zuweilen von ihrer Strenge nach, und wenn gleich in Rosental Gefühl und Empfindung nicht in die Acht erklärt waren, so blieb doch alles in seinen Schranken, und ich wüsste keinen Ort, wo ein so lehrreicher und herzlicher Umgang stattgefunden hätte. Dem
§. 181.
Engländer
begegnete die Ritterin mit Schonung und achtung; L i e b e kam ihr nie in Sinn und Gedanken. Seine Seelenliebe, die sich oft sehr possierlich nahm, machte ihr keine unangenehme Stunde. – Ich weiss nicht, ob jemand meiner Leserwelt einen Seelenliebhaber von hing in der Phantasie des Engländers mit seinen herrschenden Ideen zusammen; er glaubte seine Eudämonie in ein haltbares System gebracht zu haben. Der gemeine Mann hält nur äusserst tätige Menschen für gross, er will Aufopferungen der Kräfte; unser Engländer, bloss mit sich und seinen Grillen beschäftigt, könnt' es nicht bis zur Hochachtung bringen; doch ward er geliebt: und bedarf es mehr, um glücklich zu sein? – Die Rolle eines Propheten würde ihn bis zur Bewunderung erhöht haben; aber sie lag ausser den Grenzen seines Kopfes und seines Herzens. Des Betrugs ungeachtet, den er dem Ritter spielte, war er ein schlichter Mann und zu Prophetenrollen unfähig, die oft Könige und Fürsten in Furcht und Schrecken setzen, wenn man sie gut zu spielen versteht. Schon das Aeussere des Engländers war einem Wundermanne nicht günstig, weder durch Majestät des Körpers, noch durch verkuppeltes Ansehen, wobei alsdann aus einem verzerrten gesicht ein feuriges Auge herausbrechen muss, hatte eine Prophetenfigur. – Gemeinhin kennt man den Wert der Unschuld nicht zeitiger, als bis man sie verloren hat. Unser Engländer nicht also. Vielleicht brachte diese Lage ihn zuweilen in eine Schwermut, die von ganz besonderer Art war. – Seine Behauptung, dass es nirgends mehr Rabatt und Tara als in der moralischen Welt gebe, floss nicht aus menschenfeindlichem Herzen; er glaubte an Unschuld und Tugend, er glaubte an ein paar Sophien und an die Rosental'sche Gruppe, und in Wahrheit, ein Teufel hätte in Rosental daran geglaubt und – gezittert. – Hier bedürfe es, sagte der Engländer, keiner Einladung guter Geister, Es hätten in diesem haus Gottes Menschen sich zu Engeln gemacht; und wenn man gleich ihre Tugenden nicht teurgisch nennen könne, so wären es doch Tugenden wirklich gereinigter und menschlich reiner Seelen. – Keine stimme dürfe hier konk ompax rufen. Fern von hier alle Ungeweihten, alle Gottlosen, alle Seelen, auf denen Verbrechen haften! Er war in seinem Eldorado. – Noch mehr vom Engländer? Mit sich zu strenge sein, heisst oft, sich über andere erheben wollen. Man lasse immerhin Menschen auf Dank ausgehen oder es heimlich auf Ruf anlegen, wenn nur Gutes befördert wird. Unser Engländer hatte sich die platonische Moral eigen gemacht, die das Gute will und tut, des Guten und nicht der Folgen wegen. – Er wusch sich weder vor noch nach der Handlung die hände. Was ich getan habe, hab' ich getan, war seine Losung. Pilatus sagte: was ich geschrieben habe, das hab' ich geschrieben. Unser Sonderling gab wie Engländer geben: nicht t ä g l i c h , wohl aber r e i c h l i c h . Wer vom Golde abhängt, pflegte er zu sagen, ist ärger als ew Sklav; denn dieser hängt von seines Gleichen ab. Man sagt: Geld ist ein guter Diener und ein böser Herr. Nicht also, versicherte der Engländer, es ist ein Teaterdiener, der immer mitspricht, klug wie ein Teufel ist und alle Welt und seinen Herrn am ersten überlistet. – Weniger aus Gefühl des Bedürfnisses mit Menschen zu leben, die, ob sie gleich nicht dachten wie er, dieser Verschiedenheit ungeachtet doch gut dachten; aus Menschenliebe war der Umgang mit Menschen je länger desto mehr seine Sache. – Epopten, die Licht sahen oder Ideale zu Idolen machten, diess Licht mochte übrigens sein wo und was es wollte, blieben vorzüglich seine Leute. Ein kleines Licht in der Finsterniss haben, sagte er, ist besser als ganz im Dunkeln sein. War es Wunder, dass bei diesen Gesinnungen der Pastor sein Freund ward, mit dem er bei aller ihrer Verschiedenheit übereinstimmte, und von dem er bei aller Uebereinstimmung verschieden war? Ein anderer musste angeben, ob sie eins oder uneins wären, sie selbst wussten es nie. Da Plato philonisirt und Philo platonisirt, was hatte es am Ende zu bedeuten? Man hätte sie immer sich selbst überlassen sollen. – Es sei ungerecht, glaubten sie, von unsern Dichtern und Philosophen immer etwas ganz neues zu verlangen. Etwas neues vom Jahre könnten sie liefern. – Freilich gilt eine Geistererscheinung mehr als alles, was philosophirt und gedichtet ist von Anbeginn bis jetzt! – Seit der langen Zeit, dass die Neigungen und die Seele des Engländers bei zwei ganz himmelweit unterschiedenen Personen waren, hatte er sich eine gewisse Zerstreuung angewöhnt, die einzig in ihrer Art war und zu lustigen Missverständnissen gelegenheit gab. Immer hatte er unaussprechliche Dinge im Vorrat, wobei der Pastor mit Worten die Hülle und die Fülle diente. – Auch gab der Engländer sich gern dazu her, durch Festlichkeiten, im Stillen angelegt, zu überraschen; diess war ihm eine Art von Reception. – Leicht glitt er über das weg, was man modisches Bedürfniss und Selbstliebe hiess. – Das Eis zu brechen war seine Luft; – Lob und Tadel war ihm nicht gleich. Wer Ernst