im Kriege tot zu schlagen und sich tot schlagen zu lassen; als in welche Klasse er zu seiner Zeit den Hofmeister anzuwerben nicht abgeneigt schien, der indess sich leicht auf Secunda schwingen könne. Diesem heiligen D r e i fügte er noch Eins (überhaupt waren ihm die D r e i e n sehr geläufig) hinzu, indem er die Ordensregel die Regula de tri nannte, welche der Orden sich eigen gemacht, nachdem er zuvor seine Rechnung bloss nach den gemeinen fünf Speciebus geführt hätte. Und nun liess sich unser Ritter in Malta bei dem Grossmeister (er nannte ihn G r o ss h e r r n ) melden, wünschte ihm eine frohe Abenddämmerung und condolirte von Herzen, dass Se. Allerhöchstwürden G r o ss m e i s t e r des Hospitals zu St. Jerusalem hiessen, obgleich Jerusalem, wiewohl bloss wegen der gräulichen Sünden der Juden, sich noch jetzt in türkischen Händen befände, und dass er den erhabenen Namen G u a r d i a n d e r A r m e e n J e s u C h r i s t i führe, wenn nicht schon bekannt sei, ob, wo, und in wie weit nur eine einzige von diesen Armeen, die himmlischen Heerschaaren ausgenommen, ein Lager aufgeschlagen habe.
Die neue Ordensgeschichte hätte der Ritter gern für alte verkauft; er war dabei so kleinlaut, dass er bei den acht Zungen, Sprachen und Nationen, in die der Orden pfingstfestlich, wie der Ritter sich ausdrückte, verteilt ist, seine Sprache verlor und das Collegium nicht endete, sondern brach, welches wohl vorzüglich auf die Rechnung des Gastes gehörte, die zehn Pastores völlig zu berichtigen nicht im stand waren. Simonides sagte, er sei öfters mit sich unzufrieden gewesen, wenn er geredet, aber nie, wenn er geschwiegen habe. – Ich, fügte der Ritter hinzu, umgekehrt.
Damit indess alles seine Art hätte (wofür der Ritter sehr war), und unser Held in eine lebendige Sache geführt werden, und eine Experimentalgeschichte, wie der Ritter es hiess, pragmatisch und praktisch lernen möchte, so liess er von dem Vater des Hofmeisters verschiedene sehr prächtige Kleider entwerfen, als da sind: ein rotes Oberkleid in Gestalt einer Dalmatica, welches die Ritter zur Zeit des Krieges (den Gott in Gnaden abwenden wolle!) über ihrem Kleide trugen. Dieser Ueberrock war vorn und hinten mit einem breiten Kreuze verziert. Nach der Kriegszeit (die Gott in Gnaden abwenden wolle!) war die Friedenszeit (die Gott in Gnaden zuwenden wolle!) zu sehen in Gestalt eines langen schwarzen Leichenmantels. Beide Stücke wurden so gelegt, dass sich auf der linken Seite das achtspitzige weisse Leinwandzeug zeigte. Das goldene Kreuz, welches die Ritter an einem schmalen schwarzen Bande auf der Brust trugen, lag nicht minder auf diesem castro doloris, und stach in der Abenddämmerung so trefflich ab, dass die Ritterin ihren Mann a b l ö s t e , wie ein junger Adler sich über sich selbst schwang und, ohne dass an die Unsichtbaren gedacht ward (auf die Fingerlein sah sie nicht), v o l l k ü h ner Phantasie und Diction sie also a n r e d e t e : O ihr, die ihr neugierige (nicht aber wissbegierige) Weiber und ungetreue Männer flieht, und nur wohnt bei denen, die nicht sehen und doch glauben! Wenn es wahr ist, dass ihr in der Dämmerung gern ungesehen unter Menschen wandelt und bei aller eurer Behutsamkeit es doch nicht hindern könnt, dass ein heiliger Schauer uns eure Gegenwart verkündigt – hört und antwortet uns im heiligen Schauer, als der Sprache der Unsichtbaren! Haben diese Dämmerungsvorlesungen und diese ausgebreiteten Kleider, die, ob ich gleich den Schneider kenne, der sie gemacht hat, weil er der Vater unseres Hofmeisters ist, nicht etwas Seelenerhebendes in sich? – Von Fingerlein kann ich mir keinen Begriff machen, wohl aber von guten Geistern, die Gott den Herrn loben, und Kinder und Pilgrime geleiten, bis wir zur Stadt Gottes kommen, wo wir, mit weissen Kleidern angetan, für Ritterpflicht Ritterlohn empfahen werden – Amen! – Nach Eldorado, sagte der Ritter – Nach Eldorado, das unter der Erde ist.
Konnten euch, fuhr sie fort, o ihr Unsichtbaren! diese Kleider und unsere Dämmerungsvorlesuugen nicht rühren, ob sie gleich mir fast das Herz abstiessen – o! so rühre euch meine Rührung! Wüsstet ihr, wie gern ich einen von euch, fromme und selige Schatten, sehen möchte, wie sehr ich euch liebe und ehre (verzeiht mir diese Ausdrücke, weil ich nicht anders als menschlich zu reden verstehe), ihr würdet, da ich gern auf Gegenehre Verzicht tue, mir Liebe schenken. Neigung ist der Gegenneigung wert. – Mein Herz verdammt mich nicht. Engel! Geister! Selige! oder wie ihr sonst heisst, Schatten mag ich euch nicht nennen, und glaubt (wenn zu diesen Erdenworten euch nicht aller Begriff fehlt), glaubt, eure Erscheinungen werden mich nicht schrecken. – Mögen die zittern, d e r e n G e w i s s e n n i c h t b e s t e h e t i n d e r W a h r h e i t . – Ist es möglich, so wünschte ich einen jener trefflichen Ritter der Vorwelt, versteht sich in Begleitung seiner Ritterin, zu sehen; und ist diese Bitte