gewesen; wir wohnen in fünf verschiedenen Staaten.
Der Ritter fand die idee dieser edlen Männer so er
haben, dass er ihr völlig beitrat, und dass er von selbst sich aufs heiligste verband, ihr getreu zu sein bis den Tod. Nicht auf Kopf, Herz und Vermögen wollt' er es ansehen, soviel an ihm wäre, diess grosse edle Werk zu befördern. Er hatte so manchen Orden kennen gelernt, dessen geheimstes Wort die Unterjochung der menschlichen Kräfte ist; dieser beförderte sie. – Er bestand aus Menschen, wenn in jenen Orden nur Menschen gespielt werden. – Eine lächerliche Menschenmaskerade! Die Verbesserung der Menschen (die Juden nicht ausgeschlossen), die Reformation der heiligen Justiz und der unheiligen Finanzwissenschaft waren Gegenstände dieses Ordens. Die Menschen haben es schon mit T h e o k r a t i e n versucht; was war aber jene Regierung anders als Priesterei? Wo die Vernunft regiert, da ist wahre Teokratie, die ohne Zweifel das Ideal einer glücklichen Staatsverfassung ist. Wann sie eintreten wird? Eldorado ist oben oder unten; – kann es denn nicht auch auf Erden sein?
Dem guten Michael konnte man ohne alle Bedenklichkeit einen B l i c k in dieses Heiligtum erlauben; und es schien, als wäre dieser ordensfeindliche Orden dazu gemacht, den Ritter wegen aller der Kreuz- und Querzüge zu entschädigen, die er mit seinem Knappen unternommen hatte. Eins noch fehlte zu seiner Zufriedenheit: – Sophie. Von selbst waren Gastvetter und Johannes darauf bedacht, diesen stillen Wünschen des Ritters zuvorzukommen. Man fragte ihn, ob er einer
§. 171.
Adoptions-Versammlung
i h r e r Art beiwohnen wolle? Seine Antwort war ein entzücktes Ja, dem ein Seufzer folgte. Er begriff nicht, wie eine Adoption sich mit der geschlossenen Zahl sieben vertragen könne; doch liess er seinem Zweifel nicht den Zügel schiessen.
Ein Tag, unserm Ritter unvergesslich, war zur Aufnahme bestimmt. Eine ehrwürdige Dame warf im Geschlecht zur Ungebühr Rechte entzogen hätte? und ob er mit einigen ihres Geschlechts sich zu verbinden entschlossen sei, diesem Vorurteile zu widerstehen? Der Tugend und dem Talent (fuhr sie fort) gebührt Vertrauen. Wir wollen nichts erstürmen; und warum sollen wir auch das Schwert den Gesetzen entwenden und den Arm lähmen wollen, der es führt? Macht gibt keine Würde, achtung kann nicht befohlen werden; und wenn die Subordination nicht Folge von grundsätzen ist, was gilt sie? und wer ist sicher bei ihr? entfernt, Lärmkanonen zu lösen und Sturmglocken zu läuten, fordern wir vom andern Geschlecht auf dem Wege der Vernunft und der Billigkeit – und was? Wahrlich nichts, als was wir von Menschen, von Weibern geboren, erwarten können. Die Ritterzeiten der Männer haben aufgehört; durch uns soll keine Weiberritterzeit beginnen; wir wollen uns nicht erheben, nur Menschen wollen wir sein; Rechte nicht ertrotzen, sondern erbitten, und nur dann, wenn wir sie verdienen, sie verlangen. neu und überraschend war dem Adoptions-Candidaten dieser Antrag; doch trat er ihm mit einem wiederholten Ja bei. Warum auch nicht? Gibt es nicht Verluste, bei denen man gewinnt? Edler Mann, fuhr die Vorbereiterin fort, es wird wenig in der Welt verbessert, weil die Menschen es immer auf andere, und niemand auf sich selbst anlegt. Wollen Sie, um unser gutes Werk zu vollenden, unser Geschlecht aus den Weg lenken, wo es seines Vorzugs wenn nicht teilhaftig, so doch würdig werden kann? Er versprach es. Bei Eröffnung der Tür sah er nun noch zwei andere Damen; und die eine war –
§. 172.
Sophie.
Gott! welch ein blick! S o p h i e ! – Wahrlich! Hier sollte der Vorhang fallen. – E r f a l l e ! – Was ich von diesem Augenblick noch hinzufüge, sei Postscript und Zugabe – wie man will, zum Ueberschlagen und nicht zum Ueberschlagen. Unbeschreiblich ist, was Sophie und der Ritter empfanden, als sie sich erblickten. Sie machten auf einander Eindrücke über allen Ausdruck – fast könnt' ich sagen: über alles Gefühl. Der Gastvetter bemühte sich, diese Scene beiden erträglich zu machen. – Man kann trunken sein in Begeisterung. Ein übler Rausch! vielleicht der übelste, den man haben kann! Jene nüchterne Begeisterung aber, wo Feinheit der Reflexion, Delicatesse der Empfindung, Leichtigkeit des Ausdrucks, selbst anspruchloser Witz sich denken lässt, welch eine Wonne! – Da E r und S i e zu sich selbst kamen, dünkten sie sich beide schöner geworden zu sein. S i e hatte übernommen, e i n e A r t von Aufnahme zu halten; warum dahin, alles dahin! – Sie hatte i h n , und er s i e ! – Wahrlich, dieser Gedanke war hinreichend, alle Receptionen zu schliessen von der Zeit, da unser Ritter sich zwischen zwei Stühle setzte, bis auf das Gespräch mit einem von den toten im Apostelorden. Wer diese ächte Sophie sei? Kurz und gut: d i e Tochter des Gastvetters!
Dem Knappen Michael ward die Rolle bei der Begleiterin schwerer, als bei der Tochter des vornehmen Geistlichen; doch entging ihm auf den ersten blick der unendliche Unterschied nicht zwischen ächter und unächter Begleiterin. – Ritter und Knappe gestanden, dass ihre Ideale der Wahrheit und der natur weichen müssten, und wurden den Porträten ungetreu, die sie bis jetzt am Busen getragen hatten