seinem lieben weib, wiewohl lange nach der Taufhandlung, zuwandte. Das gute Weib ist viel zu gefällig, als dass es nicht erlauben sollte, an dieser Auflösung teil zu nehmen.
Nicht auf das, was vor Augen ist, sondern auf das Herz und die Gesinnungen kommt es an. Ich habe nun einmal 24 Regenten zu Taufzeugen erkoren; ob sie wirklich dazu schriftlich eingeladen worden sind, und diese Einladung angenommen haben – darauf kommt es wohl nicht an. Die Sache nach christlichen Sitten genommen, konnten sie nicht Nein sagen. Hätten sie wirklich eine abschlägige Antwort erteilt, so würden sie unrecht gehandelt haben, und es war sehr gut, dass ich sie zu dieser wirklichen Sünde nicht kommen liess. Nahmen sie es aber an, wie wohl zu vermuten ist, so kam ich durch einen Richtsteig weit kürzer an Ort und Stelle, wohin ich auf dem geraden Wege weit langsamer gelangt wäre. Hab' ich nicht das Porto erspart, wodurch sich die Postbedienten mehr als der Staat bereichern? Ein negativer Paten- und Ehrenpfennnig! Ich verlange nichts, als die hohen Namen der Regenten, und auch diese nur im Kirchenbuche, das, so Gott will, ausser dem Pastore loci niemand lesen wird. Ob nun diese Namen, die in jedem Fingerleinkalender stehen, beiläufig auch im Taufbuche vorkommen – was will das sagen? Tat ich mehr, als dass ich diese Namen aus den Kalendern in das Kirchenbuch eintragen liess? Erhöhte ich nicht, was erniedrigt war? – Sollte mein A B C- Sohn der hülfe seiner hohen Paten bedürfen, so würde' es niedrig sein, sich auf einen Umstand zu berufen, der so wenig zur Sache tut, wie eine Patenstelle. Hat er Verdienste – bedarf er wohl dieses Mittels, um überall hülfe zu finden? Der edle verdienstvolle Mann hat überall Paten. Ist es Anreiz für meinen A B C, sich emporzuheben, so nehme man es doch mit dem Beweggrunde zum Guten nicht so genau. Nur auf den Umstand, dass das Gute geschieht, kommt es in der Welt an. – Dass die Herren Volksrepräsentanten nicht wissen, wen sie vorstellen, ist nichts ungewöhnliches; wie selten wissen sie das? Und dass ihrer nicht eben 24, sondern mehr in der Taufkapelle waren – was tut das zur Sache? Die Anzahl der Repräsentanten von England im Unterhause beläuft sich auf 489, derer von Wales auf 24, derer von Schottland auf 45, überhaupt auf 558 Mitglieder. So unverhältnissmässig als möglich! Und wem ist es unbekannt, dass die Herren Kandidaten von den Wahlmännern die Stimmen, wie der Emsige, seliger, Weizen, Roggen, Gerste, Hafer u. dgl., erhandeln? Man sagt, dieses Wahlgeschäft sei in England ein Handelszweig, und dieser Seelenkauf und Verkauf bringen 3 Millionen Pfund Sterling in Umlauf, und komme selbst der Regierung an 500,000 Pfund Sterling zu stehen. Geschehen dergleichen Dinge am grünen Holze – warum sollten sie am dürren bedenklich sein? – Was in London geschieht, kann auch in Rosental geschehen. Oder könnten sich etwa die regierenden Herren für beleidigt halten? Bin ich nicht Edelmann, Ritter und reich? Wird nicht alles im allerstrengsten Incognito getrieben? Auch kann diese Sache den regierenden Herren nicht schwer fallen, da sie von diesem Geschäfte (wie es wohl oft der Fall ist) selbst nichts wissen. In der Tat, wenn es ihnen nicht viel Mühe macht, tun sie nicht ungern Gutes. Der Gevatterstand ist etwas Gutes, das ihnen gar keine Mühe kostet; sie wissen nicht, dass sie es tun. Verlang' ich für den Paten eine Fähnrichsstelle? Eben so wenig wie einen Doctorhut! Mag er sich alles selbst verdienen, und mögen Schleicher ihre Windelsöhne zu Fähnrichen wachen; ich nicht also.
Die Baronin war völlig überzeugt, und konnte nicht begreifen, warum man überhaupt zu Gevatter bäte, und warum man nicht schon längst die Gewohnheit eingeführt hätte, nach Wohlgefallen in das Kirchenbuch einschreiben zu lassen, wen man wolle. Gewiss, sagte sie, werden die gekrönten und fürstlichen Häupter es hoch aufnehmen, dass man sie bloss unter ihres Gleichen eingeladen hat. Nicht immer werden sie es so gut haben wie bei dieser Taufhandlung. – Die Toleranz war ein Hauptzug bei dieser Feierlichkeit. Da kamen von allen Confessionen, Zungen und Sprachen die Volkshäupter zusammen, und vertrugen sich brüderlich. Den türkischen Kaiser hatte der Ritter nicht gebeten, und wie konnte' er auch, da er ein Hauptfeind des Ordens ist, und das heilige Grab noch bis auf den heutigen Tag von diesem Vater des Unglaubens so schnöde vorentalten wird?
Doch es ist Zeit, dass wir den Ritter als Täufer sehen! Es wird ein Zeichen durch die Essglocke gegeben, dass jedes, wess Standes, Geschlechtes und Würden es wäre, sich in die Kapelle, oder, damit man nicht X für U nähme, in die Taubenkammer, zur Abgabe seines Ja einfinden sollte. Ich darf wohl nicht bemerken, dass es an Ja-Herren und Frauen nicht gefehlt haben wird. Man dünkte sich viel, dass der gnädige Herr geruhte, seine untertänigen Knechte und Mägde in solchen Gnaden anzusehen. Nur der lose Schulmeister, der im Herzen des Dafürhaltens war, dass nicht der Ritter, sondern er, ein eigentlicher Nottäufer vigore officii wäre, schüttelte den Kopf und flüsterte dem Gevatter Nachtwächter ins Ohr, dass heute dem dorf gebratene Tauben in den Mund fliegen würden, welches der Nachtwächter sich lächelnd ad notam nahm