einverleibt; und da vieles von dem Vorgegangenen, insoweit es ins Auge fiel und zum Aeusserlichen des Familienfestes gehörte, zu seiner Wissenschaft gediehen war, so konnte er nicht Worte genug finden, die Feierlichkeit zu lobpreisen. Sein unvorgreifliches Gesuch, die Arche unbedeckt zu sehen, ward ihm indess abgeschlagen – Die wachehabenden Bauern dienten übrigens zu Fuss und ohne Schimmel; doch waren sie mit Unter- und Obergewehr knappenmässig versehen, welches den Schulmeister am meisten verdross, der gerne bis zum Allerheiligsten der Bundeslade hohepriesterlich vorgedrungen wäre, jetzt aber aus verbissenem Aerger gegen den Gevatter Nachtwächter behauptete: dieses Unwesen würde mit einer sonnenklaren Finsterniss verdeckt, damit ihm von christfrommen Herzen desto weniger gesteuert werden könnte. Er gab unverschämt vor, die Nuss dieser Handlung mit den Backzähnen aufgebissen zu haben und den Kern zu besitzen. Und dieser Kern war? – Die Baronin hätte eine Feuerprobe ihrer Jungferschaft aushalten müssen. – Rosenfest nach der Hochzeit, versetzte der Nachtwächter. O, des Unbeschnittenen, schrie der Schulmeister, an Herzen und Ohren! Aus der Mutterschaft wird der sicherste Beweis der Jungferschaft geführt. Das nennt man a posteriori; – der Beweis a priori, Gevatter, ist und bleibt eine kitzliche Sache.
Die Damen machten Schwesterschaft, ohne sich zu dutzen. Die Fünfzigtausend Reichstaler-Schwester, die unter vielen andern Hässlichkeiten schwarze Zähne hatte, wie sie so leicht kein Holländer vom heissen Tee gehabt haben mag, konnte nicht umhin, sich einige Anspielungen auf die Gegenrede oder den Einspruch herauszunehmen. Gern wollte die Ritterin reinen Mund halten; konnte sie aber die Frau Schwester wohl vermögen, dass auch sie die Hand auf den Mund legte? Scharfsinnig wich die Ritterin aus, und brachte unter andern das Kapitel von der Verschwiegenheit mit der Behauptung vor: unser Geschlecht wäre weniger zum Schweigen aufgelegt, als das weibliche. Vielleicht, fuhr sie fort, substituirte man in dieser Rücksicht dem Worte M a n n das beschriene Wörtlein M u n d : V o r m u n d , statt V o r m a n n . Allein die Frau Schwester wollte nun einmal ihr Mütlein kühlen. Selbst nicht das herrliche Mahl war im stand, sie zu bändigen, ob es gleich davon nicht heissen konnte, so viel Mund, so viel Pfund; sondern: so viel Mund, so viel Centner. Und am Ende – was wird es sein, das die Frau Schwester auf dem Herzen hat? Auf dem Herzen, wahrlich nichts mehr und nichts weniger, als die fünfzigtausend Reichstaler ohne Zinsen. – Noch wich die Mutter unseres Helden ritterlich aus. Gibt es indess nicht Gedanken und Worte, die man nicht verschmerzen kann? Diese pflegen gemeiniglich mit einer körperlichen Bewegung verbunden zu sein; sie erregen eine Art von Seelenstoss; sie klopfen nicht bei uns an, sie schlagen eine tür ein – und wir mögen wollen oder nicht, wir müssen erwiedern.
"Der Papst, liebe Schwester, bedarf keiner Ahnen."
Hat aber keine Kinder – "Und wie viele gekrönte Häupter waren aus der Volksklasse!" – An gekrönte Häupter sollte eine ehrbare Frau schon Schande halber nicht denken. "Es wird mir doch erlaubt sein, des Königs David, des Mannes nach dem Herzen Gottes, zu erwähnen?" Der liebe Gott kann Ahnen beilegen, so viel er will; das lässt man sich nach der himmlischen Heraldik ganz gern gefallen. Nach der irdischen konnte König David so wenig wie sein Herr Sohn Salomo, Johanniter-Ritter werden – "Wenn Salomo nur den Namen des W e i s e s t e n behält, und Könige und Fürsten sich glücklich dünken, dass sie nach ihm S a l o m o n e heissen!" – Es ist Zeit, dass ich an das
§. 24.
Inventarium
denke, welches ohne Subtilitätenklauberei in optima forma abgeschlossen ward. Der Nachbar war bei dem Abschlusse so tätig gewesen, dass der Baron eine grosse Meinung von ihm bekam, da er bei einer Sache, die doch ausser seinem Geschäftskreise lag, so viele Einsicht und Tätigkrit bewiesen hatte. Zwar hiess es, der Nachbar habe im Trüben gefischt, und wenn gleich die eheleibliche Tochter des Emsigen ihm nicht zu teil geworden, doch in casu den besten teil erwählt; indess war alles schwarz auf weiss, und dem Ritter lag nur daran, zu wissen, woran er wäre, und nicht quid juris. Wenn die Herren Juristen nur so gütig sein wollten, diess gegen dreimal so viel Kartengeld, als sie jetzt einziehen, den armen Leuten in kürzerer Zeit zu verkaufen, als jetzt, wo denn auch nichts mehr für das Geld gegeben wird, als Geduldslehre! – Wär' es wahr, dass es nur drei Reihen G e s c h r i e b e n e s braucht, um jemanden mit Ehren an Galgen und Rad und, was natürlich leichter ist, um Ruf und Vermögen zu bringen, so verdiente unser Nachbar das Zutrauen, welches ihm der Ritter durch das Anerbieten bewies, das Geld auf landübliche Zinsen in seine keiten, und bloss wegen des grenzenlosen Zutrauens, welches der Ritter in ihn setzte, erfolgte endlich ein aufrichtiges Jawort; und der Ritter entging durch dieses Ja der gewiss nicht kleinen sorge, ein so ansehnliches Capital unterzubringen. Dazu kam noch, dass er nun die Anträge so mancher Ritter und Herren, womit man ihn, ausser dem Kasten-Assessor Nr. 3., gleich nach des Emsigen tod bestürmt und besäuselt hatte, geradezu