Jungen, wert, nach Familiensitte mit ihrer Mutter, und zwar im Wohnsitze des Seniors, in den Familienstammbaum eingetragen zu werden! E t w a s von der Hochzeitrede? Gern! obgleich die Rosentalsche Familie mit Hochzeitreden nicht sehr glücklich ist. Jene, des Gewissensrates, mischte Tod und Leben, Freud' und Leid, himmlische und irdische Braut, wie ein Spiel Karten in einander, so dass der Herr Amtsbruder selbst nicht wusste, ob er auf Erden oder im Himmel ein Hochzeitgast wäre. – Gamaliels Text war: U n s e r W a n d e l i s t i m H i m m e l ; doch nahm er die Worte: d a e r e i n e k ö s t l i c h e P e r l e fand, ging er hin und verkaufte a l l e s , w a s e r h a t t e , seinem Text zur Aushülfe an. Wäre vom Engländer eine Seelenhochzeitrede bei dem Pastor bestellt worden, sie hätte nicht erwünschter ausfallen können, und doch war sie geradezu gegen ihn. Sie handelte, wie es nach der Meinung des Pastors ganz offenbar im Texte lag, von der Elektricität und von der magnetischen Kraft. Ein paar fruchtbare Gegenstände! Der Anfang seiner Rede war: alles liebt; der Misantrop selbst liebt seinen Menschenhass. Wie sie s c h l o ss , wird man mir des Anfangs halber schenken. – Heraldicus junior nannte diese Rede eine Geistercitation. Ich will und kann meine Leserwelt weder damit magnetisiren noch elektrisiren. – Einen passenden Anhang zu den bewussten drei Predigten über den Glauben – würde sie abgeben. Der Engländer hatte dem Bräutigam ein Kanonikat gekauft, und dieser musste am Hochzeitstage durchaus Stern und Kreuz über der Weste anlegen, worüber sich ganz Rosental – versammelt in der Taubenkammer (es war jetzt eine förmliche Kapelle geworden) – herzlich freute. Seit der Zeit trägt unser Ritter diese Ehrenzeichen nicht mehr, die seiner Mutter während der Hochzeitrede eine Träne im Auge zu stehen kamen. E r und s i e , Sophie und der Ritter, gehören wahrlich zu den trefflichsten Menschen in der Welt. Nie ist ein Paar glücklicher gewesen, als das unsrige. – Ueberall blühen ihm Rosen von Jericho und neben ihnen die bescheidenen Blumen je länger je lieber. – Ich war das letztemal in Rosental, als d i e F ü r s t i n ** einen Besuch machte, Alles schien i h r geschmackvoll und edel. Sie kehrte mit dem Entschlusse zurück, wenigstens drei Monate (eine heilige Zahl!) die Seligkeiten des Landlebens zu geniessen und die Stimmen der Lerchen und Nachtigallen den italienischen Trillern vorzuziehen. Wenn die Durchlaucht nur nicht vergisst, dass zum Landleben eine Rosentalsche Gruppe gehört! "Welch ein Unterschied, hier einen offenen, geraden Weg zu betreten, und dort sich durch eine steife Etikette durchzudrängen; hier unbemerkt durch Blumen und Gesträuch zu wandeln, und dort durch Dornen und Disteln des Neides verwundet zu werden; hier die einfache Predigt der natur über das Lob des Schöpfers anzuhören, wenn von dem unbedeutendsten Grase bis zur hohen Eiche seine Güte verkündet wird, und dort sich durch den auf Stelzen gehenden Oberhofprediger betäuben zu lassen, der mit strotzender Gelehrsamkeit beweiset, woran niemand zweifelt, – oder niemand glaubt! Warum erschwert der hochehrwürdige Mann doch alles, was so kinderleicht i s t !" Ja und Amen, Durchlauchtige Fürstin, sagte in Rosental alles zu dieser Apologie des Landlebens, und war und ist seelenfroh, hier das Menschenleben zu geniessen und die Zukunft, ohne sie zu wünschen, und ohne sie zu fürchten, zu erwarten. Eldorado ist freilich nicht hier; doch als Stufe, ist die Rosental'sche Existenz zu verachten? Soll ich noch zum
§. 184.
Schluss
an Nebenpersonen dieser geschichte denken? Wer kann es, wenn man eine Gruppe so herrlicher Menschen vor sich hat, die ich nicht lassen kann und werde, bis ich alles verlasse! – Es hat sich in der ganzen Rosental'schen Gegend ein Geist verbreitet, der den unordinirten Ordensmännern keine Schande macht. Die Familie, und vorzüglich der jüngste Kastenherr, die zweite Edition des wohlseligen Ritters, lebt mit dem Rosental'schen haus in guter Harmonie. – D i e N a c h b a r s c h a f t gewinnt unendlich durch das liebenswürdige Rosental'sche Haus, und die, welche man darin aufgenommen hat. – fräulein B. und C. sind jetzt, da ich diess schreibe, entweder wirklich schon Bräute, oder werden es in kurzem. – Gastvetter und Engländer sind die Freiwerber gewesen. – Ihre Liebhaber sind ein paar treffliche Cavaliere in fürstlichen Kriegsdiensten, denen ihre Vorgesetzten, und – was noch mehr ist – ihre Kameraden das zeugnis d e s V e r d i e n s t e s geben! – Und fräulein A? Ist die Gemahlin – – des C a v a l i e r M ü n d e l s , dem der Gastvetter und – auch seine Tochter verziehen hat, welche bei seinem Namen Vorwürfe, die ärger als eine öffentliche Busse ist. Warum C a v a l i e r M ü n d e l ein Feind von Gärten, besonders von Blumen in Töpfen ist, darf nicht weit gesucht werden. Man vermied in seiner Gegenwart die Wörter B l u m e n und B ä u m e