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warenwer sollte es glauben? – zugleich eine Vorbereitung zu einem n e u e n O r d e n . Ein neuer Orden?

§. 167.

Allerdings;

und zwar ein solcher, zu welchem Johannes dem Ritter den Weg zeigen wollte. Dergleichen Brüdervorbereiter waren unserm Ritter seit der Zeit, dass Johannes ihn zur Freimaurerei präparirte, nicht vorgekommen, und da der Ritter aus jener Vorbereitung nur zu deutlich den Widerwillen unseres Johannes gegen alles Ordenswesen bemerkt hatte, so schien es ihm unbegreiflich, dass das Ende dieses Wortwechsels zu einem Orden führen sollte. Johannes, rief der Ritter auf, es ist nicht zum erstenmal, dass Teokratie in Hierarchie, der Monarch in einen Despoten ausartet, und der Philosoph ein Dichter wird. Sie und ein Ordenwie kommt diess Paar zusammen? Weiss ich nicht, dass Sie Mut und Redlichkeit hatten, ohne Rückhalt zu sagen, was Sie dachten? Suchten und fanden Sie je durch den Orden Ihr Glück? Erhielten Sie Ihr Amt nicht als Palme Ihres Verdienstes auf dem geradesten Wege, wenn andere sich durch Ordensprotectionen zu Ehren und Würden schwangen, zu denen Sie kein anderes Verdienst mitbrachten, als Ordenskreuze unter der Weste? Hiessen Sie nicht Tomas der Ungläubige? Und gibt es einen Menschen, der weniger für Ceremoder Sache passt, die es vorposaunt? Sie hatten bei Ihrer kleinen Stelle gelegenheit, sich durch Handelsunternehmungen das zu erwerben, was viele andere sich auf Schleichwegen ihres Amts zuzuwenden pflegen, und wohl Ihnen, dass Sie jetzt ohne Ab-, Hinund Rücksichten sich selbst – r e i n leben können! Stimmt Ihr Lebenslauf mit der idee eines Ordens? War nicht Ihr altes Lieb: warum Schule oder Orden?

Lehrte Plato, erwiderte Johannes, nicht, wie die Herren Sophisten, an einem gewissen Orte über gewisse Materien für gewisse Personen? Sokrates selbst hatte seine Brüder Jünger, wenn gleich er und sie keinen Orden ausmachten. Wenn wir unsern gegenwärtigen Sophisten entgegen arbeiten wollen, geht es ohne Ordensschule nicht füglich an. Doch ist unsere Loge gegen die Sophisten ohne Ordensmantel, ohne Bänder, ohne Verzierungen und ohne (des wunderbaren Putzes!) K r e u z , das, wenn es Galgen hiesse, fein Mensch tragen würde. – Dieser Orden ist das Gegenteil von allen Orden, oder legt es darauf an, das Gegenteil davon zu sein. Menschheit, Menschenliebe ist sein Zweck. Wär' ich im Apostelgrade, ich würde, setzte Johannes hinzu, wie ehemals Natanael in der Bibelsprache, sagen: K o m m u n d s i e h e ! Mein Herz spricht zu Ihnen; und das heisst Vorbereitung. – Es gibt keine Aufnahme; – jeder Mensch ist aufgenommen. Doch können Menschen unter sich Entschlüsse fassen; und sehen Sie da, das ist alles, was ich Ihnen zu sagen habe! – – Eine

§. 168.

Episode,

nicht nach Art der Apostel! – Der Apostel verlangte vom Engländer die Versicherung, dass die falsche Sophie und ihre Zofe nichts von seiner Güte einbüssen sollten; und Vater und Bruder bewilligten beiden, ausser der bisherigen Pension, eine Zulage. – Da die Maurerhandschuhe bereits enteiligt waren, so baten Ritter und Knappe, sie den Schauspielertöchtern abzunehmen und sie bis in den Grund zu vernichten, dass kein Andenken von ihnen übrig bliebe. Bewilligt. – S c h a u s p i e l e r t ö c h t e r ! sagte der Ritter mit Widerwillen in einem verdriesslichen Augenblick. – Ew. Gnaden werden verzeihen, erwiderte der Knappe, die Zofe war die Tochter eines hohen Geistlichen. – Als ob hohe Geistliche nicht auch Schauspieler wären! beschloss der Ritter. Johannes war der

§. 169.

Führer

unseres Ritters, dem er sich ganz überliess, und wahrlich, man könnte sich i h m überlassen. Jetzt wurden dem Ritter noch vier andere Menschen genannt, die abwesend waren. Ausser diesen vier andern war einer gegenwärtig, und dieser warwer errät es?

§. 170.

Der Gastvetter,

der das Wort führte; wenn man diesen zu starken Ausdruck in einem so kleinen, im Namen der Menschheit versammelten Cirkel gebrauchen kann, der aus edlen, prunklosen Menschen bestand, die nicht suchten das Ihre, sondern das, was der strengsten Wahrheit ist. Gewiss fällt Ihnen, sagte Johannes, Apollonius von Tyana ein, der auch sieben Jünger gehabt haben soll; allein Apollonius war ein Meister, der bei uns kein Meister sein würde. Und die Zahl sieben? Ist durch S i e entstanden; denn bis jetzt waren, trotz der Heiligkeit dieser Zahl, unser nur sechs. Hatte der Stifter des christentum nicht auch ter, ist bei dem allen eine Art von Naturzahl; ich bin ihr gut, ohne zu wissen, warum. Die Grundsätze des Gastvetters kennen wir, nach welchen er einen Ritter nur in so weit dafür hielt, als er sich mit Leibes- und Seelenkräften angelegen sein liess, das Gute zur herrschaft über das Böse zu bringen, in sichund, wo möglich, überall. – Wenn der Philosoph denkt, der Edelmann denkt und tut, so sind unsere Begriffe von Glückseligkeit und Tugend durch die Philosophen berichtigt und befestigt und durch die Ritter das Schöne und Erhabene auf Erden versinnlicht. Heil den Wortführern und den Tätern des Worts!

Eben diese Grundsätze herrschten in diesem Cirkel, den keine Tradition von uralter ahnenreicher Abkunft, nach väterlicher Ordensweise, ehrwürdig machen durfte.