Würmer, seine Untertanen, anpreist, weil der liebe Gott ihnen doch die Ehre erwiesen hat, Nase und Ohren an ihren Kopf zu hängen. Wer ist unser Nächster? und sollen wir nicht unsern nächsten lieben als uns selbst? – Warum diese Ausholung? Unser Junker erhielt eine wohlriechende Erziehung, bei der es nur auf gutes Wetter angelegt ward. An den drükkenden Sonnenstrahl des Sommers und an den Nordwind des Winters, als an die beiden Jahreszeiten des Bürger-, und an den noch mühseligern Herbst, als an die Jahreszeit des Bauernstandes, ward gar nicht gedacht, obgleich wahrlich! nur der als Mensch erzogen ist, der, wenn Not an Mann geht, alle vier Jahreszeiten in den vier Tagszeiten mir nichts dir nichts und so zu überstehen vermag, dass er weder von einem physischen noch von einem moralischen Catarrh oder Fieber oder etwas dergleichen befallen zu werden fürchten darf. – Jetzt musste nichts, auch nur einen Strohhalm breit, aus seinen einmal angenommenen Grenzen verrückt werden, wenn der Junker nicht der Kälte und Hitze unterliegen sollte. Kein Dreier Zinsen von dem ansehnlichen Capital musste ausbleiben, kein Kreuz im freiherrlichen schloss angegriffen werden, kein Dachziegel sich verschieben, kein Mensch, selbst den regierenden Herrn nicht ausgenommen, sich in einen andern Ton umstimmen. Es musste immerwährender Frühling auf Erden bleiben und Rosental Arkadien werden; Nektar und Ambrosia immer für Geld, nota bene o h n e gutes Wort zu haben sein, wenn unser ABC-Junker grünen und blühen sollte. Freund und Feind, dass ihr euch nur in den Schranken zu halten wisst; denn wenn sich nicht alles in der Welt wie im Einmal-Eins folgt, so kann es unserm Junker nicht wohlgehen und er nicht lange leben auf Erden. Nicht für Gottes Erdball, für Rosental ward er erzogen. – Vielleicht ändert sich unser Held, da die Scene sich verändert. Seht! zeitiger als es sonst Sitte im land ist, wird ihm durch einen Hofmeister unter die arme gegriffen: gewöhnlich die zweite Amme, welcher die liebe Jugend an die Brust gelegt wird. Der Ritter – zu seinem Ruhme sei es gesagt – vergass nicht, die Milch dieser Amme zu untersuchen, eine Ammeninstruktion zu entwerfen, und selbst an seinem teil dem Hofmeister mit Rat und Tat zur Hand zu gehen. Er wollte aber nicht die zweite Amme seines Sohnes, sondern die Amme seiner Amme sein; – das ist freilich leichter! Und diese Instruktion? Der Ritter meinte kraft derselben, dass sein Sohn keines griechischen oder römischen Piedestals bedürfe, um sein Licht leuchten zu lassen vor den Leuten, indem er schon ohne Piedestal gross genug sei, um aufzufallen. Da er nicht überzeugt war, dass der Massstab unserer Grösse bloss in den Händen der Nachwelt ist, so ward es nur auf den Schein angelegt, obgleich hierdurch der Geist der Herrschsucht, der Heuchelei und des Priesterbetrugs eingehaucht wird. Die Erklärung der Biene in der Fabel, die man vor giftigen Blumen warnte: "das Gift lass' ich darin," war ihm zu hoch, und die ganze freiherrliche Instruktion war ein Gängelband, wodurch eigentlich dem freien Willen ein Streich gespielt werden sollte. Ein paar Stellen dieser Instruktion schienen wirklich auf Veränderung des Wetters calculirt zu sein; indess wurde in diesem Falle, da Gott vor sei! ein Amulet von Worten, ein Universale von schönen Phrasen väterlich empfohlen, um, wenn sich Wolken zusammenzögen und Unfälle erhöben, sie durch Scheltworte oder Sentiments abzuwenden. – Das ist der Lauf der Welt! – So wie der Blitz (eigene Worte) sich nie selbst trifft, das Feuer sich nicht selbst verbrennt, das wasser sich nicht selbst ersäuft: so auch der Mann von Geburt und Vermögen. In der natur und in der Menschenwelt ist alles wider einander. Der edle Mann muss sich durch erhabene Gesinnungen sichern lernen; und wenn Gleich und Gleich sich mit einander balgen – was ist sein Beruf? Durch einen Vorsprung befehlen, richten und strafen, ohne das Gelübde des Gehorsams zu übernehmen und sich richten und strafen zu lassen. Da ist er denn vor einem blauen Auge sicher, wie im Schooss Abrahams. Ein so wohlerzogener Held wird so selten von seinen Taten eine Wunde heimbringen, als sich ein Kleck im Grünen in alten Familien findet. – Alle jene schöne Reden des Altertums über Vaterland und Heroismus waren hier Schulredensarten, die man zu Ehren und Unehren brauchen kann, je nachdem das Exercitium es will. Zu den geheimen Artikeln der Instruktion gehörte, dass der ABC-Junker ohne Schläge gross werden sollte. Strafen, hiess es, sollen durch Empfindung des Unangenehmen bessern; und da es Seelen- und Körperstrafen gibt, so müssen Kinder, je nachdem sie mehr Seele oder mehr Körper haben, mit Seelen- oder Körperstrafen belegt werden. Der Ritter war nicht ganz auf unrichtigem Wege; nur gehört der Kopf eines Meisters dazu, zu bestimmen ob und wie viel das Kind Seele und Körper habe; der Baron tut hier wahrlich nichts zur Sache. Kurz, bei der Art wie unser Held erzogen ward, schien es freilich nicht darauf angelegt, dass der Junker selbst etwas versuchen, selbst etwas erfahren sollte; vielmehr ward die geschichte ihm als Spiegel, Regel und Riegel aufgeschlagen und ihm die Versicherung gegeben, dass schon andere für ihn versucht und erfahren hätten. Wer wird denn auch auf eine französische Revolution und dergleichen calculiren? Mein Held ward ein Held aus Büchern und lernte reden, handeln aber nicht. Wenn das Dichten