, dass der Ritter (nach Art gewisser Leute, die nichts achten, was sich nicht mit einer Pointe endet) bei jedem Teile der geschichte seinen Herrn Sohn in freiherrliche jener teil der geschichte dazu Stoff entielt, je früher sollte sie, des Eindrucks halber, den man (nach der Instruktion) in den ersten Jahren am sichersten bewirken kann, der Gegenstand des Unterrichts sein. tote Fliegen, sagte der Ritter, verderben das köstlichste Salböl. – Mag! dachte der Hofmeister; ich will bloss die Nester voll Eier ausbrüten, die mir überliefert werden. – In der römischen geschichte war es sehr mit auf die Christenverfolgungen gemünzt, die der Hofmeister nach allen Kräften einwässerte. Es kostete ihm wenige Mühe; zu den bekannten
§. 28.
zehn Verfolgungen
noch einige andere kritisch beizufügen, wozu er z.B. den Kindermord zu Betlehem rechnete, welches unser Ritter in besonderen Gnaden vermerkte. So erfinderisch unser angehender Geistlicher in Rücksicht der Verfolgungen schien, so schwach war er in der
§. 29.
Heraldik,
die ihn noch mehr als die Türkengeschichte, ängstigte. Doch, wollte er wohl oder übel, er musste dieser brodlosen Kunst Zeit und Raum gönnen, um, wenn vom Ursprunge der Wappen, deren Eigenschaften und den Regeln, die beim Aufriss und bei der Anfertigung, Visirung und Auslegung eines Wappens erforderlich sind, die Rede war, nicht länger wie jetzt ein Stillschweigen der Unwissenheit beobachten zu dürfen, welches sich vom Stillschweigen der Weisheit etwa wie schleichen von behutsam wandeln unterscheidet. In kurzer Zeit konnte er den Ritter auf einen heraldischen Zweikampf herausfordern; und da er sein Studium in der Stille getrieben hatte, so erschrak der Ritter nicht wenig, als er, anstatt den Wappenunterredungen auszuweichen, sie selbst auf freiem feld aufsuchte. Wappen sind Aushängeschilde, fing er an. "Halt! sagte der Ritter; der Begriff muss veredelt werden. Ich leite die Genealogie dieses Namens von den W a f f e n ab; diese Unterscheidungszeichen führte man anfänglich auf Schild und Helm!" – Der Hofmeister würde sein Schild gewiss noch nicht so bald eingezogen haben, wenn sich nicht die gnädige Frau in dieses seine heraldischen Ikarus-Flügel versuchte, zu verstehen gegeben hätte, dass, wenn gleich jedes Handwerk einen goldnen Boden habe, der Schuster doch wohl tue, bei seinem Leisten, und der Schneider bei seiner Nadel zu bleiben. Ob nun gleich die gute Frau den Schuster vorausgehen liess, so fühlte doch der Schneiderssohn den Nadelstich so heftig, dass er in eine Art von kurzer Raserei fiel, und (nach Art der Menschen, die, wenn sie von der Tarantel gestochen sind, vom Tanzen nicht ablassen können) sich durch Reden aushelfen wollte, und sich wie ein Kreisel durch Worte herumdrehte. Fassung ist das einzige Mittel, das erforderliche Gleichgewicht zwischen Leiden und Tun herzustellen, sie ist ein Extrakt der Geduld. Anstatt den Schuster aufzufangen und den Schneider seine Wege gehen zu lassen fröhlich – fiel er auf die Kleider im Paradiese, die von dem lieben Gott selbst gefertigt wären; indess musste er, da der Bediente hinter dem Stuhl der gnädigen Frau in lachen ausbrach, eine andere Tarantelmaterie aus der Luft greifen. Noch nie hatte die Baronin eine Verwirrung dieser Art gesehen, die aus einer Unschicklichkeit in die andere, und zwar immer aus einer kleineren in eine grössere bringt. Die Gabel entfiel dem jungen Mann; er wollte sie aufheben und verschüttete ein Glas mit rotem Wein auf das herrliche damastene Tischtuch. Es fehlte nicht viel, so wär' er vom stuhl gefallen; so wenig konnte' er sich an Leib und Seele halten. – Der Baronin schien ihr Nadelstich wehe zu tun, weil er den jungen, welt-unerfahrnen Jüngling so sichtbarlich verwundet hatte. Sein Vater benähte das höchst-freiherrliche Haus, und durch den Vater war der Sohn zur Informatorwürde empfohlen worden; indess glaubte die gnädige Frau verbunden zu sein, dem Jünglinge, der seit einiger Zeit und je länger je mehr über die Nadel ging, zu seinem eigenen Besten Schranken zu setzen. Die gewöhnlichen Tischreden wurden zwar auch in der Folge aus der Heraldik geschöpft; indess hütete sich der Schneiderssohn, Blössen zu geben. – Der Ritter, dessen Vorliebe für das alte Testament wir schon kennen, verfehlte nicht, den Adam, Sem, Ham und Japhet, die jüdische Nation und deren Stämme mit Wappen zu beehren. Im Segen Jakobs fand er vielen Stoff zur Heraldik. Dem ahnenarmen Köninge David selbst, der G o t t sein Schild nennt, konnte' es die Wappenehre nicht abschlagen; und ob er es gleich nicht völlig zu läugnen im stand war, dass man erst zu Ende des zwölften und zu Anfange des dreizehnten Jahrhunderts Spuren von Wappen antreffe, so hielt er doch das werte seinige für weit älter, und sah es als ein brennendes Licht unter dem Scheffel an. Auch setzte er den Ausdruck: Helm zu Ernst und Schimpf, oder zu Krieg und Turnieren, ins Reine. Bekanntlich leidet keine heraldische Figur so viele Veränderungen wie das K r e u z ; und es war erwecklich, das heraldische Collegium ü b e r d a s K r e u z aus seinem mund zu hören – welches der Ritterin um so mehr Freude machte, da es sie so lebhaft an ihren Brautstand erinnerte. Ueberhaupt sind Wappen eine Bilderschrift, und haben etwas Geheimnissvolles, Hieroglyphisches; und da die Damen wohlbedächtig von den Altären der Geheimnisse, die wir generis masculini halten