blieb sie Weib, das heisst: sie war nach der Weise der jetzigen Weiber erzogen. Da den Weibern bei keiner andern feierlichen gelegenheit des Lebens eine Rolle zugeteilt wird als wenn sie sich verheiraten (welche Festlichkeit indess durch das Ehebett so viel von ihrem Patos verliert, dass man am Brautmorgen nicht weiss, wie man daran ist, und wesshalb so viel Zwang und Streit und Widerstreben hat vorausgehen müssen, um sich so bald und so enge zu vereinigen), so ist es natürlich, dass besonders junge, mit der Welt und ihrem eigentlichen Gehalte noch unbekannte Weiber, einen rechten Drang nach Feierlichkeiten verspüren. Sie lieben nicht nur Männer, die öffentlich ihr Licht leuchten lassen und mit Glanz auftreten, sondern mögen auch ausserordentlich gern pompvollen Anlässen beiwohnen. Sie können sich nicht vorstellen, dass unter diesen Reverenden nichts weniger als Ehrwürde verborgen sei; der Mantel macht bei ihnen den Philosophen. Werden sie älter, so sehen sie freilich ein, dass nichts hinter den meisten unserer Feierlichkeiten steckt, dass der Kern der Schale, die Glocken der Predigt, die Poesie der Musik nicht wert ist; und nun fallen sie von einem Extrem auf das andere, und lachen gemeiniglich über etwas, das ihnen zuvor so wunderbar, hehr und hoch schien. Unserer Ritterin fehlte es gewiss so wenig an Kopf, wie es ihr an Herz gebrach; indess hatte sie vom Johanniterorden und dessen Stiftung aus der teilnehmenden Relation ihres Gemahls eine so grosse idee, dass sie ihn für nichts geringeres als einen Original-Nottäufer hielt; – und in der Tat, sie traf nicht weit vom Ziele. Um alles in der Welt wünschte ich, dass das gute Weib bei meinen Lesern durch ein gehaltenes C o n s i l i u m nichts verlöre, wovon ich meiner Leserwelt nur die Resultate, ihr zum Besten, mitteilen will. Es ward b e s c h l o s s e n , d e m O r d e n im Rosentalschen schloss hier und da ein A n d e n k e n zu stiften; und so sehr auch unser Ritter ins Weite und Wilde ging, so wurden doch die sieben Hauptpunkte mit dem grössten Beifall der Ritterin verabredet und abgeschlossen, so dass alles Ein Herz und Eine Seele war. Sie spielten beide unter Einer Decke und unter Einem Mantel, und über ein Kleines werden wir die Ehre haben, die Folgen dieses Plans zu ersehen. – Die
§. 19.
Trauer.
über den Emsigen ward so ausgekünstelt, dass man nicht wusste, ob es hier dem Vater oder einem andern weniger nahen Verwandten gelte, oder ob nicht vielmehr der Johanniterorden, der immer in Halbtrauer ist, diese Einrichtung erfordere. – Sit divus, modo non vivus, ist zwar fast immer das Ende vom lied, und eine jede Erbschaft verknöchert das fleischerne Herz einigermassen; allein diess war bei unserer Ritterin der Fall nicht. Selbst durch den Umstand, dass sie in den Augen der Welt dem Andenken des Vaters etwas von der Trauer entzog, gewannen er und ihre Mutter im Herzen. – Zwar nahm man hiervon Anlass zu der Nachrede, dass sie sich ihrer Eltern schäme; wie kann man das aber, wenn sie tot sind? Wahrlich, sie ward eine herrliche Rüstung aufgestellt. Nur bei der Nottaufe hatte sie die Sporen verbeten; sonst war sie nicht dagegen. Da das brave Weib sich nie so sehr auf eine Seite neigte, wie der Herr Gemahl, so blieb sie sicherer vor dem Fall. A silentio, war ihr Hauptargument; weder eine witzige Schwächlichkeit, noch ein unvernünftiger Uebermut kam ihr so leicht zu Schulden. – Sie hiess gnädige Frau, und war in gewiss tausend Rücksichten ein kreuzbraves Weib. – Wer sie verachtet, weil sie zu sehr nachgab, und weil sie sich die Ideen des Ritters zu bald eigen machte, überlegt nicht, dass sie eben dadurch als Weib gewann. Was helfen mehr Segel, wenn auch mehr Ballast im Schiffe ist? Es war mit unserer Ritterin etwas anzufangen; allein weder der Witzling, noch der Vernünftler durfte diess geradezu sein; der Witz musste sich, so wie die Vernunft, fein ländlich sittlich in Empfindung kleiden, und dann machte man mit ihr, was man wollte. An Verstand war sie dem Ritter ohne Zweifel überlegen; an guten Gesinnungen gingen sie Hand in Hand. – Wer mag ihm sein Spiel verderben? Ist er nicht einer der eifrigsten Johanniterritter, die der Orden je gehabt hat? Kann er diese Ordensfreude an seiner Descendenz erleben? Und kennen wir nicht die S t e r n - u n d K r e u z s e h e r e i der Ritterin? Ende gut, alles gut! Immerhin, da er alles mit dem Johannitermantel, als dem wahren Mantel her Liebe, bedeckte! – Der
§. 20.
Säugling
ward gleich früh mit der Mutter- oder Ammenbrust und mit dem Zeichen des heiligen Kreuzes bekannt. Die Windeln, die Bettchen und Hemdlein waren alle mit einem Kreuze gestempelt, und die Amme konnte sich nicht genug verwundern, dass unser ABC-Kind, ohne auf das Kreuz in den Windeln Rücksicht zu nehmen, es mit ihnen machte, wie andere kleine Kinder es mit unbekreuzten Windeln zu machen pflegen; freilich besser, als Kaiser Wenzel, doch noch immer unverzeihlich. – Die
§. 21.
Veränderung,
welche der Todesfall des Emsigen in dem hochfreiherrlichen schloss bewirkte, gewann ein so geschwindes Fortkommen, dass es