eine bessere Erziehung? würde' ich meinem Einzigen einen so wappenkundigen Führer zugesellen können, wenn meine Sophie mit dem Kleck mir nicht zu teil geworden wäre? Würden sie und mein Sohn in meinem haus gefirmelt sein, wenn ich nicht im stand gewesen wäre, den Senior und die vier Kastenassessores besser als Senior familiae zu bewirten? Freund, warum wollten wir auch etwas vertilgen, das sich schon mit der natur der Deutschen amalgamirt zu haben scheint? – wie der von der Nation angenommene Geheime Secretarius T a c i t u s fast zu schön bezeugt. – Hat sich nicht schon zwischen einem Edelmann schlechtweg und zwischen einem edlen und tatenreichen Edelmann ein Unterschied eingeschlichen, der niemals schwerer als in dieser letzten betrübten Zeit zu vertilgen war? Schon in der ersten goldenen Zeit des Adels finden wir von dieser conditione sine qua non, vom adeligen Verdienst, unverkennbare Spuren. F r a n z I., K ö n i g v o n F r a n k r e i c h , wollte die ritterliche Würde von niemanden anders als von B a y a r d , dem Chevalier sans peur et sans reproche, empfangen. Nannten nicht Fürsten und Könige die Ritter H e r r e n ? Machten sie sich nicht eine Ehre daraus, ausser der Würde der Regenten die Würde grosser, edler Menschen zu besitzen? Hohe Personen hiessen J u n k h e r r oder J u n k e r , so lange sie nicht R i t t e r waren; und gingen nicht Edelknechte, Knappen und Wappner Rittern zur Hand, wie Lehrlinge und Gesellen dem Vater des Hofmeisters und einem jeden ehrbaren Meister? Damals waren edle Taten zünftig. Diese Zünfte sind aufgehoben: wir sollen jetzt alle Virtuosen sein; aber leider! sind die echt edlen Taten mit jenen Tatenzünften zu gleicher Zeit verschwunden. Das Militär macht freilich auch noch jetzt eine kriegerische Zunft aus; allein ihre Gesellenund Meisterstücke sind nur selten edle Handlungen; – ihr Dienst wird nur durch Zufall alter Ritterdienst, und Don Quixote ist, wo nicht wirklich, so doch in der Anlage edler als manche Militär-Excellenz, welche kein Bedenken trägt, Menschen für Windmühlen anzusehen. Besolden wir nicht oft in unsern Legionen Staatsunterdrücker unter dem preiswürdigen Namen von Staatsbeschützern und Staatsverteidigern? – Die Soldaten bringen ihre angeworbenen Menschen unter das Mass; allein die Seele wird nicht gemessen. Ich wünschte nicht, dass mein A B C sich diesem stand widmete, ob es gleich wahre Zierden der Menschheit nicht nur unter Feldherrn und Offizieren, sondern auch unter dem gemeinen mann gibt. Die Kluft, die nicht nur zwischen M i l i t ä r und C i v i l , zwischen S o l d a t und B ü r g e r , sondern auch zwischen S o l d a t e n und M e n s c h e n befestigt ist – ist diese Kluft nicht unnatürlich? – Grosse Armeen bekriegen das Reich Gottes, und so lange diese sind, ist z u m H e i l der Welt sichere Aussicht? – – – Nach verschiedenen Evolutionen siegten die s t e h e n d e n A r m e e n ; und unser Ritter fing auf einem andern Wege an. – Ist es nicht gut zu spielen, eh' es zum Ernst kommt? zu lustkämpfen, ehe Blut vergossen wird? Das Spiel, Vetter, ist mir immer lehrreicher als der Ernst in der wirklichen Welt und selbst in Büchern. Sehen Sie hier zum frommen Andenken S c h w e r t , S p e e r , L a n z e , W u r f s p i e ss als die ehemaligen Trotz- und Angriffswaffen; S c h i l d , Helm, metallene Schuppen, Harnisch als Schutz- und Schirmrüstung! Ich bin ein Freund der alten K e r n - und S t e r n w o r t e , und würde gewiss den Ausdruck K r e b s , der nur unlängst aus der Mode gekommen ist, beibehalten haben, wenn nicht der wirkliche Krebs dieser Rüstung zum Muster gedient hätte, und wenn nicht soviel in der Welt und das alte ehrwürdige Ordensspiel selbst den Krebsgang eingeschlagen wäre. Wie gefallen Ihnen G ü r t e l , S p o r n e und v e r b l e c h t e H a n d s c h u h e ? Die Kreuzsammlung wird Ihrem strebenden Auge nicht entgangen sein. – Auch Spiel, aber ein ehrwürdiges, seel- und herzerhebendes – – –!
Man lasse doch alles lieber beim Alten, wenn man nichts besseres unterschieben kann. Ehe das heilige Gesetz, die unsichtbare Gotteit über Menschen die Oberherrschaft führen wird, ohne dass ein Hoherpriester ins Allerheiligste geht, werden noch tausend Jahre verlaufen. Die aufgeklärtesten, klügsten Völker konnten sich nicht ohne sichtbare Regenten behelfen, ohne etwas Eisen am Scepter und ohne Stab Aarons, der, wenn er mit Masse gebraucht wird, Staaten grünend und blühend macht. Und was ist besser: vom krummen oder geraden Stabe regiert zu werden, vom Knechte aller Knechte, der eines geringen Handwerkers Sohn sein und doch mit einer dreifachen Krone auf dem haupt und mit Pantoffeln an seinen Füssen prangen kann, oder vom Durchlauchtigen Herrn, vom Mut oder von der Furcht? – Freund, Mut ist ein herrliches Ding im Leben und im Sterben. Zöge der