, d a i s t e s , d o r t i s t e s , nachzulaufen, entsteht aus diesem sonderbaren Misstrauen in sich selbst, und dem grösseren Zutrauen zu andern.
Wer von meinen Lesern sich überredete, der Blitzund Knall- und Türvorfall habe die Dämmerungen auf immer verscheucht, irrte sich. Schon den andern Tag ward der abgerissene Faden angeknüpft. Man schien, ohne vorher getroffene Verabredung, entschlossen, sich durch nichts weder zur Rechten noch zur Linken bringen zu lassen, und nach diesen Entschlüssen fing der Ritter keck an, wie folgt:
Der Blinde hat keinen Begriff von der Farbe, und – warum Zurückhaltung? – wir keinen von Entkörperten. – Auch haben sie uns nicht zu befehlen! Guten Tag, guten Weg! Sind sie nicht an ihre Pflichten, so wie wir an die unsrigen, gebunden? – Gott und das Gewissen, o d e r w i r s e l b s t , haben uns zu befehlen – sonst nichts, es sei, was es sei. – Wer wollte sich vor Unsichtbaren fürchten? wer? Er schwieg, und ein Schauder ergriff alle. – Warum er stockte, weiss ich nicht; wohl aber kann ich es verbürgen, dass er nicht glauben wollte, und doch glaubte. – Ich läugne nicht, fuhr der Ritter nach dieser stummen Scene fort, den Seelenanklang, die elektrischen Funken der Geister; was aber diese Phänomene sind – wer kann das ergründen? Wir wissen nicht, was wir sein werden, und ich verlange es auch nicht zu wissen. – kommt Zeit, kommt Rat, kommt Ewigkeit, kommt Rat. Ein Körper würde dort uns zu schwer sein, und selten bleibt man ohne Hauptflüsse, wenn man bekörpert ist. Wird das Kleid der abgeschiedenen Geister im Schattenreich, in der Breite und Länge von den Leibern unterschieden sein, die wir diesseits als wahre Dalmatiken tragen?
Noch einmal! lasst uns nicht die Unsichtbaren fürchten; sie sind unsre Mitgeister. Doch lieben können wir sie. Liebe ist das Hauptwort der andern Welt, weil Glaube und Hoffnung sich dort im Genuss und Schauen verlieren werden. Lasst mich, Geliebte meiner Seele, noch mehr von dieser Liebe mit euch lallen!
Gewinnsucht ist das wasser, welches das Feuer der Liebe bis zum letzten Funken auslöscht. Die eigentliche Liebe ist Seelenliebe; sobald Fleisch und Blut teil daran nehmen, ist sie nicht mehr Liebe. Selbst in der heiligen Ehe, wo Fleisch und Blut sich ihre stimme nicht nehmen lassen, muss der Geist wider das Fleisch gelüsten, wenn die Ehe sein soll, wie die unsrige ist, die unsrige, liebe Sophie, wo wir in dem Sinne, den wir beide wissen, Fleisch und Blut kreuzigen sammt den unzeitigen Lüsten und Begierden. Verstärken nicht Abwesenheit und Entaltsamkeit die Liebe? Aller Besitz schwächt das Vergnügen, der Besitz in der Liebe besonders; er ist ein Mordbrenner. Die Liebe muss Widerstand haben. – Wenn ich je Mut hatte mich zu balgen, so war es als ich dein Liebhaber war, ob sich gleich keine gelegenheit zum Schlagen fand; wofür Gott gepriesen sei! Der Nachbar, der jetzt unser erwünschter Schuldner ist, konnte, wenn er gleich aus Amalfi gewesen wäre, sich Subordinations halber keine Ausforderung herausnehmen; und glaube mir, Leute, die so viel Geld besitzen, haben, bei meiner armen Seele! kein Herz. – Ohne Hinderniss ist keine Liebe. Seht da, worin die geistige Liebe die gemeine, die gemischte Liebe übertrifft! Unsre Schulmänner, von deren Art der Schneiderssohn auch sein teil besitzt, behaupten: man könne Gott nicht lieben, weil die Liebe ein Opfer wolle, und weil er unsichtbar ist. O, der Naseweisheit! Will die Liebe denn sehen? ist sie nicht blind? Und was das Opfer betrifft – bring' ich nicht Hekatomben Gott dem Herrn, wenn ich mich selbst überwinde? Ist es nicht, als lösten wir unser Wesen in reinster Liebe Gottes auf – wenn wir edel und gross handeln? – Fliessen nicht in diesen seelerhebenden Lagen Tränen, weil uns verlangt, immer edel und gross zu sein – und weil wir es nicht sein können? Ist durchaus gegenseitiges Opfer bei der Liebe nötig, so ist es eine Art von Opfer, dass Gott den menschenmöglichen Eifer, vollkommen zu werden, dass er den reinen W i l l e n für reines V o l l b r i n g e n ansieht. – Liebe gegen Gott und Gottes gegen uns ist von besonderer Art; und warum hier eine andere Sprache, als die uns so wohl tut und geläufig ist? – Ist sie kindlich; immerhin! – Können wir diesseits die Kinderschuhe ausziehen? – Es ist noch die Frage, ob wir sie in der n ä c h s t e n a n d e r n Welt ausziehen werden; und doch – können wir es wagen zu behaupten, dass wir göttlichen Geschlechts sind, dass wir in i h m l e b e n , w e b e n und s i n d ! Du rufst die Unsichtbaren an, e d l e R i t t e r i n ! Was für Heil aber können sie diesem haus widerfahren lassen, das, Gottlob! schon genug gekreuzet und gesegnet ist? Können sie deinen Vater zum Edelmann und deinen Sohn zum Johanniterritter erheben? Vielleicht ist es gut, dass wir mit der andern Welt in keiner Verbindung