kennen vielleicht meine achtung für Ihren Orden nicht. Alles, was ihr tut, ihr esset oder trinket, ihr seid Johanniterritter oder seid es nicht, ihr seid wer, und was ihr seid – tut alles zu Gottes Ehre, das heisst: zur Ehre der Menschheit, welche die Offenbarung Gottes im Fleisch und sein hergestelltes Ebenbild ist. – Der Stifter der christlichen Religion starb am Kreuz, weil ihm sein übermenschlich grosser Plan, die Menschen moralisch zu verbessern und ein allgemeines Reich Gottes zu stiften, nicht glückte; und die Johanniterritter tragen ein Kreuz, weil sie die gehörigen Ahnen und keinen Plan haben, die Menschen moralisch besser zu machen.
War unser Ritter zuvor zweifelhaft, so geriet er jetzt in böhmische Wälder. "Freund," fing er an, "wenn ich Sie nicht besser kennte, ich würde fürchten, der Neid flamme Sie zu dieser türkischen Härte gegen mein unschuldiges Kreuz an, das keinem Menschen Schaden und Leides getan hat, und mit Gottes hülfe auch nicht tun wird." Führt es nicht auch vom Kleinen zum Grossen, vom Ritter zum Commendator? Und ist es nicht gut, dass oft sinkende Familien dadurch gestützt und Häuser und Schlösser verwandelt werden, wenn gleich hier die Fingerlein keine wohnung aufschlagen? Lassen Sie uns doch die Würde des Adels nicht verkennen, Freund! der Menschen in superlativo! – So lange Deutschland Hochstifter und Ritterorden hat, wo 16 oder 32 wohlerwiesene Ahnen mehr gelten, als so viele wohlerwiesene Taten, sie bestehen nun in Schlachten, wodurch Tyrannen gestürzt, oder in Solonischen Gesetzen, wodurch tausendmal Tausend beglückt worden – was ist da zu machen? Ist denn das alte Herkommen durchaus verwerflich? Ich für meinen teil bin dem alten Testament sehr gewogen und trag' es in meinem Herzen. Sollten Türken mehr als Christen wissen, was man damit machen soll? Führten nicht viele von unserer Familie alttestamentliche Namen: Adam, Sem, Ham, Japhet –? Sollte der Adel nicht den heiligen Reliquien des Apollo, den Ruinen Roms und Griechenlands die Wage halten? – Hat die natur nicht selbst den Adel erschaffen und erhält sie ihn nicht noch? Menschen sind geborne Edelleute auf Erden durch Verstand und Willen. Vielleicht gibt es solche Edelleute nicht mehr im ganzen Weltall; und wenn Verstand und Wille sie unter allen Geschöpfen, von denen sie äusserlich so viel ähnliches haben, zu Edelleuten macht – warum sollten nicht durch vergrösserten Verstand, durch veredelten Willen es auch Menschen unter Menschen sein? Sind nicht Edelleute die Offiziere unter den Menschen? Und wenn es erst auf die Wahl ankommen soll, wer als Klügerer und Besserer ein Edelmann sei, so stirbt das meiste Gute unter den Händen, so ist ewiger Streit und gewiss noch grösserer Jammer und grösseres Elend unter den Sterblichen als jetzt. Ohne Autorität und ohne dass man die Knoten auf Erden entzweischlägt, bleiben sie ungelöst in Ewigkeit. – Wie viele N e p o s w o l l a m s werden der Edelmannswahl den Weg vertreten! Und kommt Verstand vor Jahren? Begeht nicht auch der Klügste und Beste so viele dumme Streiche, dass kein Mensch in der Welt (ausgenommen der heilige Vater, der von der dreifachen Krone seines Hauptes bis auf die Pantoffel seiner Füsse sich zu einer Ausnahme erhebt) Selige und Heilige machen oder entschatten kann? Dass sich Gott erbarme! Die Menschen sind alle zu gleichen Trübsalen und Ungemächlichkeit berufen; allein wahrlich zur Standesgleichheit sind wir nicht da. – Ist nicht jeder Hausvater der Edelmann in seinem haus? ist er es bloss gegen sein Gesinde oder auch gegen Weib und Kind? Ist Herr und Edelmann nicht Eins? und würden wir mit der Zeit nicht Gott den Herrn selbst verlieren, wenn wir alle herrschaft vertilgen und allgemeine Gleichheit einführen wollten? – Ach, Freund! in Republiken gibt es so gut Könige, wie in Monarchien – und sie werden bleiben, wenn auch alle N a m e n k ö n i g e auf Erden aufhören sollten. Die heimlichen Jesuiten sind ärger als die öffentlichen, und die heimlichen Könige verhalten sich ebenso gegen die, welche bloss so heissen. – Die Gleichheit der Stände ist der natur des Menschen, den Staatsverfassungen, den grösseren und geringern Geistes- und Leibeskräften einzelner Menschen, der Erfahrung und kurz und gut – der menschlichen Vernunft entgegen. Es gibt der Menschen zu viel, und das Eigentum so vieler unter ihnen ist so verschieden und so beträchtlich geworden, dass es Unterschiede geben muss. K a s t e n nicht, aber U n t e r s c h i e d e , die so allmählich unter einander verschmelzen, dass alles wie Ein Stück aussieht. A l s o k e i n E r b - , s o n d e r n w i r k l i c h e r A d e l . – Ohne Erbsünde wäre keine wirkliche, ohne E r b a d e l kann es w i r k l i c h e n geben. Jene Stärke des Leibes, jene Fähigkeiten der Seele erwerben Vermögen, das wir unsern Kindern zurücklassen, wenn wir heimfahren aus diesem Elende, Kyrie eleison! – Und diese Glücksgüter verewigen den Adel; was Stärke des Leibes und der Seele schuf, erhält das Vermögen. In Polen macht das Vermögen, dass ein Edelmann des andern Diener, Camerad und Oberer ist – je nachdem er ihm an Vermögen unterliegt, gleichkommt oder über ihn hervorragt. Bürgt nicht Vermögen für