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oft in alle Welt gesandt, um die regierenden Herren vorzustellen! Und doch sollen diese Herren Repräsentanten, wie man sagt, ihre Originale übertreffen und ihre Rollen oft besser machen, als sie. – Unser Ritter bewirkte diese wichtige Sache in der stillsten Stille und so einsam, wie weiland Se. kaiserliche Majestät Domitian der Fliegenschütze sich von seinen Regierungssorgen erholte. Bloss die Frau Sechswöchnerin war von dem Vorhaben des Herrn Gemahls unterrichtet, und sie zerbrach sich denn auch sehr den Kopf, wie doch diese gekrönten Häupter unter einander wegen des Ranges einig werden, und besonders, welchen Platz Se. Heiligkeit sich zueignen würde? Ihr fiel ihr Durchlaucht die Fürstin Fingerlein ein; indess hatte sie nicht nötig sich gegen das lachen zu waffnenda wohl gewiss bei einer hohen Versammlung. in Menschengöss kein lachen besorgt werden konnte. – Auch erfuhr es nach der Zeit der Pastor loci, welcher gegen die Gebühr von 24 dukaten diese 24 regierenden Herren in das Kirchenbuch eintrug, und wohlbedächtig die alphabetische Ordnung wählte, um in Hinsicht des Ranges aller Verantwortlichkeit für jetzt und in Zukunft, wenn sein Taufbuch höchsten Orts requirirt werden sollte, auszuweichen. Man sagt, einer unter den dukaten sei ein Kremnitzer, und zwar ein beschnittener, gewesen, und der Pastor loci habe sich die Freiheit genommen, ihn auf die Rechnung des heiligen Vaters zu setzen. – So leicht es um und um genommen dem Ritter ward, die hohen Taufzeugen zu vermögen, dass sie die Patenstelle übernähmen, und sie beiläufig in der Taubenkammer in eine geistliche Verwandtschaft zu bringen, so ward es ihm doch äusserst schwer, die übergangenen Potentaten zu beruhigen, dass er sie nicht zu Taufzeugen gebeten hatte; denn über die Buchstabenzahl hinaus zu gehen, war nicht sein Wille. – Auch mussten sich die Majestäten und Durchlauchten, Se. Heiligkeit nicht ausgeschlossen, in höchsten Gnaden gefallen lassen, dass dem Täuflinge nicht ihre Namen beigelegt wurden, indem er hierdurch mit dem goldenen A B C, das er sich einmal zur Richtschnur auserkoren hatte, in tausend Händel gekommen wäre. Durchaus wollt' er es nicht mit dem A B C verderben, wozu er auch sehr viele gute Gründe hatte. Jetzt schrieb er auf sein Täflein, und strich aus, dass es Schand' und Sünde war, bis er denn endlich, wie Zacharias, den Nagel auf den Kopf traf. Schwert und Lanze haben ihre Zeit; allein kleine Steine haben auch die ihrige, und sind dem Magen und dem kopf, wäre das Ziel auch der Flügelmann Goliat, und der Schleuderer der ahnenlose König David, gleich gefährlich. "Ja, ja; nein, nein: das Drüber und Drunter kann den Kohl nicht fett machen;" sagte unser Ritter, und schrieb und sprach: er soll A B C heissen. "So," fuhr er fort, "hat er, wenn man's in abstracto nimmt, alle Namen in der ganzen Welt, und in concreto die ersten und besten Namen, die von Anbeginn gewesen sind und bis aus Ende sein werden, Sela! Auch kann man unter A den Vokal der Seele, den lebendigen Odem aller Buchstaben, den Adam, den Stammvater aller Lebendigen, verstehen." Ad vocem A d a m kam er noch auf andere, weit tiefere Bemerkungen, die zur Sache gehörten. Adam, fuhr er fort, gab allen Tieren und allem Dinge, was Selbstlauter war, Namen, oder er holte sie aus dem Wesen dieser Vocal-Dinge heraus, indem er sie, so zu sagen, dem Dinge nachhallte, das er taufen wollte. Er schöpfte das Taufwasser aus dem Dinge selbst, konnte man sagen, oder sein Taufwasser war Springquell und nicht Fluss- oder Teichwasser. Diess Adamslexikon scheint denn nun wirklich in Dingen, welche Vokale und nicht Consonanten sind, bei nur einigem musikalischen Gehör auch so schwer nicht; was aber die Consonanten-Dinge, deren es freilich so viele in der Welt gibt, betrifft: so hat der junge Adam sich hier freilich als Meister bewiesen. Die ritterliche Nutzanwendung? Wie geht es zu, fragte er, dass der Sohn meines Leibes, der, wenn er gleich nicht Johanniterfähig ist, doch immer ein Vocalis genannt zu werden verdienen wird, mir in puncto der Namen so hoch zu stehen kommt?

Es ist gewiss eine Denkwürdigkeit, dass ich die eigentlichen Namen unseres Helden, aller ersinnlichen Mühe, die ich angewendet, ungeachtet, nicht habe herausbringen können. Im Kirchenbuche war nichts als A B C D E F G H I bis X Y Z, nebst den hohen Taufzeugen verzeichnet; und ich habe Ursache zu glauben, dass unser Held seine 24 Namen selbst nicht gewusst haben mag; – denn in der Tat, es gehört viel Gedächtniss dazu, 24 unbedeutende Worte zu behalten. Auch weiss ich nicht, warum man nicht so gut A B C, als Gregor heissen könnte; – Namen sind Zeichen.– Dass unter A A d a m zu verstehen gewesen sei, ist wohl keinem Zweifel unterworfen, und da die hohen Taufzeugen wegen dieses Mangels an Aufmerksamkeit abgefunden sind, so weiss ich in der Tat nicht, wie irgend sonst jemand es sich herausnehmen könne, bedenklich zu tun.

Weit wichtiger scheint mir der Einwand: Wie unser Ritter nach der Zahl der Buchstaben ein vier und zwanzigmaliges Falsum begehen und dazu gegen 24 Dukaten in gewisser Art auch den Pastorem loci habe verleiten können. – Hier ist die Auflösung, die er