– Vernunft fragt, das Herz lehrt zur rechten Zeit mit fragen aufzuhören. – Und was helfen Zweifel, wodurch man die Ruhe anderer zerstört, ohne das mindeste zu gewinnen? – Heraldicus junior gehörte nie zu jenen Philosophen, die unter alles Säuren mischen, und ist ein Zustand des menschlichen Lebens so gut, dass man die Absicht seines Daseins völlig, und ist ein Zustand so schlecht, dass man diese Absicht nicht auf eine Art erfüllen könnte? Tue das, so wirst du leben. Michaeln erkennt Heraldicus junior je länger je mehr für Protagoras und tut wohl daran. – In der Tat, man kann g r o ss im Dienen und k l e i n im Herrschen sein.
Sophiens Vater hatte seine Güter in ** veräussert und sich nicht weit von Rosental ein kleines Gut gekauft, um abwechselnd seine Kinder zu besuchen und von ihnen besucht zu werden. Es war ein Opfer, das er seiner Tochter gern brachte, als er einen andern Staat verliess, der ihm nie schwer gefallen war: – alles was man von einem staat fordern kann! Und Johannes? Von Herz und Geist ein Mann! Warum doch ein Hagestolz! Er, der in allem durch Entaltsamkeit zum Genuss sich vorzubereiten, der zu rechter Zeit das Geniessen abzubrechen versteht, und der im Gedichte die Wahrheit als Hauptperson anerkennt; der von den sieben Weisen nur den Tales dafür gelten lässt, weil die andern sechs seiner Collegen Stifter und Regierer von Staaten waren, würde jedem Posten Ehre gemacht haben, wenn es nicht ein noch grösseres Amt wäre, ohne Amt zu sein. – Das Reich eines edlen Mannes ist wahrlich nicht von dieser Welt. – Neid, Hass und Verfolgung bringen ihn hier zu Unmut und sein Ansehen dauert selten länger als zehn Jahre, wenn es hoch kommt, sind es fünfzehn Jahre, und wenn es köstlich gewesen, ist es Mühe und Arbeit gewesen. Alles, was käuflich und verkäuflich ist, hat keinen Wert für die Menschheit; jeder kann es haben, wer Geld hat, und wer hat es in der Welt? Gott! wer? – Wohl dem guten Johannes, dass er frei – recht frei ist, dass er die Rosental'sche Gruppe dirigirt, o h n e z u t h e i l e n , u m z u r e g i e r e n , und ohne zu vergleichen, um geliebt zu werden. Wenn der Gastvetter das Missverständniss zu heben zu schwer findet, legt es Johannes bei. – Mit allem und mit unserm Zeitalter besonders ist er zufrieden, wenn er gleich an ihm die gar zu grosse Vorschnelligkeit, die Vor- und Eigenliebe zum Praktischen, zum unmittelbar Nützlichen oder Angenehmen tadelt und mit ihm nicht übereinstimmt, dass es nichts pflanzen und begiessen will, wovon es nicht auch höchsteigenhändig Früchte bricht und geniesst. – Der Ritter ist sein anderes Ich. – In puncto puncti hält sich der Ritter zwischen Dichtern und Dogmatikern. Er ist ein Kritiker und wird, will's Gott! nichts als absolute Wahrheit anerkennen, was höchstens relativ zugegeben werden könnte. – Die Gesellschaft, in der er sich befindet, ist ihm eine Loge zum hohen Licht. – Wahrlich! m a n w a n d e l t i m L i c h t e in Rosental. – Physik, Chemie und Astronomie, die Johannes bei ihm auffrischt, lassen den Ritter nie sinken. – Wenn der Gastvetter auf neue Nahrungszweige für die Vernunft fast zu mühsam ausgeht und ihr überall Erwerb verschaffen will, leistet er gern Gesellschaft und scheut den Weg nicht, nur glaubt er nicht, wie sein Schwiegervater, dass aus diesem Wege neue Naturgesetze zu entdecken sein werden. – In vielen Stücken ist er mir lieber als der Gastvetter. Doch wer ist es, der in der Rosental'schen Gruppe nicht an seiner Stelle und wert wäre – Mensch zu sein? – Jüngst zog ein Maler die Rosental'sche Strasse und der Engländer wollte durchaus das Ebenbild seiner Seelengeliebten, die gewiss nicht auf Stellungen denken durfte, um sich malen zu lassen. Es ward dem Künstler nicht schwer, sie bei einer edlen Handlung zu beobachten. Nicht allerliebst, w a h r ! ruft alles, was dieses edle Weib im Bilde sieht. – In der Tat, ein belohnendes Gewissen legt die höchste Erhabenheit und Schönheit in die Physiognomie. – Was ist affektirtes Lächeln und gezwungene Zärtlichkeit dagegen? – Der Engländer, entzückt über Sophiens Ebenbild, erlaubte mir gern eine Abschrift davon. Ihm gebührt der Dank, dass ich meiner Leserwelt Sophien so treulich darstellen kann. Dieser sonderbare Mann hat sich unweit Rosental niedergelassen – und durch ein Testament
§. 183.
das junge Paar
zu Erben eingesetzt. – Das j u n g e P a a r ? Allerdings, in dem Sinne der goldnen Zeit, wo immerwährender Frühling die Erde beglückt. – Warum ich Verlobung und Hochzeit übergangen? – Weil Moses sie in seiner geschichte des paradiesischen Paares überging. Mit der Hochzeitrede, einer Geduldsprobe, die gibt, kann ich jedem, der zu Meisterstücken in Lebensgrösse Luft hat, aufwarten. – – Etwas spät! denn unsere junge Ritterin hat ihrem Gemahl schon zwei Söhne geschenkt, die so, wie die künftigen Brüder und Schwestern derselben, nach den weise genommenen Beschlüssen der Rosentalschen Gruppe, nichts anderes l e r n e n werden, als was sie erwachsen t h u n sollen. In der Tat, ein paar