manchem Bilde gesehen haben, wie er um Rahel wirbt; und eben in unserer Kirche hat Isaak sich einen Haarbeutel angelegt, als er sich auf die Freierei begibt. Was gilt die Wette: in allen Genealogien werden sich Pontius Pilatus, Herodes und Kaiphas im wasser der Sündflut, Jakob gepudert und frisirt, und Isaak mit einem Haarbeutel finden! – Wenn man dem Ursprunge der alten adeligen Familien nachspürt – wann entstanden sie? Zu einer Zeit, wo Strassenraub Modetugend, höchstens Mode-Untugend war; wo der Mordbrenner bei seinen Zeitgenossen mehr gewann, als verlor, wenn seine Untat bekannt wurde; zu der Zeit des Faustrechts, der Befehdung und der Tollkühnheit. Wie oft sind die Grundsteine des Adels Landesverrätereien und Beförderungen einer himmelschreienden Tyrannei? – Mein Vater war ein Emsiger; und was ist entwürdigender: vermittelst kleiner Papiere, die man (mit erlaubnis meines Gemahls) W e c h s e l nennt, Staaten auszukaufen, Regenten in Stand zu setzen, dass sie Krone und Scepter erhalten können, und Schätze aus fremden Gegenden durch Schiffe herbei zu führen; oder auf seinem Gute tausend Taler intabuliren zu lassen, den Einschnitt des currenten Jahres in der nächsten Stadt zum p i t e r verschmelzen, dem er einen der heiligsten Plätze im Tempel gab. Alles betete diess Bild an; und nun erhob A g a t h o k l e s seine stimme und sprach: Ihr Männer und Weiber von Sicilien, wisset, ihr, wen ihr anbetet? – "Jupiter." – Freilich Jupiter, den ich aber aus verächtlichem Geschirr meiner kammer machen liess! Und wie? ihr tragt Bedenken, über m e i n e n Jupiter den Töpfer zu vergessen? Diess wirkte; und der weise A g a t h o k l e s verfehlte nicht, neben den goldenen Geschirren auch irdene zum Andenken seiner Abkunft zu gebrauchen. In der andern Welt, meine Herren, werden wir weder freien noch uns freien lassen: da werden nur die guten Taten des A g a t h o k l e s gelten und seiner Töpfer-Abkunft weiter nicht gedacht werden. Wahrlich, jeder edle Mensch ist in der Welt keine Null; er ist nicht Mittel, er ist Zweck. Je mehr er sich der Unehre, bloss Mittel zu sein, nähert, je unedler ist er in dem herrlichen Sinne, wenn e d e l und a d e l i g gleichbedeutende Wörter sind. Menschenrecht und Menschenehre sind Dinge, die wir jedem lassen müssen, und die auch uns jeder lassen muss, vermöge eines Traktats, den die Tugend (verzeihen Sie mir den emsigen Ausdruck, der auch politisch ist) n e g o c i i r t hat, und der, wie Vernunft und Wahrheit ewig bleibt – (ich rede wie die Tochter eines Kaufmanns) der uns bei der g e f ä h r l i c h e n S c h i f f f a h r t dieses Lebens leiten muss. – Menschen sterben; das Geschlecht ist unsterblich. – Ich liebe meinen Gemahl zärtlich; allein, war ich seine Anführerin? Er rede, ob ich ihn unglücklich gemacht habe! Ich kenne sein Herz, und weiss gewiss, dass er das meinige kennt; oder hab' ich je in der grössten Ehestille ein Wort gegen ihn von dem verloren, was ich jetzt gezwungen bin laut zu sagen? Hab' ich mich nicht mit seinem Johanniter-Mantel bedeckt, und ist mir seine Nottaufe nicht so erbaulich gewesen, dass ich ihn täglich nottaufen sehen möchte? Ich werde gewiss meinen Stand als Königin von Sicilien nicht verkennen; allein ich hoffe auch, dass man meinen Vater nicht verkennen wird, der durch sein Töpferhandwerk mich zur Königin von Sicilien gemacht.
Diese Rede schlug den Herrn Senior zu Boden, und d e r d r i t t e K a s t e n a s s e s s o r war versteinert. Er hatte die Dreistigkeit gehabt, nicht weniger als fünfzigtausend Taler ohne Zinsen von unserm Ritter zu verlangen; und da ihm dieses Darlehen abgeschlagen ward, so ergriff er mit beiden Händen die gelegenheit, jene so harte Rede für den Herrn Senior zu stylisiren. Die andern Assessoren, besonders der jüngste, den die Ritterin, schon ehe sie zu reden anfing, bezaubert hatte, nahmen das Wort und versicherten, dass die liebe Cousine keine Narbe oder Schmarre, wie sie es nannten, von diesem bösen Stündlein behalten sollte, dass auf den Charfreitag Ostern, auf Peterkettenfeier Peterstuhlfeier folgen würde, und dass alles nur Formalien wären. Vorzüglich beruhigte der Ritter sein braves Weib. Sie selbst brachte den gelähmten Senior wieder zu Kräften und versicherte ihn, dass er nach dieser Erklärung sagen könnte, was er wollte, ohne im mindesten weiter von ihr unterbrochen zu werden. Da er in der Verwirrung nichts an dem Aufsatze, den er von dem erbitterten Herrn Assessor erhalten hatte, ändern konnte, so suchte er alles durch einen sanften Ton zu ersetzen, und befragte die Ritterin liebreich, ob sie ihrem vorigen stand völlig entsagen, sich ihres heutigen Taufbundes erinnern, ihren Kindern und Kindeskindern eine adelige Erziehung angedeihen lassen, Söhne und Töchter bis ins tausendste Glied vor Missheirat warnen und durch Segen und Fluch sie vor diesem Falle bewahren wolle für und für? Sie antwortete: Ja! und ein noch lauteres auf die Schlussfrage: Ob sie der Familie ihres Gemahls treu sein und bleiben wolle