, indess gar merklich dass widerlegten, was man in der Regel zu behaupten pflegt: dass dergleichen Ausgewachsene oder Harzige sich in Hinsicht der Seelen durch Verschlagenheit und Lift und dem Fleische nach durch körperliche Stärke auszeichnen. Wenn die Spruchstelle: "Hüte dich vor dem, den Gott gezeichnet hat," (so wie die meisten Exegeten der höckerigen Meinung sind) geradezu auf die Buckeligen geht, so kann man mit Bestande der Wahrheit hinzufügen: Excipe die Circumflexer. – Unser Held war aus dem S t a m m o h n e . Wie der S t a m m m i t z u d e m M i t gekommen, erhellt aus einer
§. 4.
Legende,
die bei der Familie durch Tradition, und also nicht im Kasten Noä mit fünf besonderen Schlössern, aufbewahrt wurde, und die ich curiositatis gratia, so wie ich sie empfangen habe, erzählen will.
Es war einmal A d a m S e m H a m J a p h e t F r e i h e r r v o n R o s e n t h a l , der wegen seiner Stärke, um bei der heiligen Schrift zu bleiben, S i m s o n , und wegen seiner Schönheit J o s e p h heissen konnte. Ich würde ihn mit dem Königssohne A b s a l o m vergleichen, wenn der Herr Vater des Prinzen A b s a l o m von alter Familie gewesen wäre, und Se. Majestät nicht in Dero Jugend das liebe Vieh gehütet hätten. – Hierzu kommt, dass Se. königliche Hoheit an einer Eiche hangen blieben. (Schade, nicht um den Prinzen, sondern um sein schönes Haar! –) Das schwarzbraune Haar unseres Adam Sem Ham Japhets, das Absalom gewiss nicht köstlicher haben konnte; seine Ritterstirn, die sich wie ein Fächer in Falten legte und öffnete, je nachdem es Styli war; sein Potsdamer Wuchs – alles und jedes erhob ihn zu dem seltsamsten mann seiner Zeit. Jeder teil seines Körpers schien es auf eine besondere Festung anzulegen und auf sichere Eroberung Anspruch zu machen. Er war vom Schlage der Antinousse, ging übrigens, wie es sich eignet und ziemet, ländlich sittlich, ehrlich und ordentlich zu Werke, und spannte alle diese Natursegel nur auf, um den Hafen eines einzigen schönen und reichen Fräuleins zu erreichen. Diese Bescheidenheit gab allen seinen Eigenschaften ein reizendes Colorit. Sein Haus ward durch diese Heirat, durch Fleiss und Oekonomie gross, und allgemein erscholl die Rede, er werde sich, wie man es nannte, g r a f i r e n (in den Grafenstand versetzen) lassen. Bei allem, was dem Publikum zum Besten gegeben wird, ist Wahrheit die Basis; indess, um es schmackhaft zu machen, mischt, wer die Kunst versteht, etwas für den Gaumen hinzu; er bemüht sich (um ein anderes Bild aufzustellen), durch seine falschen Steine eine Wahrheit zu erspiegeln, und jedem seiner Lügenschlösser legt er ein Fundament von richtigen Umständen; nur selten bauet er auf Sand, wie Stümper, die entweder nicht lange genug im Dienste des Lügenvaters gewesen sind, oder denen es an Genie fehlt, seinem Unterrichte Ehre zu machen. – Unser Freiherr hatte wirklich öfters den Gedanken, für sein so reich gewordenes Haus den Grafenstand zu suchen, den er auch eben so wirklich gesunden haben würde. Bloss der weise Umstand, dass die von der gräflichen Familienlinie ä l t e r e Grafen gewesen wären, erzeugte die reifere überlegung, lieber zu bleiben, was er war, und sich auf andere Art unsterblich zu machen. Man weiss z.B., dass er einen prächtigen Kirchturm, drei neue Glocken und einen Riss zu einem neuen Beichtstuhle veranstalten, dem Pfarrer loci eine Speisekammer und was sich bei Küche und Speisekammer von selbst versteht – anlegen liess; und wenn gleich einige naseweise Klüglinge ihm den Rat gaben, den Teilhabern der in seinem selbsteigenen Hospitale befindlichen Armen ein paar Pfennige zuzulegen, so fand er es doch weit rühmlicher, das Hospital durch eine schöne Uhr zu zieren, als diese Zulage einzuräumen, da es wohl auffallend den Vorzug verdient, ganz richtig zu wissen, wenn es Mittag ist, als etwas zu essen zu haben. – Sein Geld trug, wie sein Acker, tausendfältig, ohne dass er den Boden und alles, was sonst um und an ihm war, anders als landüblich behandelte. Die Glücksumstände unseres Freiherrn wurden zu gross, als dass sie nicht die toten Kohlen des Neides hätten ins Leben hauchen und sie glühend machen sollen, obgleich der Kohlendampf den Neidern oft mehr als den Beneideten schadet. Der gemeine Mann schrieb in beliebter Kürze und Einfalt dieses fast unerklärliche Glück dem Alp zu, der nicht allein drückt, sondern auch beglückt; die Philosophen damaliger Zeit behaupteten: es hätte sich im Rosental'schen schloss ein Schatz gefunden; die Juristen, die am seltensten den Punkt treffen, waren der federleichten Meinung: er hätte seine Schwäger bei der Teilung hintergangen; die Politiker sagten sich ins Ohr: er wäre ein Spion und geheimer Briefträger einer benachbarten Macht; die Teologen, die er Ehren halber weidlich bewirtete, machten alle jene Aus- und Einfälle durch die fromme Belehrung caput: Gottes Segen, an dem alles gelegen sei, habe ihn reich gemacht ohne Mühe! – Niemand traf den Nagel auf den Kopf; und freilich konnte man so leicht nicht erraten, dass allein