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, entfernt werden, so ist nichts natürlicher, als dass sie sich gern dazu einweihen lassen möchtenund dass sie sich auch gern mit Brosamen begnügen, die von unsern wohlbesetzten Geheimnisstafeln fallen. Wahrlich, diese Brosamen sind bei weitem der beste teil! –

"Wenn ein Collegium von Zwanzig, eine Innung von Fünfzig, nur Ein Wappen hat," sagte der Ritter eines Mittags – "was folgt natürlicher, als dass diesen Zwanzigen und diesen Fünfzigen zusammen auch nur Ein Kopf gebührt!" –

Ei, guter Ritter, wenn der gestochene Hofmeister eingewandt hätte, dass auch die ganze Rosentalsche freiherrliche Famille M i t und O h n e nur E i n Wappen in vielen vidimirten Kopien besitze und Ewr. Hochwürden die Schlussfolge zu ziehen selbst überlassen hätte! Doch verdarb dieser junge Mann seit dem Stich der gnädigen Frau fast alles; und wenn er sich ja herausnahm, feurige Kohlen auf das Haupt Sr. Hochwürden und Gnaden zu sammeln, so waren es ein paar Kohlen aus dem Rauchfass, und immer solche, an denen noch Weihrauch hing. Wenn er sich unter seines Gleichen befand, behauptete er, dass die Manier, mit vornehmen Leuten umzugehen, die in diesem Fall ohne allen Unterschied Eines Geistes Kind sind und alle zusammen nur Ein Wappen führen, noli me tangere, welches verdolmetscht ist: honny soit qui mal y pense, leider! so allgemein wäre, dass nur demjenigen Lebensart zugestanden würde, der mit Menschen einer höhern Region umzugehen verstände; ob es gleich nicht nur weit schwerer, sondern auch weit nützlicher sei, sich in jede Menschenklassesich in das Volk zu schicken. Vor Gott dem Herrn, dem väterlichen Beherrscher, setzte er hinzu, ist alles gleich weit und gleich nahe: Cherubim und Seraphim sind nicht himmlische Grafen und Freiherren; – Allvater, Alleinherrscher ist Gott, und alle land sind seiner Ehren voll. Diese teologische Zweizüngigkeit legte sich gar bald, je mehr der junge Mensch aus seinem Compendio in die Welt kam, und je mehr er sah, dass die Welt, wenn gleich nicht die beste, so doch leidlich war, desto mehr genas er. Jetzt war er vor jedem Nadelstiche der guten Baronin sicher, und konnte auf ein ruhiges und stilles Leben in aller Gottseligkeit und Ehrbarkeit rechnen sein Leben lang. Der gute F r a n k l i n , der seinen Sohn vor Voltaire auf die Knie fallen liess, verglich den Adel mit Tieren, die im alten Testament ein Greuel sind, und die sich mit den unsaubern Geistern vor den Augen der Gergesener auf eine wunderbare Weise fleischlich vermischten. In der Tat, der Vergleich ist so wenig höflich, als völlig anpassend. Unser Ritter verglich ihn, als er ein Glas Champagner über Verordnung getrunken hatte, zu nicht geringer Verwunderung des Hofmeisters, mit Hunden, die man doch zur Zeit unserer in Gott ruhenden Vorfahren zur Beschimpfung und zur Strafe tragen liess, und die man, nach römischen grundsätzen, schweren Verbrechern beipackte, wenn sie am Leben gestraft werden sollten. Bei unserm Ritter indess waren Hunde kein unedler Vergleich. – Er besass Hunde, die er zwar nicht, nach dem Beispiel des Tyrannen, der sein Pferd zum Maire in Rom erkor, beehrte und an die Tafel zog, denen er indess sein Bild und Ueberschrift, sein Wappen (das Johanniterkreuz selbst nicht ausgeschlossen), angehängt hatte. "So wie der Mensch Hunde braucht, Tiere, ihres Gleichen, zum Gehorsam zu bringen und sich unterwürfig zu machen, sagte der Ritter etwas leise, wie in Parentesi: so auch der Regent den Edelmann. Der Lohn ist ein Band." – Der Regent? fragte die Baronin. – Der Regent, erwiderte der Ritter; er sei Fürst oder Gesetz.

S i e . Oder Gesetz?

E r . Denn Geber und Handhaber sind alsdann Edelleute.

Wenn aber der Hund gereizt wird, erwiderte S i e , beisst er nicht seinen eigenen Herrn?

So wie das Unrecht ihn schlägt, beschloss der Ritter. – Jener Ernst und Scherz, der sich nur bei Gleich und Gleich einfindet, und mit Herz und Herz verträgt; jener Gedankenfluss, der das Wohlgefallen bei einem geschmackvollen Tisch erregt, jene Artigkeit gegen das schöne Geschlecht, die fern von aller Zweideutigkeit und Verführungsanlage ist, jene Offenherzigkeit, bei der niemand von den Anwesenden sich unter dem Schlüssel hält, sondern jeder spricht und jeder hört, ohne sich bloss auf den nächsten Nachbar einzuschränken, der uns doch gewiss nicht für eine ganze in Feuer gesetzte Gesellschaft entschädigen kann; jene Aussaat, die schon so oft dem Weisen in seinem Studirzimmer eine reiche Ernte brachte, war im ritterlichen haus gewiss nicht in die Acht erklärt und verbannt. So wie die Freiheit in der treuen Beobachtung selbst gemachter gesetz besteht, so besteht Lebensart in der Weisheit, das Wort, oder die Flucht des Schweigens zu nehmen. Man liess dem Champagner seine Kraft, wenn man einen Einfall, anlockte, und dämpfte den Einfall nicht wie die Erbsünde, damit keine wirkliche daraus entstehe. – Um in der Gunst seiner hohen Patronen desto tiefer Wurzel zu fassen, schlug der Schneiderssohn ein

§. 30.

Examen

vor, und eröffnete es mit einer Anrede über den Ausdruck W a p p e n - K ö n i g , welchen Namen er sehr gelehrt von W a p p e n k u n d i g ableitete. Was meinen Sie, sagte er zu dem Junker, wollen Sie nicht,