tod wird diese Saat reif. Edle Menschen bitten, wie Buttler, um B r o d , und man gibt ihnen einen S t e i n . Nur durch Hindernisse, Unterdrückung und Leiden werden Menschen gross. Sind Titel und Bänder und Ehrenstellen mehr als Schminke, um kleine Seelen zu gewinnen und zu verführen?

Er ward an eben dem Tage geboren, an welchem Herostrat den Tempel der Diana in Ephesus, dessen Apostelgeschichte 19. gedacht wird, in Brand steckte, um sich unsterblich zu machen. Schmeichler nahmen sich die erlaubnis, zu behaupten, Diana hätte der Olympias, der Frau Mutter Alexanders, als weise Frau gedient. – War Alexander mehr als ein Welt-Herostrat? und konnte sein Geburtstag durch eine bessere Tat bezeichnet werden? Ich bin in Versuchung, sie Patengeschenk zu nennen. – Man sagt, die Epheser hätten, um Herostrats Absicht zu vereiteln, im Criminalurteil festgesetzt, wer ihn nennen würde, sollte mit dem tod bestraft werden. Welche Schwäche! Sie scheint wohl von jeher das Erbteil der Richterstühle gewesen zu sein. Jene Richter zu Ephesus liegen im tiefsten Todesschlummer, ohne dass ein Mensch ihren Namen weiss, da hingegen Herostrat noch jetzt genannt wird.

Alexander war im zwanzigsten Jahre König über Griechenland. – Er zerhieb den gordischen Knoten, anstatt ihn zu lösen.

Er erwiderte dem Darius seinen Sack voll Mohnsamen mit einem Säcklein Pfefferkörner, zum Beweise, dass nicht die Zahl, sondern die Würde es ausmache.

Er eroberte Jerusalem; – da ihm aber der Hohepriester und die hochwohlehrwürdige Priesterschaar entgegen kam, zerteilten sich die Donnerwolken und der Würgengel ging vorüber.

Er erstach den Generallieutenant Klitus, der nicht nur seinem Königlichen Herrn Vater Philippus alleruntertänigst treugehorsamste Dienste geleistet, sondern auch dem Alexander das Leben gerettet hatte. Warum? Weil Klitus nicht schmeicheln konnte! – Auch war Alexander voll süssen Weins.

Diogenes verlangte nichts mehr von Alexandern, als dass er ihm die Sonne nicht vertreten möchte. War es Wunder, da Alexander der Knecht der Knechte des Diogenes war, der Leidenschaften, über welche Diogenes zum Alexander geworden?

Er wollte bloss erobern; nähere Verbindung der Nationen unter sich lag ausser den Grenzen seines Plans. Er war einer der stärksten Egoisten, die bei dem Geräusch, alles getan zu habennichts tun. – Sein Gebet an den Ufern des Ganges, dass kein Mensch nach ihm die Grenzen seiner Eroberungen überschreiten möchte, ist dem Verdruss angemessen, den er äusserte, als Aristoteles seine Philosophie durch Schriften verbreitete. Nur e r a l l e i n wollte die Ehre haben, Aristoteles Schüler zu sein.

Seine Verschwendung war grenzenlos Olympias warnte ihn, seine Freunde nicht durch seine Verschwendung zu Königen zu erheben, weil er dadurch Freunde verlöre und Könige gewönne. Kann man schlechter spielen?

Er ward tyrannisch und ein Feind seiner Freunde und Spiessgesellen; heiratete des Darius Tochter, wogegen sich nichts sagen lässt.

So wie sein Reich von dieser Welt war, so ging es auch wieder in alle Welt.

Dem alten Testamente der heidnischen Vorwelt erwies er grosse Ehrerbietung; Homers Gedichte geleiteten ihn auf seinen Wegen und Stegen.

Ehe er Griechenland verliess, wollte er zu Delphi sich seine Schicksale verkündigen lassen. Die Priesterin verbat den Auftrag, und als Alexander sie mit Gewalt in den Tempel stiess, rief sie: "Sohn! dir kann niemand widerstehen!" Gut, rief Alexander, ich weiss jetzt mein Orakel.

Er wollte durchaus ein Gott sein und verfolgte die, welche ihn nicht anbetetenEr, Aristoteles Schüler; Philipps Sohn!

Alexander fand Nachahmer, die der Menschheit unmenschlich gefährlich waren. Viele