zu gross, so lasst mir meine Mutter, meinen Vater oder das Freitisch-fräulein erscheinen, damit ich über so manche Erden-Hieroglyphen Licht erhalte – und vom Ende vom lied, vom Ziel meiner Erdenpilgerschaft, vom himmlischen Jerusalem. – Bin ich zu kühn in meinen Wünschen? Begehr' ich eine Gotterscheinung? Schon eine Erscheinung meiner Lieben wird mich befriedigen, meiner Lieben – die ich, als sie hier wallten, verstand, ehe sie sprachen, deren Gedanken ich von fern kannte, und deren Innerstes ich erriet. Nur Gedanken möchte' ich mit ihnen wechseln, nicht Worte – nicht Blicke –; nur Gedanken! – Dann wäre das h e i l i g e G r a b , das in der Vorzeit so viele treffliche Menschen zu Licht und Leben brachte, das uns in diesen Dämmerungen begeisterte, eine Pforte des himmels geworden, uns und allen, deren Licht der Hoffnung im grab nicht erlischt; dann wäre mir die Pilgerschaft dieses Lebens erleichtert. Halleluja!
K i n d , unterbrach der Ritter seine Gemahlin, ich kann zu deinem Halleluja kein Amen sprechen! Lass ab von deinen Bitten, wodurch man nur niedere Seelen fesselt! Ergebung ist der Ton der Menschen, auf den unser Geist gestimmt ist. Die Wollüste der Geister sind geheim, so wie die Wollust der Liebe, die vom Himmel strömt. Wahre Liebe ist ein unsichtbares Band, seiner noch als unsre Nerven, die Lautensaiten in uns, auf denen die Unsichtbaren zuweilen spielen, welche aber, wie Virtuosen, nicht immer dazu aufgelegt sind. – Wie anlockend! Oft schlugen sie auch hier, während meiner Vorlesung, einen Triller, machten eine Bebung, und dafür Dank! – Was du recht liebst, ist nicht das, was du siehest, sondern das, was du nicht siehest: das Bild, das du dir von dem gegenstand deiner Liebe abziehst, und von welchem oft der Maler in seiner Begeisterung einen Zug erhascht und trifft, der dich so hinreisst, als sähest du deinen eigenen Geist, bald hätt' ich gesagt leibhaftig! Was soll die Einladung der Himmlischen? – so lass uns die Unsichtbaren nennen, die Verwandten des Geistes, der in uns ist, mit denen wir G e d a n k e n unh T h a t e n (die hohe Sprache der Geister) w e c h s e l n , wenn wir g u t sind. Wir sind Geist von einem Geist. – Gott spricht, das heisst: Gott schafft. – So oft wir uns zu den Vollendeten erheben, so oft lassen sie sich zu uns herab. – – H i e r f i e l schnell ein Blitz; ein heftiger Knall folgte, und plötzlich flog die T h ü r e a u f . Man sprang auf. Grauen und Entsetzen überfiel alle (die Ritterin ausgenommen, d e r e n Gewissen gewiss und wahrhaftig bes t a n d i n d e r W a h r h e i t ) und jedes hatte, ohne zu wissen wie und warum, die hände gefaltet. – Die Dämmerung war zu Ende, man schlich sich ohne Amen, nach etwa dreimal neun Minuten sinnloser Betäubung, davon und hatte das Herz nicht, ein Wort über das, was so eben vor aller Augen vorgegangen war, zu wagen; ich glaube, man getraute sich nicht daran zu denken. – Unser Held entfaltete seine hände zuerst, ging hin und machte die aufgesprungene Flügeltüre zu, aber so leise, dass, wenn wirklich etwas über- oder Unterirdisches sie geöffnet hätte, dieses Etwas es nicht übel genommen haben würde.
"wunderbar!" Freilich wunderbar! noch wunder
barer indess, dass man der Ursache dieses B l i t z - , K n a l l - und T h ü r v o r f a l l s nicht im mindesten nachspürte, so dass er unerforscht blieb bis auf den heutigen Tag. – Warum sollte denn ein Geist mit Blitz und Knall erscheinen, und, wie regierende Herren, vor sich her Kanonen lösen lassen? Was kann einen Geist – dem es ein grösserer Vorzug sein würde, durch verschlossene Türen einzudringen – bewegen, Türen zu sprengen und seine Ankunft mit Geräusch zu bezeichnen, das man am wenigsten in der Geisterwelt, die sich leider! so still hält, vermuten kann?
Vater und Mutter umarmten ihren Sohn herzlich, sobald sie aus der Dämmerung zum Licht gekommen waren; und er, edel unbefangen, so dass er diese Umarmung nicht deuten konnte – wird er bei denen von seinen und meinen Lesern gewinnen, die ihn wegen seiner vielen Nottaufen von so verschiedener Art verkannten? Neunmal neun gegen Eins, viele seiner Verkenner hätten die Flügeltüren weit offen gelassen! weit!
Erst jetzt befragten Ritter und Ritterin sich unter einander wiewohl heimlich, und zum ersten- und letztenmal, was jedes gesehen hätte? Beide erwiederten sich, ausser dem Blitz und der geöffneten Tür nichts gesehen, und ausser dem Knall nichts gehört zu haben; doch glaubte keines dem andern! Jedes bildete sich ein, dem andern sei mehr erschienen. – Brannten nicht unsere Herzen? fing der Ritter an. Waren nicht unsere Zungen feurig? erwiderte die Ritterin. Bloss in dergleichen Dingen haben die Menschen immer mehr Zutrauen zu andern, als zu sich; und der Hang, jedem Irrlichte von Orden, jedem: h i e r i s t e s