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es dem ritterlichen Vater mit und ohne Assistenz des Hofmeisters ab, dass er seinen Worten durch Ernst und Würde (ein Privilegium de non appellando) das letzte Entscheidungsrecht beilegen und seinen Schülern das Opium der Unfehlbarkeit bei seinen Erzählungen eingeben wollte.

"Im eilften Jahrhundert," fing sich eine Dämmerung an, "wünschten Kaufleute aus der Stadt Amalfi im Königreich Neapolis, welche in Syrien Verkehr trieben und bei dieser gelegenheit die heiligen Oerter in Jerusalem besuchten, hier eine Kirche zu haben." Die gnädige Frau sowohl, als unser Held fanden bei so bewandten Umständen die Feuerahnenprobe des Ordens ungerecht, und beide forderten Satisfaction vom Orden wegen dieser Strenge, und von der Familie wegen der Firmelung, wenn sie gleich mit wohlriechendem wasser an ihnen vollbracht war. Indess konnten sie von wegen der Gestrengigkeit des Ritters nicht aufkommen; vielmehr sahen sie sich in den Umständen, sich bloss mit Husten oder Protestiren (welches der juristische Husten ist) zu behelfen. So sang der Judenbekehrer S t e p h a n S c h u l z (vulgo S a n f t m u t h S i e g e t ) zu Rom in der Peterskirche das Luterische Siegeslied: E i n ' f e s t e B u r g ist unser Gott, ein' gute Wehr und Waffen.

"Da Betrug und Handel," fuhr der gestrenge Ritter fort, "wie Haken und Oehse, wie Nagel und Wand, wie Mann und Weib verbunden sind, so wollten diese E m s i g e n , diese N a c h b a r n , um das Gewissen zu beruhigen, den Zehnten dem lieben Gott ablegen; obgleich diese Zehn von den Hunderten, welche auf Kosten des armen nächsten genommen waren, dem lieben Gott, der nur reine Tiere zum Opfer verlangt, unmöglich ein süsser Geruch sein konnten. (Weder Mutter noch Sohn husteten.) Der damalige Kalif in Aegypten, Almansor von Muftasaph, ward gewonnen (der Ritter setzte kannengiesserlich hinzu: man könne wohl raten, wodurch –) und gab sein fiat wie gebeten zum Bau einer Kirche in der Stadt Jerusalem. Wenn nun gleich die Herren E m s i g e n und N a c h b a r n es mit dem sechsten Gebot, das weder auf wasser- noch auf Landreisen zu gehen pflegt, genau nicht so nehmen konnten, da sie beständig unterwegs waren, wollten sie doch, dass ihre zurückgebliebenen Weiber demselben strikte Observanz leisten sollten. Um nun dieses Glückes teilhaftig zu werden, widmeten sie die Kirche der heiligen Jungfrau; und damit es weder ihnen noch andern Pilgern an guter Aufnahme und an den Exceptionen vom sechsten Gebote fehlte, erbauten sie neben dieser Kirche ein Gastaus oder Kloster, worin sie Benedictiner zu Wirten machten. Wollte Gott, dass unsere Gastwirte, die alle eine Art von Benedictinern sind, nicht bloss sich, sondern auch ihre Gäste, da sie das Kreuz in Händen haben, segnen möchten! Auf meiner Reise nach Sonnenburgblieb mir dieser sowohl als vieler andere Segen aus, den ich indess dem Gast auf Erden, unserm lieben Vetter, hiermit reichlich anwünsche, so wenig er ihn auch am Orden verdient."

Ist je etwas im stand, die Einbildungskraft bis zum höchsten Gipfel zu treiben, so ist es der Pilgerstand. Vier Dämmerungen ging man bei diesen Benedictinern aus und ein, und liess es sich mit den andern Pilgrimen herzlich wohl sein. Der Ritter ergriff diese gelegenheit, den Kaufmannsstand in Rücksicht des obigen Hustens in integrum zu restituiren, und erlaubte dem S c h u l d n e r N a c h b a r , ob er gleich nicht aus Amalfi war, sich ohne Umstände zu Tische zu setzen und es sich wohl schmecken zu lassen. Eine Hand wäscht die andere. Die Zinsen fielen auf die Minute; der Ritter wusste, woran er war, und konnte ungestört und mit Ehren, ohne einen Schritt aus dem haus zu tun, gegen Jerusalem reisen, und den NachSchon gleich bei der Anlage der Congregation des Ob nun gleich dem Ritter keine verschmelzenden W e s t e und B e i n k l e i d e r fänden, und dass jede Sache von Wichtigkeit drei Wörter in und zu ihren Diensten hätte. Durch dieses weite Portal des Eingangs kam er geradeswegs zu den drei Gelübden der A r m u t h , der K e u s c h h e i t und des G e h o r s a m s , und zu den drei Klassen, in welche Meister R a y m u n d d u P u y die Hospitaliten teilte.

Auf Prima, sagte der Ritter, sassen die Adeligen, welche er zur Verteidigung des heiligen Glaubens und zur Beschirmung der Pilgrime bestimmte. – Dass sich Gott erbarme! sagte die Ritterin, wiewohl in Gedanken, die den Worten zuweilen erlauben, aus der Schule zu laufen.

Auf Secunda, fuhr der Ritter nach einer Weile fort, sassen die Kapläne und Priester des Ordens zum Gottesdienste; denn wenn gleich die Ritter allerdings Geistliche sind, so können sie doch vom Adjectivo g e i s t l i c h das Substantivum R i t t e r nicht trennen. Sie richteten weltliche Sachen geistlich: – es waren N o t h t ä u f e r .

Auf Tertia sassen die Brüder Unteroffiziere und Gemeinen, die zwar unadelig waren, indess doch alle Fähigkeit hatten,