denkt d a r a n ohne Aerger? –
Unser Ritter, der nun freilich, Gottlob! nicht bis zum heiligen grab gekommen, sondern in Sonnenburg geschlagen, und dem auf dieser Schlagreife dergleichen Gedanken-Kreuzfahrten nicht vorgekommen waren, dem überhaupt (ausser dem Wechselvorfalle mit dem Juden, den er zusammt den VerzögerungsZinsen durch die heilige Ehe so glücklich beilegte) keine Avanture schwer fiel, kam aus seinem ganzen Concept; indess hatte ihn der Vetter so h i n - und m i t g e r i s s e n , dass ihm ein anderes Licht aufzugehen schien. – S c h i e n , sag' ich; denn wenn gleich anfänglich das Brevier seiner Ordensgeschichte ihm als eine wahre Dämmerung gegen diese Ideen vorkam, so schwankte er doch bald hernach von der Rechten zur Linken, und wusste selbst nicht, ob er diese Ideen für profan oder heilig, für Schimpf oder Ernst halten sollte. P a l l a s , J u n o und V e n u s ; Augenlust, Fleischeslust, hoffärtiges Wesen, als der dreiköpfige Adler im Wappen des Menschen – und was weiss ich, was mehr? – waren Umstände, die in seinem kopf so gewaltig kreuz und quer zogen, dass er den Gast aus reiner Herzensangst wie vom Himmel gefallen fragte: o b e r b e i m h e i l i g e n G r a b e g e w e s e n s e y ? – Oft, sehr oft, erwiderte dieser; aber nur im Geist und in der Wahrheit; wenn ich eine leidenschaft begrub und einen neuen Menschen auferstehen liess, der vor Gott lebe! Nur dann dünk' ich mich ein Ritter zu sein, wenn ich mich selbst und wenn ich in meinen Wirkungsgrenzen Vorurteile überwinde. Freund! das sind die Türken der Menschheit, und ein Ritter ist der, welcher es sich mit Leibes- und Seelenkräften, das heisst tätig, angelegen sein lässt, dass das Gute über das Böse in ihm, und wo möglich überall siege. – Die Türken, welche von den Johanniterrittern gar gewaltiglich, freilich in ihren vier Wänden, verfolgt werden, sind Menschen wie wir, und unsere Brüder, und jüdische und christliche Ketzer, Gläubige an beide Testamente, da die Christen nur das neue annehmen, ohne recht zu wissen, was sie mit dem alten machen sollen. Auch bedarf es bei Selbstüberwindung und bei den Siegen über Vorurteile keiner so hochgepriesenen Mittel. Das erste, das beste; das kleinste, unbeträchtlichste ist schon heilig, hochwürdig, wenn der Zweck, zu dessen Fahne es schwört, hochwürdig und heilig ist, auch wenn dieser durch einen Schleuderwurf von Mittel erreicht wird. Ein Kreuz ist eine Schande, wenn es ein Sinnbild ist, dass ich Seele und Herz, beide hände und beide Füsse untätig kreuze, und mich einem gewissen faulenzenden Mysticismus und Fanatismus ergebe, und hier, als auf einer grünen Aue, mich weide. Warum – sagen Ew. Hochwürden selbst – warum vermögen die Bösen so viel? warum herrscht das Böse in der Welt? warum liegt sie, so zu sagen, im Argen? Weil die Guten untätig bleiben; weil der Tugendritter so wenige, und weil sie mit zu wenig Mut ausgerüstet sind; weil man dem Bösen die Pluralität, das Uebergewicht noch nicht abgewonnen hat. Ein einzelner Mensch kann nichts, weder physisch noch moralisch; vereinigt können die Menschen viel – alles. – Je mehr Menschen, je mehr Köpfe und je mehr hände. Auf Einen Kopf gehen zwei hände; und da jeder Mensch, bis auf die unbeträchtliche Anzahl Krüppel, zwei hände hat, wenige Menschen dagegen, welche Köpfe h a b e n , Köpfe s i n d : so ist der, welcher ein Kopf genannt zu werden verdient, ein Edelmann; die hände sind die Bauern. – Je mehr gute Menschen, je weniger Aergerniss, je mehr Beispiel. – Der Philosoph muss denken; der Edelmann muss denken und tun. Jener kann unsere Begriffe von Tugend und Glückseligkeit berichtigen und befestigen, wenn er ein blosser Spekulant, und uns das Schöne und Erhabene des himmels auf Erden versinnlichen, wenn er ein Dichter ist. Wenn die Tugend in weiser Tätigkeit besteht, so gehört gemeiniglich teoretische Weisheit zum gelehrten Gebiete; und auch d i e ist nicht jedermanns Ding, und selten dem eigen, der das Recht erhalten hat, einen Kranz oder ein Kreuz der Gelehrsamkeit auszuhängen, sondern dem, der den Doktorhut aus den Händen der Menschen erhielt. Der Denker ist Priester, der Edelmann Prophet und König. Beide sind Ritter, wenn sie wirklich sind, was sie sein sollen, beide sind bemüht, das menschenmögliche Ziel der teoretischen und praktischen Vernunft zu erreichen, die Ehre der Menschheit herzustellen und oft durch das Kleine in das Grosse zu wirken. Trug ich dazu bei, dass ich als Edelmann geboren und, kraft meiner sechzehn Ahnen, zum Johanniterritter geschlagen ward? Wozu ich nichts beitrug, ist das mein? Es gibt Fürsten von Gottes, und Fürsten von Kaisers Gnaden – Jeder Mensch ist ein Fürst von Gottes Gnaden: nicht wenn er sein D i p l o m , seinen G e i s t , in ein Schweisstuch der Vorurteile wickelt; nein, wenn er durch Fleiss und Treue ihn veredelt, verdient er den Namen E d e l m a n n ! Ew. Hochwürden kennen meine Ahnenzahl; allein Sie