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Der Ritter hatte seinen schwarzen Mantel mit dem weissen Kreuz umgehängt, und war in Stiefeln und Sporen und in vollständiger Rüstung, als es hiess: das Taufwasser sei warm.

Gut, sagte er; und schnell fielen ihm über die Sporen Zweifel ein, die denn auch, nach einem gründlichen Für und Wider, von der Wöchnerin mit vielen Gründen verbeten wurden. "Wie kann man an Gott glauben, wenn ihn ein Teufel predigt?" meinte der rebellische Schulmeister, und der Nachtwächter trat durch ein kritisches Kopfnicken bei. Hätte Freund Schulmeister gewusst, dass er, als der einzige Geistliche, natürlich allein fähig war, Se. Heiligkeit zu repräsentiren, sein Neid würde sich in Dank verwandelt haben. Ungewöhnliche Saat bringt ungewöhnliche Früchte. – Der Ritter erhebt seine stimme; das Volk staunt. Fast wörtlich wusst' er die Taufformel auswendig, welches dem volk, wie alles, was ihm aus dem Gedächtnisse mit Parrhesie verkündigt wird, als Eingebung vorkommt. Da er an den Exorcismus kam, tat es ihm doch leid, dass er seine Sporen abgelegt hatte, weil er desto nachdrücklicher hätte auf die Erde stampfen können. Was ihm indess an Rüstung abging, ersetzte er durch das Patos seiner Zunge. Was seine stimme erheben heisst, konnte man hier kennen zu lernen die Ehre haben.

Fahr aus, schrie er, als ob er den Satan auf Pistolen herausfordertefahr aus, du unreiner Geist! – Einige von den Ja-Sagern und Ja-Sagerinnen wollten den Teufel lichterloh in Gestalt eines Strahls gesehen haben; sie behaupteten, dass sie einen hässlichen Gestank empfunden hätten. Indess konnten diesen wohl ehrwürdige Ruinen von der Taubenkammer verursacht haben, und jenes war dagegen ganz füglich von dem Kreuze des Täufers abzuleiten, das an seiner Brust hing. – Allgemein ward gewünscht, dass der Exorcismus bei der Taufe beständig von einem geistlichen Ritter und nicht von einem Geistlichen ausgesprochen würde, damit der Teufel nicht zurückbliebe, wie es oft, weil er sich vor dem Geistlichen entweder nicht fürchtete, oder wohl gar mit ihm in heimlicher Verbindung stände, der Fall wäre.

Als unser Ritter an die Worte in dem Taufformular kam: "Nimm hin das Zeichen des heiligen Kreuzes, beides an der Stirn und an der Brust!" war alles in Bewegung. Jedes schlug sich ein Kreuz; so elektrisch wusste unser Ritter das Kreuz zu schlagen. Ueberhaupt schien unser Ritter (bis auf den Schulmeister, der viel zu tadeln fand, was er indess einzig und allein seinem Freund Nachtwächter anvertraute) vielen Beifall einzuernten; und die Dorfschaft hätte um vieles ihre Kinder nicht mehr bei Sr. Wohlehrwürden, sondern bei Sr. Hochwürden taufen lassen. Indess hatte der Pastor loci sich in die Zeit geschickt und gelegenheit genommen, in der nächsten Sonntagskinderlehre die Fälle näher zu entwickeln, in denen einzig und allein eine Nottaufe stattfinden könne. Auch vergass er nicht, zu bemerken, dass, wenn sie selbst etwa in diese Feuersgefahr oder Wassersnot, wie man es nennen wollte, gefallen wären, dem Geistlichen doch seine Gebühren bezahlt werden müsstenwenn anders nämlich der liebe Gott das Kind in seinen Gnadenbund auf- und annehmen solle. Dass unser Ritter diese Katechisation nicht mit angehört habe, führe ich bloss beiläufig an. – Das besonderste war, dass unser Held ABC bis XYZ nach der Nottaufe sich von Stunde zu Stunde erholte, so dass die Dorfleute in den Aberglauben verfielen, der Johannitermantel sei ein Abkömmling von Elias Mantel und habe hier mitgewirkt. – Einige nannten den Actum: F e u e r t a u f e ; zum Unterschiede von der, die der Pastor zu geben gewohnt war. Selbst die Taubenkammer brachte auf herrliche Ideen, und bei Menschengedenken ist keine solche Taufe gewesen. Der Baronin hatte dieser Actus ausserordentlich gefallen. Ist es Wunder, da die Hauptpersonen, Mann und Kind, ihr so nahe am Herzen lagen? Ihr Beifall ging so weit, dass sie die Taufe eines gewöhnlichen Predigers für eine Nottaufe hielt, und dass in ihren Augen nur ein geistlicher Ritter ein Täufer in einem erhabenen verstand sein konnte. Sie ward so verliebt in den schwarzen Mantel, dass ihr Gemahl ihn nach vollbrachtem Taufactus auf das Wochenbett legen musste; und wenn gleich dieses Auflegen nicht im stand war ihr die verlornen Kräfte wieder zu ersetzen, so blieb es ihr doch feierlich, indem dieser Mantel sie nebenher an ihren Vater erinnerte und den Wechsel von Freude und Leid, das unwandelbare los der Sterblichen, versinnbildete! – Die Feierlichkeit des Mantelauflegens geschah bei verschlossenen Türencaetera textus habet. Wer nottaufen kann, der kann auch mehr. Schon wissen wir, dass der Ritter Täufer sich Mühe gegeben, seiner Frau Gemahlin den Hintritt ihres Vaters auf eine gute Manier in einem Säftchen beizubringen; jetzt mochte es ihm wirklich so vorkommen, als fänden sich bei seiner Frau Gemahlin die verlornen Kräfte unter dem Mantel schneller wieder ein, oder hielt er es für den bequemsten und angenehmsten Zeitpunkt, seine liebe Frau in sein Netz zu ziehen? Kurz, er dachte zu schmieden, da das Eisen warm war, und gab sich Mühe, die Ritterin zu vermögen, ihm die Erbschaftsgeschäfte und die Anlegung des Geldes zu überlassen; allein er hätte es nicht nötig gehabt, so peinlich auf diesen Augenblick zu denken. Die Baronin kam ihm auf halbem Wege zuvor; diese Stunde war längst bei ihr gekommen. Alles stellte sie ihm anheim; und warum auch nicht? – Sie war ein edles Weib; doch