die frommen Wünsche und Einlenkungen der Unterirdischen diess Hans so glücklich machten. Diese Unterirdischen hatten ihre wohnung in diess Schloss verlegt, und zwar wegen eines unangenehmen Vorfalles, der ihnen in ihrem vorigen Quartier zugestossen war. (Bekanntlich sind kleine Leute sehr leicht aufzubringen.) Den Schwergläubigen unter meinen Lesern zu Nutz und Frommen bemerk' ich, dass die Unterirdischen angeblich kleine, fingerlange Menschlein sein sollen, die mit einer unbeschreiblichen Leichtigkeit in ihre unterirdische wohnung hinab und zu uns herauf kommen und, wenn sie um uns sind, sich mit der leichtesten Mühe, und fast natürlich, unsichtbar machen können. Sie haben die vortrefflichsten Augen, die ihnen selbst in der Dämmerung und bei Nacht nicht ungetreu werden. Ach! nicht nur z w i s c h e n Himmel und Erde, sondern auch i n und u n t e r der Erde gehen, nach alter Rosental'scher Meinung, Dinge vor, die keinem Philosophen – ausgenommen den Grafen G a b a l i s – geträumt haben! Wer hörte nicht, wenn am schwülen Sommertage, wo der Hirsch nach frischem wasser schrie, die natur sich schnell mit Flor überzog, so wie der Hof, wenn der Fürst das Zeitliche mit dem Ewigen verwechselt? Wer hörte nicht beim Donner und Blitz, bei Hagel und Schlossen und dem heftigsten Sturme seine pfeifende Stimmen, die so ein alter grauer Kerl, wie der Sturm, um alles in der Welt nicht herauszugurgeln im stand ist? Wer vernahm nicht fürchterlich heisere Stimmen, die zuletzt nur pfiffen und zischten? Und wer zweifelt an der unerschütterlichen eisernen Brust des Sturms, dem es schier eine Kleinigkeit ist, alles Stimmbegabte und den tapfersten Bassisten zu überkreischen? – Wer kann es erklären, wenn Hunde, oft mir nichts dir nichts, anschlagen und ihre Leute aus dem angrenzenden Quartiere durch ein Feldgeschrei ins Gewehr rufen und, wie es uns dünkt, ohne alle Ursache schneidend heulen und jammernd wehklagen? – O, des grässlichen Weh's, das in diesen Klagen liegt! – Wer sah nicht Fenster zittern und beben, ohne dass weder Schlossen noch ein heftiger Regen dazu Anlass gaben? – Wem blitzte nicht oft ein kalter Schauer durch alle Glieder, obgleich nichts als ein sanftes, fast unmerkliches Säuseln in der Luft seine Nerven berührte? – Wie oft wimmern nicht unsere Haustiere und selbst das Schoosshündchen (das sich doch nicht sicherer befinden kann), ohne allen körperlichen Schmerz und ohne alle Luftveränderung? – Wer wird nicht aufmerksam gemacht durch so manchen Aufruhr unter dem Federvieh, der ohne Schatten von Ursachen entstand? – Wer kann es erläutern, warum die ältesten hölzernen Mobilien, die alle mögliche Jahreszeiten ein ganzes Säculum hindurch und länger erduldeten, die von Grossmutter auf Mutter, und von Mutter auf Tochter vererbt wurden, auf einmal in Laute ausbrechen, über die ein Feldmarschall aufspringt und derentwegen der gespensterungläubige Philosoph die Feder fallen lässt, die er sich in sechs Minuten nicht aufzuheben getraut? – Wenn nicht Besuche von Unsichtbaren hieran Schuld sind, was kann es sonst sein?
Längst hätte der Mensch die Hunde, an die er sich so unerklärlich gewöhnt, mit dem Hunderechte, das diese Creaturen, so gut wie die Tauben das ihrige, behaupten, aufgegeben; längst hätte der Mensch eine Balanz von Kosten und Vorteil gezogen und das augenscheinlichste Missverhältniss zwischen den Diensten der Hunde und dem Aufwande, den man ihretwegen treibt, überschlagen – wenn Hunde nicht so sichere Witterung von dergleichen Erscheinungen hätten. – Eine Abschweifung! Wahr! allein ein Auszug von fünfzig Folioseiten meiner Legendennachrichten, bei dem meine Leser nichts verloren haben. Damit wir indess unsere Fingermenschen nicht unter den Händen verlieren, so setzt meine Tradition zum voraus, dass sie gar gern sich in Schlössern aufhalten, je älter je besser; nur müssen diese Schlösser bewohnt sein, weil die Menschlein sich gar zu gern mit Menschen messen, und, wiewohl fast unsichtbar, ihres Umganges geniessen. Ein besonderes Völkchen! So lange hat man vergebens E l d o r a d o gesucht, und es bis jetzt nirgends als in Romanzen gefunden; – unter der Erde ist es, ihr Herren Sucher und Versucher! – Ach! glaubt mir – nirgends anders, als u n t e r d e r Erde!
Ob übrigens etwa eine Verwünschung, die in dergleichen alten Gebäuden zu haus gehört, an der Figur unserer Kleinen Schuld sei, oder ob wirklich dergleichen Geschöpfe gleich anfänglich und schon bei der Schöpfung so klein gewesen, das bleibt in meinen Nachrichten weislich oder unweislich unbemerkt. Allenfalls müsste D. S w i f t darüber Auskunft geben. – Dass ihrer weder bei einem Tagwerk in der Schöpfungsgeschichte M o s i s , noch bei dem Inventario von dem K a s t e n N o ä der alten Welt, noch vermittelst einer Registratur bei dem Rosentalschen Kasten Noä gedacht worden, ist nicht zu läugnen; indess können solche Kleine leicht von Geschichtschreibern übersehen worden sein, besonders da sie sich so gerne verstecken und die Gewohnheit haben, mit den Menschen Blindekuh zu spielen. Sie leiden nichts mehr, als das Wiedervergeltungsrecht, wenn sie übersehen werden. Genug, dergleichen F i n g e r l e i n , wie man sie in der Familie nannte, befanden sich bei oder unter dem altväterischen schloss des Herrn F r e i h e r r n Adam Sem Ham Japhet, Freiherrn von Rosental. Schon zu seines Herrn Grossvaters zeiten hielten sie ihren Einzug in dieses Schloss; und