, eine Aussicht, die, wenn ich so sagen darf, ins Unendliche geht, macht uns glücklich: – sie ist ein Bild, das uns bloss vorgaukelt und verschwindet, wenn dagegen das Nahe uns so steif und fest vorschwebt, und auswendig gelernt wird, dass es uns oft beschwerlich fällt. Diess ist ein Bild der Zeit, jenes ein Bild der Ewigkeit. – Selige Ewigkeit! – Unser Baron konnte in der Tat nicht glücklicher sein, als er durch diesen Vorschmack der Zukunft geworden war. Die Imagination begnügt sich nicht mit landüblichen Zinsen; sie erbauet für das Geld, wovon kaum eine Hütte zu stand kommt, einen Palast. Unser Baron hatte sich so tief in diess weite Feld ververloren, dass er Mühe hatte sein eigenes Haus zu kennen, wohin er, ohne zu wissen wie, gelangt war. Es kam ihm jetzt alles so klein vor, dass er nicht begreifen konnte, wie bis dahin Raum für ihn in der Herberge gewesen wäre. Der Sohn seines Leibes war ausserordentlich schwach; und diess brachte ihn aus den Wolken auf die Erde. Er schickte einen Courier zum Prediger loci, und gleich hinterher feurige Rosse und Wagen, um die heilige Taufe zu beschleunigen. Während dieser Extrapost-Veranstaltung war es ihm eingefallen, ob er nicht selbst in hochwürdiger person, versteht sich, nur dann, wenn der Pfarrer nicht zu haus wäre, den Taufactum übernehmen könnte; und dieser Gedanke eröffnete allem andern, was sonst in seinem Kopf und Herzen vorging, eine andere Bahn. Da stand er, der geistliche Ritter, in Lebensgrösse! Auf einen Berg Gottes hatte' er sich in seinem hohen Sinne postirt! Ein Hoherpriester dünkt' er sich, unter dessen Füssen die andern Priester ihr Werk trieben; ein Adler, der zur Sonne fliegt, und unter dem tief gesunkene Krähen schreien, und Sperlinge Fliegen fangen. Erwünscht! Der Pfarrer hatte zu einer unglücklichen Stunde den Entschluss gefasst, seinen Schwager zu besuchen, und nicht etwa über Feld, sondern über Land zu ziehen. Erst nach drei Tagen sollte er zurückkommen. Freilich hätte unser Ritter nach einem andern benachbarten Geistlichen schicken, oder auch die Heimkunft des Herrn Ordinarii abwarten können, da das Kindlein seit der Zeit sich wenigstens nicht verschlimmert hatte; indess sah er diesen Vorfall als göttlichen Ruf an, und so ward denn zur Vorbereitung geschritten. Bei der Komödie ist die probe das beste; und wer hat nicht bemerkt, dass die Anstalten zu jeder Feierlichkeit das Hauptstück bei der Sache sind? F r i e d r i c h II., König von Preussen, fragte bei gelegenheit eines Gevatterstandes den taufenden Geistlichen, dem er beliebte Kürze hatte empfehlen lassen: ob er auch etwa einen notwendigen Tropfen des Formulars ausgelassen habe? (Der Taufactus kam ihm nämlich zu sehr epitomirt vor.) Sollte denn nun wohl nach dieser Frage des allerchristlichsten Königs F r i e d r i c h s II. jemand scheel sehen, dass ich meinen Helden umständlich nottaufe? Not hat kein Gebot; und wer ist es, der mir hier Regeln vorzeichnen will? – Der erste Vorbereitungsumstand war der Ort, wo die Taufhandlung geschehen sollte; und da ward nach genauer Hausvisitation beliebt, dass kein schicklicherer Ort, als die verfallene Capelle, dazu gebraucht werden könne. Zwar war sie seit undenklichen Jahren zu einer Taubenkammer entwürdigt worden; indess ward sogleich der Befehl zur Läuterung und Reinigung erlassen. Unmöglich konnte der Taubenrost von so geraumer Zeit, der sich hier überall angesetzt hatte, so schnell ausgefegt, und eine Taubenkammer in so kurzer Zeit wiedergeboren werden, dass der alte Adam nicht immer auf die Aergerniss suchenden fünf Sinne hätte wirken können. Der Stall des Augias schien dagegen ein Kinderspiel. – An Geld fehlte es nicht; aber obgleich selbst die Hochseligkeit feil ist, so hat doch das Geld in gewissen Fällen, z.B. in Hungers- und Durstnot, in Gewissenssachen keinen wirklichen Wert. Auch verlor es seinen Valeur in der Taubenkammer. Zum Glück wusste unser Hochwürdiger durch ganz andere Mittel dieser Nottaufhandlung eine Würde beizulegen, die ein gewöhnlicher Geistlicher zu leisten nicht vermag. Hier kann ich den Wunsch nicht bergen, mit den Gaben eines schriftstellerischen Apelles ausgerüstet zu sein, denn ich bekenne frei, dass mir diese Scene fast zu schwer zu malen scheint. Lieber wollt' ich die weiland Königin Elisabet von England darstellen, die, wie bekannt, durch v o n G o t t e s G n a d e n schön sein und aus einer Taubenkammer eine Taufcapelle erzwingen wollte. – Zu Gevattern wurden nach der Zahl der Buchstaben 24 regierende Herren, den heiligen Vater mit eingeschlossen, gebeten. Wenn gleich unser Ritter lange in gerechtem Zweifel war, ob und in wie weit Se. Heiligkeit diesen Gevatterstand in einer evangelisch-luterischen Taubenkammer anzunehmen geruhen würde, so entschloss er sich doch, bei gelegenheit dieser Taufhandlung dem heiligen Vater den Pantoffel zu küssen, und war ausser sich vor jubel, dass Se. Heiligkeit nach allen gehobenen Schwierigkeiten am Ende kein Bedenken trug, Ja zu fragen. Das darf denn auch wohl keinen Wunder nehmen, da die andern Dreiundzwanzig Herren waren, deren Se. Helligkeit sich nicht schämen durfte. Beiläufig dient zur Nachricht, dass das Gevatterbitten im geheimsten Incognito geschah, und dass die, welche die Paten vorstellten, wahrlich zu Gesandten nicht erkoren zu sein schienen. Indess kommt es in allen grossen Dingen vorzüglich auf die Einbildung an. Was für Jünger werden nicht