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, wie zur Zeit des wohlseligen Ritter S die Missbräuche des Wortes K r e u z . – Amalie, der er seine Sünde bekannte, verzieh ihm, nur er selbst kann sich nicht verzeihen. Er wird nach wie vor Vetter genannt, nur er untersteht sich nicht, diesen Namen zu erwiedern und ist in einer ähnlichen Verlegenheit mit der Rosental'schen Familie, wie der Reitknecht mit Protagoras.

Michael ist von seinem Herrn zum Pächter eines ansehnlichen Teils seiner Güter angenommen, nicht mehr sein Begleiter, sondern sein Freund. Wer, ausser dem Demokraten Heraldicus junior, kann ihn minder schätzen, weil er Begleiter war? Ich stehe dafür, in kurzem wird auch Heraldicus Michael völlig für Protagoras erkennen. – Nichts ist Michael angenehmer, als dem ersten Beförderer seines Glücks, seinem Gamaliel, so viel von Ordensangelegenheiten zu entdekken, als möglich ist. – Kann man sagen, dass Protagoras zur Schwärmerei Anlage hatte? Nahm er nicht die Sachen nackt und entkleidet von aller Kunst und jedem Feigenblatte? – Und doch befindet er sich, wenn nicht zu den Füssen, so doch an der Hand Gamaliels, und nur noch jüngst sprachen beide von herzerhöhender Musik, durch welches Medium sie, wenn Gott will, noch Geister zu sehen hoffen. Die köstlichen Perlen, die Pastor seinem Schoossjünger verkauft, sind Elektricität und magnetische Kraft. Schade um Michaels gefunden Kopf und natürliche Anlagen! Es ist doch dem besten kopf nicht zu trauen, dass er nicht umschlage, wenn er ohne alle Schule ist! – Zuweilen zieht er sein Grabeskleid auf eigene Hand an, und würde dem Pastor öfter diese Freude machen, wenn seine Gattin minder darüber spottete. – Anstatt den Pastor zu unterrichten, erweiset der Pastor ihm diesen Dienst, der ihn mehr als seinen Eidam liebt. Michaels Frau, die Pastorin und ihre Tochter Käte sind enge Freundinnen. Michaels Aeusseres ist sehr abgeschliffen. – Er geht mit abgeschnittenen Haaren; – Heraldicus junior muss, Kätchens wegen, sich täglich frisiren.

Der R e i t k n e c h t ist nicht verstossen. Sein edler Herr wollte ihn versorgen; allein der Engländer liess es sich nicht nehmen. Seitdem er sich mit einigen im Orden verband, Schlösser insgeheim aufzumachen, gab er die Vetterschaft mit Michaeln von selbst auf. Er würde es sich nicht weiter unterstehen, Michaels Vetter zu sein, wenn dieser es auch erlaubte; – und doch wett' ich Hundert gegen Eins: nichts als die Begierde, in Ordenskenntnissen sich dem Protagoras zu nähern, habe ihn zu dieser unrechten tür des Schafstalls gebracht. – Er ist zu entschuldigen, nicht zu rechtfertigen.

Die Schauspielerinnen sind durch die Freigebigkeit des Engländers verheiratet; doch leben beide so glücklich nicht, als sie könnten, wenn sie wollten.

Noch die S c h l u ss f r a g e , die sich hören lässt: wie ich zu diesen K r e u z - und Q u e r n a c h r i c h t e n gekommen? Das jetzige Rosental'sche Conseil einigte sich über die Data, die mir gegeben sind. Von dem kleinsten teil habe ich Gebrauch gemacht. Bei Ordenssachen hätte ich hier und da weniger Vorhänge gewünscht. Gastvetter, Johannes und der Engländer waren dafür, dass wenig oder gar nichts verhängt werden dürfte; der Ritter blieb anderer Meinung: er glaubte, verpflichtet zu sehen, Geheimnisse zu verschweigen, wenn sie gleich, ohne es zu sein, bloss so heissen; doch verhängte er nichts, worüber er kein Gelübde geleistet hatte. Ohne diese Peinlichkeit des Ritters, wäre der Engländer gewiss der Freigebigste gewesen. Er schien ein Feind aller Vorhänge zu sein. – Dem neugierigen Pastor gehörte die e r s t e idee, dieses Buch zu schreiben, das er bis jetzt bloss stückweise gelesen hat. – Ob ihm s e i n e e r s t e idee gereuen wird?

Sophie, Mutter, und Tochter, wollte nicht minder die ritterlichen Kreuz- und Querzüge von A bis Z wissen, in so weit es nämlich sie zu wissen erlaubt war. Abgerechnet, dass bei den V o r handlungen auch mancher Ordensbruder sich untergeschoben hat, ist das Geld des Ritters nicht besser angewendet, als wenn er sich auf galanten Reisen um Gesundheit der Seele und des Leibes gebracht hätte? – Wer irrt nicht von A bis Z, und von Z bis A? Ob als Ritter oder Richtritter, tut nichts zur Sache. Die irrende Ritterschaft unseres A B C war nicht ohne Segen; und Heraldicus junior behauptet, wenn seine Gattin ihm nämlich so weit Spielraum lässt: irrende Ritterschaft sei eigentlich die wahre; und wo nicht drei-, sieben-, neun- und zehnmal, so doch weit besser als die nicht irrende. Ein grober Irrtum! In Rosental haben diese Kreuz- und Querzüge im Manuskript manche frohe Stunde gemacht. Wie es die Leserwelt damit halten wird, muss die Zeit lehren. – Der alten Baronin hat man einige Stellen verhängt. – Heraldicus junior weiss bis jetzt nicht, dass sie gedruckt sind. – Der Ritter A B C hiess vom Tage der Verlobung an Baron; seine Ritterschaft unter der Weste ist von A bis Z abgelegt.

Sollte wohl jemand glauben, ich hätte zu viel von Ordensgeheimnissen entdeckt? Zu viel? Da man in unsern Tagen gesicht und Geister zu zeigen so unbedenklich ausbietet, wie ehemals Elephanten, Riesen und Zwerge? – – Und wenn man seinem nächsten